Die Dulle Griet (Tolle Grete) von Pieter Bruegel der Ältere. | Antwerpen, Museum Mayer van den Bergh

Künste & Wissenschaften
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1563
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Die Dulle Griet

Pieter Bruegel der Ältere und die Renaissance

Eine durchgeknallte Alte oder „Dulle Griet“ mit Harnisch und Schwert führt eine Räuberbande von Frauen zwischen den aberwitzigsten Monstern hindurch zum aufgesperrten Maul der Hölle: Pieter Bruegel der Ältere malte 1563 ein Bild, das bis heute die Fantasie beschäftigt.

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1894 erwarb der Antwerpener Kunstsammler Fritz Mayer van den Bergh bei einer Auktion ein auffälliges, ihm aber unbekanntes Gemälde. Es stellte sich als ein Meisterwerk Pieter Bruegels des Älteren aus dem Jahr 1563 heraus. Der Titel Dulle Griet ist dem Schilderboek (1604) von Karel van Mander entliehen. Dieser bezeichnete Bruegel als Nachfolger von Jheronimus Boschbeliebter Maler ein paar Generationen vor Bruegel, v.a. bekannt für seine Phantasiewesen und Monster , weil er auch „Spukbilder und humoristische Szenen“ gemalt habe. Die Dulle Griet kombiniert tatsächlich eine sehr düstere Szene mit humoristischen Details.

Bruegel ist besonders wegen seiner bäuerlichen Szenen und Darstellungen von Sprichwörtern bekannt. Die Dulle Griet beweist, dass er vielseitiger war. Sein relativ kleines erhalten gebliebenes Oeuvre umfasst auch große religiöse Gemälde und winterliche oder im Sonnenlicht badende Landschaften. Alle seine Werke zeugen von einer scharfen Beobachtungsgabe. Kein anderer Künstler aus dem 16. Jahrhundert gibt einem das Gefühl, den Menschen von damals so nahe zu kommen.

<p>Pieter Bruegel der Ältere, <em>Der Turmbau zu Babel</em>, 1563. Die Hafenstadt in Bruegels <em>Turmbau zu Babel </em>ist ein Verweis auf Antwerpen. Der Turm selbst wiederum ist vom römischen Kolosseum inspiriert. Zentrales Thema des Gemäldes ist, wie in der biblischen Geschichte über die Babylonier, der Hochmut.</p>

Wien, Kunsthistorisches Museum

Pieter Bruegel der Ältere, Der Turmbau zu Babel, 1563. Die Hafenstadt in Bruegels Turmbau zu Babel ist ein Verweis auf Antwerpen. Der Turm selbst wiederum ist vom römischen Kolosseum inspiriert. Zentrales Thema des Gemäldes ist, wie in der biblischen Geschichte über die Babylonier, der Hochmut.

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Pieter Bruegel der Ältere und die Renaissance

Bruegel ist der bekannteste Maler aus den Niederlanden des 16. Jahrhunderts. Dennoch wissen wir über sein Leben kaum etwas mit Sicherheit. Er wurde vielleicht um 1525/1530 im Umland von Breda geboren und zog in den späten 1540er-Jahren nach Antwerpen.

Bruegel malte für Auftraggeber aus der wirtschaftlichen, religiösen und intellektuellen Elite. Oft malte er Landschaften mit vielen Figuren, wie feiernde oder arbeitende Bauern. Sie sind emsig beschäftigt mit Säen und Ernten, Essen und Trinken. Als Künstler erlangte er einen Namen durch seine Stiche, verbreitet von Druckern und Verlegern, die mit den neuen Techniken ein breites Publikum erreichten. Seine Werke gehören heute zu den Spitzenstücken in Museen von Antwerpen und Brüssel bis hin nach Wien und New York.

Bruegel war zu seiner Zeit ein Außenseiter. Sein Stil und seine Themen sind nicht sonderlich typisch für die (italienische) Renaissance, die gerade in den Niederlanden aufkam. In der Renaissance, wörtlich „Wiedergeburt“, ließen Künstler sich von Themen aus der klassischen Antike inspirieren. Bruegel kannte die italienische Kunst zwar durch seine Reisen als junger Maler, wich jedoch stilistisch und in der Wahl seiner Themen von ihr ab. Andere Maler des 16. Jahrhunderts wie Quinten Metsijs, Jan Gossaert und Frans Floris folgten viel mehr der Tradition der italienischen Großmeister wie Leonardo da Vinci, Raffael und Michelangelo. Meistens arbeiteten sie von Antwerpen aus, im 16. Jahrhundert das künstlerische Zentrum der gesamten Niederlande.

Fokuspunkte

Basel, Kunstmuseum

“Ich, Catharina van Hemessen, habe mich 1548 im Alter von 20 Jahren selbst gemalt.”. Das früheste bekannte Selbstporträt eines Künstlers bzw. einer Künstlerin hinter einer Staffelei.

