Simon Stevin, posthumes Porträt. | Leiden, Universitätsbibliothek, Douza-Archiv

Künste & Wissenschaften
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1548 - 1620
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Simon Stevin

Der Blick der Wissenschaft

Der vielseitige Wissenschaftler Simon Stevin lieferte wichtige Beiträge zu Mathematik und Physik und Naturkunde, Logik und dem Studium von Sprachen, fand als Ingenieur aber auch Lösungen für vielerlei praktische Probleme. Zusammen mit unter anderem Gerard Mercator und Andreas Vesalius steht er für die Modernisierung der Wissenschaft.

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Stevin wuchs in Brügge auf, arbeitete einige Zeit in Antwerpen und zog als Dreißiger nach Leiden, vermutlich aufgrund seiner protestantischen Überzeugung. Er verbreitete das Dezimalsystem, das schon im 10. Jahrhundert in der arabischen Welt erfunden worden war, das er aber weiterentwickelte. Er erfand niederländische Wörter, die noch immer gängig sind,  wie „evenwijdig“ (für parallel), „wiskunde“ (für Mathematik) und „scheikunde“ (für Chemie). Daneben verbesserte er die Funktion von Schleusen, ersann Zinstabellen für die Tilgung von Hypotheken und schuf die Grundlage für die gewerblich-technische Ausbildung. Als einer der Ersten in den Niederlanden unterstützte er die These des Kopernikus, dass sich die Erde um die Sonne dreht, und huldigte dem Prinzip der Volkssouveränitätdas Prinzip, dass die höchste Autorität beim Volk liegt und ein Staatsoberhaupt sich an Gesetze und Vereinbarungen mit der Bevölkerung halten muss . Mit seiner empirischen und auf genauen Beobachtungen gestützten Arbeitsweise trug er zu neuen, modernen Standards für die Wissenschaft bei.

<p>In <em>De Thiende</em> (1585) formulierte Stevin die Rechengrundregeln für Dezimalzahlen und erörterte deren praktischen Anwendungen. Stevin bereitete mit seiner Arbeit der Verwendung der römischen Ziffern in Europa ein Ende, mit denen sich schwer rechnen lässt.</p>

Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Historische Bibliotheek Hendrik Conscience, Flandrica, G 50187

In De Thiende (1585) formulierte Stevin die Rechengrundregeln für Dezimalzahlen und erörterte deren praktischen Anwendungen. Stevin bereitete mit seiner Arbeit der Verwendung der römischen Ziffern in Europa ein Ende, mit denen sich schwer rechnen lässt.

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Der Blick der Wissenschaft

Um 1586 stand Simon Stevin auf dem Turm der Nieuwe Kerk in Delft, um von dort zwei unterschiedlich schwere Bleikugeln gleichzeitig herabfallen zu lassen. Sie schlugen gleichzeitig auf dem Boden auf. Mit diesem einfachen Experiment widerlegte Stevin eine fast zweitausend Jahre alte Theorie des Aristoteles, die viele Wissenschaftler noch für wahr hielten. Leichte und schwere Objekte fallen sehr wohl gleich schnell! Ein Experiment, das 2022 mit extremer Präzision wiederholt und bestätigt wurde.

Wichtiger noch als das Ergebnis dieses Experiments war, dass Stevin demonstrierte, wie Theorie in Kombination mit Experimenten zu einer zuverlässigen wissenschaftlichen Methode führt. Nicht umsonst lautete seine Devise „Wonder en is gheen wonder“ („ein Wunder ist kein Wunder“): physikalische Phänomene (Wunder) können von der Wissenschaft ergründet werden und verlieren dann ihre Unerklärlichkeit.

Wie Andreas Vesalius, Rembert Dodoens und Gerard Mercator war Stevin ein Gesicht der wissenschaftlichen Revolution, die sich im 16. Jahrhundert vollzog. Diese Gelehrten warben für neue Forschungsweisen und erfanden wissenschaftliche Anwendungen. Sie schöpften immer noch Inspiration aus der klassischen Antike, hielten die alten Einsichten aber nicht mehr sklavisch für wahr. Sie wollten selbst experimentieren, beobachten und neue Gesetze formulieren.

Fokuspunkte

Amsterdam, Rijksmuseum, RP-P-2016-1796

Andreas Vesalius führt eine Sektion in einem anatomischen Theater aus. Titelblatt des Werkes De humani corporis fabrica (1555).

