Ons kookboek(je) (Unser Kochbuch) erschien erstmals 1927 und wurde mehrfach wiederaufgelegt. Ursprünglich sollte es als Leitfaden für den Kochunterricht des katholischen Bauernbundes dienen. Ausgabe aus dem Jahr 1949. | Dilsen-Stokkem, Kulturdienst

Künste & Wissenschaften
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1927
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„Unser Kochbuch“

Kulinarische Kanons

1927 erschien auf Initiative des Landfrauenverbandes Boerinnenbond die erste Ausgabe von Ons kookboek. Dieser Küchenratgeber entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Rezeptbücher und setzte den Standard in vielen flämischen Küchen.

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Der katholische Boerinnenbond wandte sich an die Ehefrauen flämischer Landwirte. Ons kookboek sollte diese Frauen anlernen, „alles, was sie auf dem Bauernhof haben, möglichst gut und nützlich abwechslungsreich zu verwenden“. „Unser Kochbuch“ enthielt einfache Rezepte für Suppen, Soßen und Nachspeisen, ebenso wie Tipps zur längeren Aufbewahrung von Obst und Gemüse. Betont wurde die Wichtigkeit einer ausgewogenen Mahlzeit für die ganze Familie. Ausgewogenheit bedeutete damals eine Kombination aus Fleisch, Kartoffeln und Gemüse.

Inzwischen wurden von Ons kookboek über 2,5 Millionen Exemplare verkauft. Es hatte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die flämische Esskultur. Das Büchlein von 1927 wurde immer dicker und hielt auch mit neuen Küchentrends Schritt. Heutzutage stehen Couscous, Quinoa und Hummus brüderlich neben Klassikern wie Hackbällchen in Tomatensoße und Spargel auf Flämische Art.

<p>Diese Frauen des Bäuerinnenbundes der Gemeinde Herent in Neerpelt (dem heutigen Pelt) lernen, wie man Obst und Gemüse einkocht. Solche Einmach- bzw. Einkochkurse waren in der Zwischenkriegszeit sehr beliebt.</p>

Löwen, KADOC-KU Leuven, Fotosammlung KVLV/FERM, KFA23195

Diese Frauen des Bäuerinnenbundes der Gemeinde Herent in Neerpelt (dem heutigen Pelt) lernen, wie man Obst und Gemüse einkocht. Solche Einmach- bzw. Einkochkurse waren in der Zwischenkriegszeit sehr beliebt.

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Kulinarische Kanons

Die Küche ist ein Zusammenspiel aus lokalen und globalen Einflüssen. Die Römer brachten Pfeffer, Brot und Wein. Seit dem 16. Jahrhundert kamen neue Lebensmittel wie Truthahn, Kartoffeln und Mais aus Amerika hinzu. Oft landeten diese erst auf den Tellern der Reichen und drangen anschließend ganz allmählich zu der ärmeren Bevölkerung durch.

Im 19. Jahrhundert entstanden deutlich nationale und regionale „Küchen“. Zuvor waren Rezepte hauptsächlich mündlich von Generation zu Generation weitergegeben würden. Aber jetzt schrieben bekannte Chefköche Kochbücher, die bis heute das Bild der „klassischen“ französischen oder italienischen Küche bestimmen. In einer Zeit des aufkommenden Nationalismus gaben sie der eigenen Nation auch ein kulinarisches Gepräge.

1861 erschien Het spaarzame keukenboek („Das sparsame Küchenbuch“) des Genter Kochs Philippe Edouard Cauderlier. Dieses ursprünglich auf Französisch verfasste Werk lieferte hauptsächlich eine budgetfreundliche Version von Rezepten großer französischer Küchenchefs, auch wenn die Zielgruppe nach wie vor das höhere Bürgertum war. Gleichzeitig enthielt es originale Vorschläge für „Kalbfleischbällchen“ und für „Kartoffeln in Fett gebräunt“ – wahrscheinlich ein Rezept für Pommes Frites?

Viele Kochbücher widerspiegelten eine bürgerliche Esskultur: drei Mahlzeiten am Tag, drei Gänge und drei Elemente (Fleisch, Kartoffeln, Gemüse). Dem gemeinen Volk war derlei lange Zeit nicht beschieden. Fleisch zum Beispiel war viel zu teuer, um es täglich zu konsumieren. Ons kookboek verbreitete diese Essgewohnheiten später auch unter breiteren Bevölkerungsschichten.