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Frauen in der Kunst

In einem Reisebericht von 1567 über die Niederlande erwähnte der italienische Schriftsteller und Kaufmann Lodovico Guicciardini einige auffallend unabhängige Frauen, darunter auch „hervorragende Malerinnen“. Das erstaunte ihn in einer Zeit, in der Frauen nur selten Künstlerin werden konnten. Catharina van Hemessen aus Antwerpen war sogar berühmt genug, um an den spanischen Hof nach Madrid eingeladen zu werden. Die Genterin Susanna Horenbout arbeitete im Dienst des Königs von England.

Eine andere Frau mit großem Einfluss in den Künstlerkreisen des 16. Jahrhunderts war Mayken Verhulst aus Mechelen. Sie war selbst Malerin und Geschäftsfrau. Nach dem Tod ihres Mannes, des Malers und Graveurs Pieter Coecke van Aelst, leitete sie über Jahrzehnte dessen Werkstatt. Sie verlegte Bücher mit seinen Stichen, aber auch Werke italienischer Autoren über Architektur in der Renaissance. Ihre Tochter Maria heiratete Pieter Bruegel den Älteren. Mayken überlebte sie beide und erteilte ihren Enkeln Pieter Brueghel dem Jüngeren und Jan Brueghel Zeichenunterricht.

Im florierenden Kunstbetrieb der Niederlande des 16. Jahrhunderts operierten also auch energische und talentierte Frauen, obgleich sie längst nicht die Chancen erhielten, die sie verdienten. So konnten sie nur dann eine künstlerische Ausbildung machen, wenn ihr Vater oder Bruder Künstler war. Allerdings stachen manche als kundige Händlerinnen von Druckgrafiken hervor.

Amsterdam, Rijksmuseum, RP-P-OB-67.071

Porträt der Volcxken Diericx von Jan Wierix (1579). Mit ihrem Ehemann Hiëronymus Cock leitete Volcxken Diericx jahrzehntelang den wichtigsten Kunsthandel in den südlichen Niederlanden.

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Der Einfluss der Druckkunst

Druckgrafiken nehmen einen weniger prominenten Platz in der Kunstgeschichte ein als Gemälde, Skulpturen oder Architektur. Dennoch waren Drucke für die meisten Menschen jahrhundertelang das wichtigste Medium, mit Kunst in Berührung zu kommen.

Die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert ermöglichte es, Druckgrafiken billig und in großen Mengen herzustellen. Künstler wie Albrecht Dürer aus Nürnberg oder die Antwerpener Brüder Jan und Hieronymus Wierix spezialisierten sich auf das Schneiden oder Stechen von Zeichnungen auf Holz, Kupfer oder andere Materialien.

Im 16. Jahrhundert verlegten sich kreative Unternehmer dank fortgeschrittener Techniken speziell auf die Herausgabe von Druckgrafiken. So betrieb Hieronymus Cock zusammen mit seiner Frau Volcxken Diericx in Antwerpen die erfolgreiche Druckerei „In de Vier Winden“. Sie verkauften Stiche nach Gemälden italienischer Meister, aber auch Bruegel machte sechzig Entwürfe für sie. Auch biblische Szenen, Darstellungen von Heiligen, Bildnisse von Königen und volkstümliche Szenen waren in großer Zahl in Umlauf. Drucke stellten seit dem 16. Jahrhundert eine wichtige Waffe in dem religiösen und politischen Ideenstreit dar.

De geldwisselaar en zijn vrouw
Paris, Museum Louvre

Quentin Massys, Der Geldwechsler und seine Frau, 1514.

Neptunus en Amphitrite.
Berlin, Gemäldegalerie

Jan Gossaert, Neptun und Amphitrite, 1516. Gossaert reiste nach Rom und brachte die neuen Ideen der Renaissance mit nach Hause. Seine Themen sind oft der griechischen und römischen Mythologie entlehnt. Er war einer der ersten Maler der Niederlande, der lebensgroße Akte darstellte.

Processie van Sultan Süleyman.
New York City, The Metropolitan Museum of Art

Pieter Coecke van Aelst (nach), Prozession von Sultan Süleyman am Atmeidan in Konstantinopel, 1553. Van Aelsts Witwe Mayken Verhulst veröffentlichte nach seinen Tod Drucke nach Zeichnungen, die er bei einem Besuch Konstantinopels 1533 angefertigt hatte.

De kopergravure Grote vissen eten de kleine vissen op (1557), door Pieter Bruegel de Oude ontworpen voor Hiëronymus Cock.
Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Museum Plantin-Moretus, PK.OP.13802; III/H.62

Die Zeichnung Die großen Fische fressen die kleinen (1557), von Pieter Bruegel dem Älteren, entworfen für Hiëronymus Cock.

