Herdenkingsring Cathelyne Van den Bulcke.

Ringförmiges Denkmal für Cathelyne Van den Bulcke auf dem Grote Markt in Lier. | Chris Van Rompaey

Sinngebung & Weltanschauung
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Cathelyne Van den Bulcke

Hexenprozesse in Europa

Am 20. Januar 1590 landete Cathelyne Van den Bulcke auf dem Großen Markt von Lier auf dem Scheiterhaufen. Sie war eine der vielen „Hexen“, die zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert zu Opfern des Volksaberglaubens wurden. Im Jahr 2021 wurde sie von der Stadt Lier offiziell rehabilitiert. Damit folgte Lier dem Beispiel von Nieuwpoort, Diksmuide und vielen anderen europäischen Städten.

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Cathelyne Van den Bulcke war von einem dreizehnjährigen Mädchen namens Anneken Faes der Zauberei beschuldigt werden. Auch ihr hatte man Hexerei vorgeworfen. Unter der Folter behauptete das Mädchen, Cathelyne Van den Bulcke habe sie zum Kontakt mit dem Teufel verführt. Die Gerüchte über Van den Bulcke, die in ihrem Wohnort Nijlen kursierten, taten ihrer Sache nicht gut. Zudem war auch ihre Mutter als Hexe hingerichtet worden. Bei ihrem Prozess in der Stadt Lier sagten Zeugen aus ihrem Dorf für und gegen sie aus. Sie selbst leugnete. Daraufhin ließ das Schöffengericht sie foltern, wonach Van den Bulcke „gestand“, aber keine anderen Frauen beschuldigte.

<p>Eine der ältesten Darstellungen einer Hexe aus dem Jahr 1451. Aus <em>Le Champion des dames</em> des französischen Dichters Martin le Franc.</p>

Paris, Nationalbibliothek Frankreich, fr. 12476, fol. 105v

Eine der ältesten Darstellungen einer Hexe aus dem Jahr 1451. Aus Le Champion des dames des französischen Dichters Martin le Franc.

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Hexenprozesse in Europa

Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert gab es in den Südlichen Niederlanden eine Menge Hexenprozesse. Wie viele Menschen dort gefoltert und hingerichtet wurden, wissen wir nicht genau. Viele Archive gingen nämlich verloren. Aus den erhaltenen Prozessakten geht jedoch hervor, dass Hexen oft eine „milde“ Strafe bekamen und beispielsweise verbannt wurden. Andere wurden freigelassen – oft kam es auch nicht zu einem Prozess. Dennoch landeten in der Grafschaft Flandern zwischen 1450 und 1680 mindestens zweihundert „Hexen“ auf dem Scheiterhaufen. Martha van Wetteren war soweit bekannt die letzte. Sie wurde 1684 in Belsele verbrannt. In Löwen, das zum Herzogtum Brabant gehörte, ging es noch länger weiter. Dort fanden 1692 und 1695 noch zwei Hinrichtungen statt.

Hexenprozesse gab es in ganz Europa, aber nicht überall gleich viele. Das heutige Deutschland verzeichnete die meisten Hinrichtungen. Auch in Polen und Russland gab es viel Verfolgung, in den Nördlichen Niederlanden, Spanien, Portugal, Irland und den italienischen Stadtstaaten viel weniger. Innerhalb der Südlichen Niederlande waren die Unterschiede groß. Die meisten Prozesse wegen Zauberei fanden außerhalb der großen Städte statt, in Regionen wie dem Süden der heutigen Provinz Westflandern, wo die Gerichte einer geringen Kontrolle unterlagen. In Nieuwpoort beispielsweise fanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts 31 Hexenprozesse statt.

Fokuspunkte

De heks van Mallegem.

Brügge, Museen Brügge, Kupferstichkabinett Van Hoorebeke

Es gibt nur wenige Darstellungen von Hexen aus dem 16. Jahrhundert. Dieser Holzschnitt von Pieter Bruegel dem Älteren, „Die Hexe von Mallegem“, ist eine Ausnahme.

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Scheinbare Verbrechen in unsicheren Zeiten

Hexenfanatismus erlebte oft einen Höhepunkt in Zeiten der Unsicherheit durch beispielsweise Krieg, Plünderungen oder Epidemien. Die Menschen suchten dann nach Sündenböcken, um ihre Angst zu beschwören. Die Verfolgung war keine zentrale, von Staat oder Kirche orchestrierte „Hexenjagd“. Es war eine Art, wie Menschen, die in einer magisch-religiösen Welt lebten und an das Böse glaubten, mit Rückschlägen und Missgeschicken umgingen.

Im 13. und 14. Jahrhundert betrachteten Europäer Hexen als Personen, die Magie einsetzen konnten, um anderen Menschen zu schaden. Sie ließen beispielsweise die Ernte misslingen. Im 15. Jahrhundert veränderte sich dieses Bild. Hexen agierten angeblich im Auftrag des Teufels. Die Beschuldigungen reichten von einem Bund sowie Sex mit dem Teufel und Flügen durch die Luft bis hin zu Teufelszusammenkünften (dem Sabbat) und dem Töten von Kindern. Dieses Bild wurde vor allem durch Volkserzählungen verbreitet, aber auch durch dämonologischeDämonologie, Lehre von Dämonen oder bösen Wesen Schriften wie dem Hexenhammer. Dieses von dem deutschen Inquisitorein kirchlicher Ermittler, dessen Aufgabe es war, Ketzerei zu bekämpfen Heinrich Kramer geschriebene Buch war eine Anleitung zum Identifizieren, Verhören und Foltern von Hexen. Auch in den Niederlanden erschienen derartige Schriften. Die katholische Kirche und die Inquisition spielten jedoch selten eine direkte Rolle bei den Verfolgungen. Manche Geistliche sprachen sich überdies gegen die Hexenprozesse aus.

