Jozef Cardijn (1882-1967) als Redner (Hasselt, 1934). | Löwen, KADOC-KU Leuven, Bildmaterial KFA4180
Die Jugendbewegung des Joseph Cardijn
Versäulung und Säkularisierung
Der aus Halle an der Senne stammende Priester Joseph Cardijn war empört über das elende Los arbeitender Jugendlicher. Darum gründete er nach dem Ersten Weltkrieg die Katholische Arbeiterjugend. Seine neue Jugendbewegung fand Resonanz und ist bis heute weltweit aktiv.
Als junger Kaplan in Laken wurde Cardijn vor dem Ersten Weltkrieg mit der Armut und Ausbeutung von Arbeitern konfrontiert. Viele Jungen und Mädchen verließen die Schule mit vierzehn Jahren, um zu arbeiten. Besonders deren Arbeitssituation berührte ihn. Um das Leben der Jugendlichen aus diesem benachteiligten Milieu zu verbessern, organisierte er Zusammenkünfte für Fabrikjungen. Aus seiner Initiative ging 1924 die Katholische Arbeiterjugend oder KAJ hervor. Etwas später erweiterte Cardijn die Jugendbewegung um eine Abteilung für Mädchen. „Kajotter“ und „Kajotterinnen“ erhielten eine religiöse Bildung und lernten, sich aktiv für bessere Lebens- und Arbeitsumstände einzusetzen. Durch das Charisma Cardijns wuchs die KAJ rasch, auch in französischsprachigen Belgien. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Cardijn seine Jugendbewegung weltweit aus. Als Zeichen der Würdigung ernannte Papst Paul VI. ihn 1965 zum Kardinalnach dem Papst der höchste Rang innerhalb der katholischen Kirche .
Löwen, KADOC-KU Leuven, Bildarchiv KAJ/VKAJ, 137
Kajotters beim Jubiläumskongress auf dem Heizel, 1935.
Versäulung und Säkularisierung
Als Cardijn seine Jugendbewegung ins Leben rief, hatte die katholische Kirche noch einen großen Einfluss auf das private wie öffentliche Leben. Sie war jedoch besorgt wegen der Folgen der modernen Industriegesellschaft und sah im Sozialismus eine Bedrohung.
Um Gläubige an sich zu binden, unterstützte die Kirche besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Gründung katholischer Organisationen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Außer Schulen und Krankenhäusern entstanden so Krankenkassen und Gewerkschaften, Sportvereine, Kinos und sogar ein eigener Rundfunksender. All diese Initiativen sollten die katholische Weltanschauung verbreiten. Ob jung oder alt, männlich oder weiblich, geschult oder ungeschult: Für alle gab es ein Angebot. Auch in sozialistischen und liberalen Kreisen setzte man auf diese Strategie der Mitgliederbindung. Soziologen sollten die Aufteilung der Gesellschaft in gesonderte weltanschauliche Kreise später als „Versäulung“ bezeichnen.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr Jugendliche länger zur Schule konnten und durch den wachsenden Wohnstand auch immer mehr Freizeit entstand, ging der Einfluss der Religion allmählich zurück. Auch die Kirche selbst zeigte ab den 1960er-Jahren mehr Verständnis und Offenheit für die moderne Gesellschaft. So kam es zu einer beschleunigten Säkularisierungschwindender Einfluss der Religion bei gleichzeitiger Zunahme der Bedeutung weltlicher Angelegenheiten . Das ging mit einem Prozess der „Entsäulung“ einher: Statt sich nahezu ausschließlich an das Angebot der eigenen Säule zu halten, trafen die Menschen öfter eigene Entscheidungen. Viele versäulte Organisationen blieben jedoch bestehen, weil sie wichtige Dienstleistungen anboten, etwa die Gesundheitsfürsorge oder die gewerkschaftliche Interessenvertretung.
Fokuspunkte
Erfahren Sie mehr über dieses Thema
Sachbuch
De jaren ’30 in België: De massa in verleiding
Ludion, 1994.
Cardijn. Een mens, een beweging
KADOC Jaarboek, 1982.
Door eigen werk sterk. Geschiedenis van de kajotters en de kajotsters in Vlaanderen, 1924-1967
KADOC, 2004.
Patronaten worden Chiro: jeugdbeweging in Vlaanderen 1918-1950
Davidsfonds, 1993.
Tussen bescherming en verovering. Sociologen en historici over zuilvorming
UPL, 1988.
De christelijke arbeidersbeweging in België
2 dln., UPL, 1991.
De verzuiling voorbij
Kritak, 1987.
Het volk in beweging. Beweging voor het volk: 125 jaar ACW Gent-Eeklo
Vanden Broele, 2016.
De Chiro gaat retro
Chirojeugd-Vlaanderen vzw, 2008.
Het Vlaamse platteland in de fifties
Davidsfonds Uitgeverij, 2012.
Wilde jaren: een eeuw jeugdcultuur
Lemma, 2000.
Voor u, beminde gelovigen: het Rijke Roomse leven in Vlaanderen 1920-1950
Lannoo, 1993.
Cardijn en de KAJ een wereld in beweging
Uitgeverij Averbode, 2017.
Ieder voor allen. De Belgische Boerenbond 1890-1990
LUP, 1990.
Fiktionales
Een mens is maar een wandelaar
Davidsfonds Uitgeverij, 2018.
De bolhoed van mijn vader: herinneringen uit de kersentijd
Polis, 2015.
Comics
Scoutswoord, erewoord
TJ Editions, 2014.
De beverpatroelje (30 albums)
Arboris, 1954-1993.
Jommeke. Het verpeste kamp (nr. 308)
Standaard Uitgeverij, 2022.
Le Cardinal Cardijn
Gepubliceerd in magazine J2 Jeunes, nr. 6, 11 februari 1965.
De Avonturen van Totor P L van de Meikever
Gepubliceerd in Le Boy-scout belge, 1926.
Baden Powell
Dupuis, 1950.
De avonturen van Urbanus. Urbanus bij de Chiro (nr. 134)
Standaard Uitgeverij, 2017.
Suske en Wiske. De wervelende waterzak (nr. 216)
Standaard Uitgeverij, 1988.
Suske en Wiske. 25th World Scout Jamboree Korea 2023
Standaard Uitgeverij, 2023.