Fokuspunkte

Privatsammlung Michel Follet

„Smoutebollenkraam“ auf der Antwerpener Kirmes Sinksenfoor, 2011. Smoutebollen, Apfelbeignets, Pfannkuchen und Pommes frites: für viele fester Bestandteil eines Jahrmarktsbesuchs.

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Eine sich wandelnde Esskultur

Der Inhalt beliebter Kochbücher wird immer von deren Umgebung beeinflusst. Aber auch umgekehrt beeinflussen diese Bestseller die Essgewohnheiten ihrer Leserinnen und Leser.

Die ersten Ausgaben von Ons kookboek erschienen in einer Zeit finanzieller Krisen und wirtschaftlicher Stagnation. Ihre zentrale Botschaft war Sparsamkeit: Verwendet möglichst viele Produkte aus eigener Erzeugung. Auch in der Sonderausgabe von 1941 predigte der Boerinnenbond Einfachheit und Sparsamkeit. Dieses Oorlogskookboekje („Kriegskochbüchlein“) riet beispielsweise dazu, Kartoffeln in der Schale zu kochen (so behielten sie mehr Nährstoffe) oder Mayonnaise mit weniger Öl zuzubereiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Zahl der Landwirte zurück. Ons kookboek zielte immer weniger auf die flämische Bauernfamilie ab, auch wenn das Kapitel über die Hausschlachtung eines Schweins erst in den 1990er-Jahren verschwand. Der Boerinnenbond versuchte, mit neuen Ausgaben alle Frauen auf dem Lande zu erreichen, und noch später alle flämischen Haushalte. Das gelang recht gut, nicht zuletzt, weil Ons kookboek zu einem beliebten Hochzeitsgeschenk wurde.

Der Zuzug von Migranten aus Italien und Nordafrika hinterließ ebenfalls Spuren. Ab 1960 schuf Ons kookboek Platz für neue Esskulturen. So stehen in der Ausgabe von 1964 erstmals ausführliche Rezepte für Spaghetti alla Bolognese und Risotto. Auch neue Trends wurden aufgegriffen oder lanciert, wie der Gebrauch eines Tiefkühlgeräts (das erst bei der ländlichen Bevölkerung Eingang fand), des Mikrowellenherds und das Kochen mit einer Wokpfanne. Erst 1985 richtete Ons kookboek sich ausdrücklich auch an Männer. Bis dahin war das Buch davon ausgegangen, dass in flämischen Haushalten immer die Frauen am Herd standen.

Krant van West-Vlaanderen, Gerda Verbeke

Zuckerfest in Anzegem, 2020.

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Fasten

Das Bewusstsein in Bezug aufs Essen ist seit einigen Jahrzehnten gewachsen – was man zu sich nehmen soll, aber was auch nicht. Ebenso gut kann jemand über einen bestimmten Zeitraum nicht essen und/oder trinken. Diese ganze oder teilweise Enthaltung nennt man Fasten. Die Gründe zu Fasten sind unterschiedlich: um abzunehmen, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern oder aus religiösen Motiven.

Religiöses Fasten ist ein wiederkehrendes Ritual. Die katholische Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern ist eine alte Tradition, die heute weniger befolgt wird, manchmal aber auch durch alternative Fastenpraktiken wie den Verzicht auf Alkohol, soziale Medien oder den Gebrauch des Autos ersetzt wird.

Muslime dagegen haben eine aktive Fastenkultur. Im Fastenmonat Ramadan verzichten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Rauchen und Geschlechtsverkehr zu dieser Tageszeit sind ebenfalls untersagt. Dem Islam zufolge läutert der Ramadan den Menschen und lehrt ihn Selbstdisziplin und Mitgefühl für die Armen. Im Mittelpunkt steht die Zusammengehörigkeit. So wird bei Sonnenuntergang das Fasten täglich mit einem Iftar, einem Essen zusammen mit Verwandten, Freunden und Bekannten, gebrochen. Auch in Flandern bringen Moscheen und verschiedene Organisationen Muslime und Nicht-Muslime zusammen, um am Iftar teilzunehmen. Nach dem Fastenmonat folgt das Fest des Fastenbrechens oder Eid al-Fitr, auch Zuckerfest genannt. Muslime wünschen sich dann ein gesegnetes Fest oder Eid Mubarak.