Washington, Library of Congress, De lamiis et phitonicis mulieribus, Reutlingen, 1489

Hexen können angeblich das Wetter beeinflussen, hieß es im Volksglauben. Auf diesem Holzschnitt aus einem Traktat des Rechtsgelehrten Ulrich Molitor (1442-1507) zaubern zwei Hexen Unwetter herbei, wofür sie einen schwarzen Hahn und eine Schlange benötigten.

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Vom Gerücht zum Scheiterhaufen

Hexen wurden verfolgt, wenn eine Gruppe von Menschen sie aus der Gemeinschaft weghaben wollte und die lokale Obrigkeit auf dieses Ansinnen einging. Wir wissen wenig über die Beschuldigten. Ungefähr 80% waren Frauen. Meistens waren sie verheiratet und schon etwas älter. Verdächtige Männer oder Kinder waren fast immer Verwandte von beschuldigten oder verurteilten Zauberinnen. Die gerichtlichen Quellen zeigen, dass verfolgte Hexen bei ihren Nachbarn nicht beliebt waren. Sie zeigten abweichendes Verhalten, sahen manchmal anders aus oder wurden mit einem unerklärlichen Ereignis, Krankheit oder Tod in Verbindung gebracht. Das sorgte für eine Stigmatisierung, die Verfolgung ermöglichte. Volkserzählungen und Abbildungen verbreiteten jahrhundertelang ein stereotypes und fantasievolles Bild der Hexe. In der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts wurde die Darstellung von Hexen und Hexensabbaten sogar zu einem eigenen Genre.

Ein örtliches Gericht wie das Schöffengericht führte den Prozess. Ein solches bestand nicht aus professionellen Richtern, sondern aus Menschen aus der Umgebung. Die örtlichen Richter hatten eine große Freiheit, was ihre Arbeitsweise und ihre Urteile anging. Dennoch herrschte nach den damaligen Normen keine vollständige Willkür. Um die Todesstrafe verhängen zu können, war beispielsweise ein Geständnis entscheidend. Dieses wurde oft nach der Folter erlangt. Lokale Gerichte holten auch regelmäßig den Rat eines höheren Gerichts ein.

Jakobus de Meerdere.
Amsterdam, Rijksmuseum, RP-P-1884-A-7995, 1565

Pieter Van der Heyden, nach Pieter Brueghel dem Älteren, Jakobus der Ältere trifft den Magier Hermogenes, 1565. Bruegel der Ältere war einer der Ersten, der Hexen stereotyp dargestellt hat. Er machte u.a. den Kamin, den Kochkessel, die Katze und den Besen zu populären Attributen.

De Antwerpse schilder Frans Francken II beeldde in deze Heksenkeuken (1610) een mooie, jonge heks af, omringd door oudere heksen.
Wien, Kunsthistorisches Museum, 1074

Der Antwerpener Maler Frans Francken stellte in dieser Hexenküche eine schöne, junge Hexe dar, umgeben von älteren Hexen.

London, British Museum, William Hogarth, Credulity, Superstition and Fanaticism, 1762

Dem typischen Hexenhut – einem Spitzhut mit breiter Krempe – begegnet man in Kinderbüchern, Filmen wie „Der Zauberer von Oz“ sowie in der Halloween-Industrie wieder. Der Hut tauchte erstmals in Karikaturen aus dem 18. Jahrhundert auf, wie hier von William Hogarth. Sie richten sich gegen jegliche Formen des Aberglaubens.

Antwerpen, Standaard Uitgeverij @2023, Jef Nys

In Jommeke, einer der meistgelesenen flämischen Comicreihen, tauchen regelmäßig Hexen auf. Sie sind karikaturistisch dargestellt, in Lumpen gehüllt, auf einem Besenstiel fliegend und mit Hakennase. Hier das Cover von Jommeke auf Hexenjagd (1963).

Jeanne Panne.
Westhoek Verbeeldt, Privatsammlung

Jeanne Panne wurde 1650 in Nieuwpoort verbrannt. Die Stadt gedenkt ihrer alle drei Jahre mit einer historischen und folkloristischen Nachstellung. Bis zum Jahr 2000 fand alljährlich ein Hexenumzug statt. Hier zu sehen: der Hexenumzug von 1982.

De folkloristische Heksenstoet van Beselare, deelgemeente van Zonnebeke, is opgenomen in de Inventaris Vlaanderen voor Immaterieel Cultureel Erfgoed. Meer dan 1000 figuranten, jong en oud, brengen de sprookjesheksen en tovenaressen uit de plaatselijke legendes, zoals Sefa Bubbels en Calle Bletters, tot leven. In beeld: de heksenstoet van 2019.
Beselare, Heksenstoet vzw.

Der folkloristische Hexenumzug von Beselare, einem Ortsteil von Zonnebeke, ist ins Inventar Flanderns für immaterielles Kulturerbe aufgenommen. Über 1000 Statisten, Jung und Alt, erwecken die Märchenhexen und Zauberinnen der lokalen Legenden, wie Sefa Bubbels oder Calle Bletters, zum Leben. Hier zu sehen: der Hexenumzug von 2019.

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