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Der Blick des Arztes Vesalius

Dass eine verlässliche Wissenschaft nicht ohne genaueste Beobachtungen auskommt, war zuvor schon von Andreas Vesalius (1514-1564), den Begründer der modernen Anatomie, bewiesen worden. Dieser Spross einer Brüsseler Ärztefamilie gründete sein Wissen über den menschlichen Körper nicht auf Theorien, sondern auf die sorgfältige Sezierung menschlicher Leichen. Damit durchbrach er ein Tabu, aber so konnte er allerlei jahrhundertealte Irrtümer für immer aus der Welt schaffen.

Vesalius studierte an der Universität von Löwen, wo er die Zulassung erhielt, Sezierungendas Aufschneiden und Zerlegen von Leichen durchzuführen. Der Bürgermeister stellte dafür Leichen erhängter Krimineller zur Verfügung.

Nach seinen Studien zog Vesalius nach Padua, ins damalige Zentrum der westlichen Medizin. Er wurde dort an die Universität berufen und schrieb sein siebenteiliges Werk De humani corporis fabrica„Über den Aufbau des menschlichen Körpers” . Dieses Buch enthielt eine minuziöse anatomische Beschreibung des gesamten menschlichen Körpers. Die Illustrationen waren informativ wie keine zuvor. Vesalius’ Erkenntnisse transformierten die Medizin. Er richtete seinen wissenschaftlichen Blick auf den gesunden Körper, während damalige Ärzte hauptsächlich an Krankheitslehre interessiert waren. Vesalius widmete sein Buch Kaiser Karl V., der ihn sogleich zu seinem Leibarzt ernannte. Er blieb bis zu seinem Tod im Dienst des Habsburger Hofes.

Amsterdam, Rijksmuseum, RP-P-OB-10.152

Druck von Mercator, auf dem er den magnetischen Nordpol angibt.

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Der Blick des Kartographen Mercator

Gerard Mercator (1512-1594) war Werkzeugbauer, Mathematiker und Bibelgelehrter, aber Weltruhm erwarb er sich mit seinen Landkarten.

Mercator wurde als Gerard de Kremer und Sohn eines Schuhmachers in Rupelmonde geboren. Er studierte in Löwen, wo er in den Bann der Kartographie geriet, einem Fachgebiet, das sich in den Niederlanden auf dem Vormarsch befand. Er fertigte unter anderem einen Erdglobus und einen Himmelsglobus sowie eine sehr genaue Karte von Europa an und stellte einen Atlas zusammen, eine Sammlung von Weltkarten.

Die von ihm erstellten Karten waren ungemein wichtig für die europäischen Seefahrer, die zu dieser Zeit die Welt erkundeten. Jedoch hat der Stubengelehrte Mercator nie eine Seereise unternommen. Für ihn beinhaltete die wissenschaftliche Methode, dass er neben der Theorie auch auf eigene Berechnungen zurückgriff. Mathematik und deren konkrete Anwendungen bildeten die Grundlage der wissenschaftlichen Revolution.

Seine wichtigste Erfindung war die Mercatorprojektion. Mit dieser Projektion versuchte er, etwas Unmögliches zu verwirklichen: Eine Kugel korrekt auf eine zweidimensionale Fläche zu projizieren. Selbstverständlich stand bei ihm Europa im Mittelpunkt. Die mithilfe der Mercatorschen Projektionstechnik angefertigten Karten machten es für Seefahrer viel einfacher, den richtigen Kurs zu finden. Sie behalten nämlich die korrekte Richtung bei: Gerade Linien zwischen zwei Punkten ergeben sogleich die exakte Kompassrichtung. Bis heute findet die Mercatorprojektion noch überall Verwendung.

Aardglobe Mercator.
Sint-Niklaas, Koninklijke Oudheidkundige Kring Land van Waas, Mercatorcollectie

Gerard Mercator, Aardglobe (Erdglobus), 1541. Dieser Globus wurde von Gerard Mercator für Nicolas Granvelle (1484-1550), einem Staatsmann Kaiser Karls V. angefertigt. Der Globus zeigt, welche Erkenntnisse die Entdeckungsreisen gebracht hatten.

