Winterslag, die erste Bergbausiedlung in Limburg, 1923. Heute beherbergt sie Feniks, vormals die „Limburgse Associazioni Cristiane Lavoratori Italiani“ (ACLI). | Genk, Sammlung „Geheugen van Genk”, Emile Van Dorenmuseum
Multikulturelle Bergbausiedlungen
Steinkohle in Limburg
Die Entdeckung von Steinkohle in Mittel-Limburg im Jahr 1901 läutete für die Region ein neues Zeitalter ein. Plötzlich entstanden in den stillen Limburgischen Kempen Bohrtürme, Straßen, Bahnlinien und neue Wohnviertel. Die Bergwerksdörfer wurden allmählich von Arbeitern aus dem In- und Ausland bevölkert.
Um die gerade erst entdeckten Steinkohleadern anzubohren, ließen sich verschiedene Bergwerksbetriebe in Limburg nieder. An Kapital mangelte es den Betreibern nicht, aber wohl an Arbeitskräften. Weil die Region dünn besiedelt war, mussten die zukünftigen Arbeitskräfte von woanders herkommen. Für die tausenden Arbeiter und ihre Familien ließen die Zechenbetriebe ganze Bergwerksdörfer oder Cités hochziehen. Außer Wohnhäusern bauten sie Schulen und Kirchen, eine Sportinfrastruktur und Theatersäle. Das gestattete den Zechenbesitzern eine starke Kontrolle über ihre Arbeitnehmer.
Der Plan der Bergwerksdirektoren, mit grünen Straßen und schönen Wohnungen Arbeiter aus der weiten Umgebung anzuziehen, gelang nur teilweise. Darum rekrutierten sie auch Bergarbeiter in Ost- und Südeuropa, der Türkei und Nordafrika. So entwickelten sich die Bergbausiedlungen zu einem Schmelztiegel der Sprachen, Kulturen und Religionen.
Hasselt, Staatsarchiv
Nachdem ein unterirdisches Steinkohlevorkommen entdeckt wurde, erschienen dort Bohrtürme inmitten der Limburger Heide. Das Foto zeigt den Aufbau der Mine von Winterslag, 18. April 1910.
Steinkohle in Limburg
Die Entdeckung von Steinkohle in Limburg im Sommer 1901 machte Schlagzeilen. Steinkohle war damals die wichtigste Energiequelle, und so hofften viele, dass die arme Provinz endlich einer Zeit des Wohlstandes und der wirtschaftlichen Entwicklung entgegensehen würde.
Große Finanz- und Industriekonsortien, die auch in Wallonien aktiv waren, gründeten 1907 in Limburg Bergwerksgesellschaften. Sie standen vor großen Herausforderungen: Die Steinkohleschichten befanden sich in einer schwer zu erreichenden Tiefe von fünfhundert Metern und mehr. Überdies fehlte es in dem dünn besiedelten Heidegebiet vielfach an grundlegender Infrastruktur wie genügend Wohnraum und einem ausreichenden Straßennetz. 1914 brach zudem der Krieg aus. Dadurch ging die erste Zeche – Winterslag in Genk – erst 1917 in Produktion. In den darauffolgenden Jahren öffneten noch fünf weitere Zechen. Am Höhepunkt des Abbaus, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, boten sie 44.000 Arbeitern Beschäftigung.
Die Steinkohlezechen brachten die katholische Landbevölkerung mit Phänomenen der modernen industriellen Welt wie Gewerkschaften und dem Sozialismus in Berührung. Außerdem sorgte die Steinkohleindustrie für eine starke Bevölkerungszunahme mit einer sehr diversen kulturellen Zusammensetzung. Selten transformierte ein einzelner Industriezweig in Flandern eine ganz Region so grundlegend in so kurzer Zeit.
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