Gemälde und Statuen werden während des Bildersturms in einer Kirche zerstört. Radierung von Frans Hogenberg, 1566-1570. | Amsterdam, Rijksmuseum. RP-P-OB-78.784-90
Der Bildersturm
Bürgerkrieg in den Niederlanden
Die Uneinigkeit zwischen Protestanten und Katholiken führte zu einem Bildersturm, der 1566 wie eine Stoßwelle durch die Niederlande ging. Dabei richteten Calvinisten (Protestanten) Zerstörungen in Kirchen und Klöstern an. Das war der Beginn eingreifender Ereignisse, die zum Auseinanderbrechen der Niederlande führten.
Am 10. August 1566 hielt der Hutmacher Sebastiaan Matte direkt außerhalb von SteenvoordeOrt in der Westhoek, heute kurz hinter der französischen Grenze eine flammende Heckenpredigteine versteckt abgehaltene Rede auf dem Land . Wie so viele calvinistische Prediger wandte er sich gegen die Heiligenverehrung, aber auch gegen die Scheinheiligkeit und Raffgier der katholischen Kirche. Seine Worte fanden ein offenes Ohr bei den vielen verarmten Textilarbeitern Westflanderns.
Nach der Predigt zogen seine Zuhörer zu einem nahegelegenen Kloster und zerstörten dort sämtliche Heiligenbildnisse. Von Steenvoorde aus raste dieser „Bildersturm“ durch die Niederlande. Am 20. August waren die Antwerpener Kirchen und Klöster an der Reihe. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten beteiligten sich. Meistens waren die Zerstörungen gut organisiert von örtlichen calvinistischen Vereinigungen, und die Behörden ließen sie gewähren, weil sie der neuen Religion wohlgesonnen waren.
Amsterdam, Rijksmuseum, RP-P-OB-78.904
Adelige bitten die Statthalterin um eine Lockerung der Verordnungen gegen den Protestantismus (1566). Sie werden spöttisch als „Geusen” bezeichnet. Radierung eines unbekannten Künstlers, entstanden zwischen 1619 und 1649.
Bürgerkrieg in den Niederlanden
Schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es zu Spannungen in den Niederlanden. Die auf dem Lande so wichtige Textilindustrie bekam starke Konkurrenz aus England. Der habsburgische Kaiser Karl V. ließ den aufkommenden Protestantismus verfolgen. Als 1555 sein Sohn Philipp II. an die Macht kam, verschlimmerte sich die Lage. Philipp war in Spanien geboren und aufgewachsen. Sein Führungsstil und seine Abhängigkeit von spanischen Ratgebern behagten der städtischen Elite und dem lokalen Adel nicht. Neue Steuern verstärkten den Unmut. Durch sein hartes Vorgehen gegen Protestanten brachte er sogar gemäßigte Katholiken gegen sich auf.
So entstand die revolutionäre Atmosphäre, in der 1566 der Bildersturm ausbrechen konnte. Die spanisch-habsburgische Armee konnte die aufständische Stimmung zunächst noch ersticken, aber 1572 gewannen Aufständische die Kontrolle über die Provinzen Holland und Zeeland. 1576 wiederholte sich das in Flandern und Brabant. Der Edelmann Wilhelm von Oranien übernahm die Leitung des Aufstandes. Die Aufständischen nannten sich selbst Geusen.
Ihnen zufolge war Philipp II., der rechtmäßige Herrscher, ein Tyrann: Er respektierte die Rechte und Freiheiten seiner Untertanen nicht. Weil der König ihr Mitspracherecht ignorierte, gerieten die Geusen in Aufstand. Nicht alle Bürger jedoch teilten diesen Standpunkt, und so wurde aus dem Aufstand ein Bürgerkrieg. Menschen aus derselben Stadt, demselben Landstrich standen sich jetzt als Feinde gegenüber.
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