Löwen, Zentrum für Agrargeschichte, B00001889

Der Genter Koch Philippe Edouard Cauderlier schrieb als Erster ein belgisches Kochbuch (1861), das er Das sparsame Küchenbuch nannte.

Löwen, Zentrum für Agrargeschichte, B00001264

Speisekarte eines Festmahls anlässlich der Einweihung des Nahstreckenverkehrs Antwerpen-Oostmalle-Turnhout, 1886.

Leuvense stoof.
Löwen, KADOC-KU Leuven, Fotosammlung Boerenbond

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nutzte man zum Kochen keinen offenen Herd mehr. In Haushalten mit bescheidenem Einkommen wird in der Regel der „Leuvense stoof“ („Löwener Herd“) verwendet, der seinen Namen erhielt, weil in der Gegend um Löwen schöne Exemplare hergestellt wurden.

Antwerpen, Standaard Uitgeverij, @2023, Stiftung Marc Sleen

Die Comics über Nero, gezeichnet von Marc Sleen (1922-2016), enden fast immer mit einem „flämischen Waffelnbacken“, um den guten Ausgang des Abenteuers zu feiern.

De tuinbouwveiling van Sint-Katelijne-Waver.
Löwen, KADOC-KU Leuven, Fotosammlung Boerenbond

Die Gartenbauauktion von Sint-Katelijne-Waver (hier um 1950-1960) war ein wichtiges Bindeglied im Vertrieb von Obst und Gemüse in Flandern. Heute gehört sie zur größten Auktionsgruppe Europas.

Boğaziçi.
Gent, Amsab-ISG, fo033738, Lieve Colruyt/Rechte SOFAM Belgien

„Boğaziçi“ (Der Bosporus) war das erste türkische Restaurant in Gent. Für viele Genter war dies die erste Gelegenheit, frischen Döner Kebab, die Spezialität des Hauses, zu probieren.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Ons kookboek
Koppen

Bron: VRT-archief – 25 jan 2000

Oudste kookboek
De Zevende Dag

Bron: VRT-archief – 16 mei 2010

Leuvense stoof
Journaal

Bron: VRT-archief – 27 aug 2006

Sachbuch


Bruninx Veronique & Vrancken Kaat
Kebab met mayonaise: een hedendaagse kijk op traditionele en industriële eetcultuur

Stichting Industrieel en Wetenschappelijk Erfgoed, 2007. 

Draye Greet & Paulussen Femke
Koffiestories: een complete koffiegeschiedenis

Hannibal Books, 2020. 

Henderickx Staf
Van mammoet tot Big Mac. Een geschiedenis van onze voeding

EPO, 2017. 

MAS
Antwerpen à la carte. Eten en de stad, van de middeleeuwen tot vandaag

BAI, 2016. 

Moulin Léo
Europa aan tafel. Een cultuurgeschiedenis van eten en drinken

Mercatorfonds, 2002. 

Niesten Eddie, e.a.
België kookt! De eeuw van Cauderlier 1830-1930

CAG, 2004. 

Niesten Eddie, e.a.
Kattentongen, ezelsoren en varkenspoten: onze keuken in de 20ste eeuw

CAG, 2002.

Niesten Eddie
Goesting in Vlaanderen. Wat wij al eeuwenlang lekker vinden

Davidsfonds, 2009. 

Niesten Eddie
Op de wijze van de chef

Garant, 2011.

Scholliers Peter
Arm en rijk aan tafel. Tweehonderd jaar eetcultuur in België

EPO, 1995. 

Scholliers Peter
Brood. Een geschiedenis van bakkers en hun brood

Vrijdag, 2021. 

Segers Yves & Van Molle Leen (red.)
Leven van het land. Boeren in België, 1750-2000.

Davidsfonds, 2004. 

Van Uytven Raymond
Geschiedenis van de dorst. Twintig eeuwen drinken in de Lage Landen

Davidsfonds, 2007. 

Fiktionales


Boon Louis Paul
Eten op zijn Vlaams

De Arbeiderspers, 2015.  

Verheyden Filip & Niesten Eddie
De keuken van ons moeder: het culinair erfgoed van België

Homarus Culinaire Uitgeverij, 2007. 

Comics


Verhoeven Leon
StripKookboek

Personalia, 2019.

Verhoeven Leon
StripKookboek II

Personalia, 2023.