Een blad uit de Fabrica van Vesalius. Zijn Latijnse benamingen voor lichaamsdelen groeiden uit tot de standaard in de anatomie.
New York City, The Metropolitan Museum of Art, 53.682

Eine Seite aus der Fabrica des Vesalius. Seine lateinischen Bezeichnungen für Körperteile wurden zum Standard innerhalb der Anatomie.

Cruydenboeck.
Mechelen, Regionale Bilddatenbank

Der Mechelner Stadtarzt Rembert Dodoens (1517-1585) versuchte in seinem Cruydeboeck (1554) erstmals, Pflanzen in verschiedene Klassen einzuteilen, noch bevor Carolus Linnaeus (1707-1778) den Grundstein für die Taxonomie der Pflanzen legte.

Wikimedia Commons Amsterdam, Schifffahrtsmuseum

Stevin war die treibende Kraft hinter der School voor Duytsche Mathematique in Leiden. Diese im Jahr 1600 gegründete Schule, bildete Militäringenieure und Festungsbauer in der Volkssprache heran und war die einzige ihrer Art in Europa. Stevin erstellte den Lehrplan.

Standbeeld Simon Stevin.
Brüssel, Flämische Agentur für bauliches Kulturerbe, Pascale Hendrickx

Stevin wurde nach der Belgischen Revolution von 1830 wiederentdeckt. Im Jahr 1846 widmete Brügge ihm zu Ehren eine Statue. Dieses Ereignis wurde von großen Feierlichkeiten begleitet, aber auch von Spannungen zwischen liberalen Befürwortern und Katholiken, für die der in den protestantischen Norden emigrierte Stevin ein „Ketzer“ war.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Mercator Frank
Document

Bron: VRT archief, Museum Plantin-Moretus – 24 okt 1994

Mercator Rupelmonde
De Zevende Dag

Bron: VRT archief – 4 maa 2012

Simon Stevin
Ten huize van… – Marcel Minnaert

Bron: VRT archief – 26 jun 1970

Vesalius
Vlaanderen Vakantieland

Bron: VRT archief – 15 nov 2014

Sachbuch


Bracke Wouter, e.a.
Vlaanderen in 100 kaarten

Davidsfonds, 2015. 

Broos Paul
Anatomia: de ontdekking van het menselijk lichaam in de Lage Landen (16de tot 18de eeuw)

Davidsfonds, 2017. 

Crane Nicholas
Mercator, de man die de wereld in kaart bracht

Ambo/Anthos, 2003. 

De Maesschalck Edward
Leuven en zijn colleges: trefpunt van intellectueel leven in de Nederlanden (1425-1797)

Sterck & De Vreese, 2021. 

Devreese Jozef & Vanden Berghe Guido
Wonder en is gheen wonder: de geniale wereld van Simon Stevin 1548-1620

Davidsfonds, 2003. 

Droste Filip G.
Simon Stevin, wetenschapper in oorlogstijd 1548-1620

Aspekt, 2007. 

Reinertsen Berg Thomas & Wiersma Neeltje
Wereldtheater. De geschiedenis van de cartografie

Athenaeum-Polak & Van Gennep, 2018. 

Vanden Berghe Guido, Viaene Dieter & Vandamme Ludo
Simon Stevin van Brugghe (1548-1620): hij veranderde de wereld

Sterck & De Vreese, 2020. 

Vanpaemel Geert
Wereldwijs: wetenschappers rond Keizer Karel

Davidsfonds, 2000. 

Vanpaemel Geert
Vesalius, het lichaam in beeld

Davidsfonds, 2014. 

Weyns Francis
XVI. De zinderende 16de eeuw: Habsburgers, heksen, ketters & oproer in de Lage Landen

Borgerhoff & Lamberigts, 2021. 

Fiktionales


Richelieu van Londersele Roel
De vriend van Vesalius

Atlas, 1997.

Tulkens Joris
Vesalius, een beroemd anatoom gevangen in de intriges van het Spaanse hof

Davidsfonds, 2014. 

Van Robays Johan
Andreas: de fictieve autobiografie van Vesalius, de grootste anatoom aller tijden

Van Halewyck, 2014. 

Vermeulen John
Tussen god en de zee: roman over het leven en werk van Gerard Mercator

Kramat, 2004. 

Comics


Geerts Paul
Suske en Wiske. De mollige meivis (nr. 93)

Standaard Uitgeverij, 1975.

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