Pieter II Brueghel spreekwoorden.
Antwerpen, Snijders&Rockoxhuis

Pieter Brueghel der Jüngere, Niederländische Sprichwörter, 1595. Kopie nach dem Gemälde seines Vaters aus dem Jahr 1559. Kunstwerke, die Sprichwörter thematisierten, waren zu Bruegels Zeiten ein beliebtes Mittel, um die Torheit des Menschen aufzuzeigen. Diese Version beweist, wie bekannt das Gemälde bereits war, da es schon früh kopiert wurde.

Antwerpen, Standaard Uitgeverij @2023, Willy Vandersteen

De Dulle Griet (Die Tolle Grete) ist auch der Titel eines Suske-und-Wiske-Comics von Willy Vandersteen (1966). In diesem Album will Professor Barabas die Figuren auf dem Gemälde zum Leben erwecken, um herauszufinden, weshalb sie im Krieg waren. Das Album wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Breugel
Hier spreekt men Nederlands

Bron: VRT-archief – 30 jan 1960

Dulle Griet
Museum Tour – Museum Mayer van den Bergh

Bron: VRT-archief – 19 okt 2020

Bruegeliaanse landschappen
Vlaanderen Vakantieland

Bron: VRT-archief – 16 april 2022

Cock Diericx Bruegel
Journaal

Bron: VRT-archief, M Leuven, Koninklijke Bibliotheek van België (KBR) (S.II 132816, S.II 48464), Fondation Custodia (Collection Frits Lugt , Parijs) – 18 maa 2013

Expo ‘Hieronymus Cock. De renaissance in prent’ (2013) in M Leuven.

Sachbuch


Ainsworth Maryan, Alsteens Stijn & Orenstein Nadine
Mens, mythe en zinnelijkheid: de renaissance van Jan Gossart: het volledige werk

Mercatorfonds, 2010. 

Bassens Maarten & Van Grieken Jonas
Bruegel in zwart en wit: het complete grafische werk

KBR, 2019. 

Büttner Nils
Bruegel: de schilder van boeren en heiligen

Meulenhoff, 2019. 

Haemers Jelle, Bardyn Andrea & Delameillieure Chanelle (red.)
Wijvenwereld. Vrouwen in de middeleeuwse stad

Vrijdag, 2019. 

Hendrikman Lars & Tamis Dorien
Brueghel en tijdgenoten: kunst als verborgen verzet?

Waanders Uitgevers, 2021. 

Huet Leen
Mevrouw Renaissance, of: Het leven en werk van stammoeder Brueghel

EPO, 2019. 

Huet Leen
Pieter Bruegel: de biografie

Polis, 2016. 

Lampo Jan
Gelukkige stad: de gouden jaren van Antwerpen (1485-1585)

Amsterdam University Press, 2017. 

Lampsonius Dominicus
Portretten van bekende schilders uit de Lage Landen

Polis, 2020. 

Op De Beeck Jan
Mayken Verhulst (1518-1599). De Turkse manieren van een artistieke dame

Museum Het Zotte Kunstkabinet, 2005.  

Pye Michael
Antwerpen. De gloriejaren

De Bezige Bij, 2021. 

Vanderheyden Thaïs
Grote kunst voor kleine kenners: de Vlaamse Meesters

Borgerhoff & Lamberigts, 2019. (9+) 

Van der Stighelen Katlijne
Vrouwenstreken. Onvergetelijke schilderessen uit de Lage Landen

Lannoo, 2000. 

Van der Stighelen Katlijne & Westen Mirjam (red.)
Elck zijn waerom: vrouwelijke kunstenaars in België en Nederland 1500-1950

Ludion, 1999. 

Van Grieken Joris, Luijten Ger & Van Der Stock Jan
Hieronymus Cock: de renaissance in prent

Mercatorfonds, 2013.

 

Fiktionales


De Bruyn Sassafras
De jager en zijn hond: een wonderlijke reis door de wereld van Bruegel

Lannoo, 2018. (6+)

De Kockere Geert & Cneut Carll
Dulle Griet

De Eenhoorn, 2017. (8+) 

Olyslaegers Jeroen
Wildevrouw

De Bezige Bij, 2022. 

Timmermans Felix
Pieter Bruegel zo heb ik u uit uw werken geroken

Davidsfonds, 1990. 

Van Der Laak Maartje & De Bode Ann
Het geheim van de Vlaamse Meesters

De Eenhoorn, 2019. (9+) 

Van Lieshout Ted
Rozen voor de zwijnen: de minstens 100 spreekwoorden van Bruegel

Leopold, 2023. (12+)

Verreth Luc
Een vinger in de pap: een Bruegelmysterie

BAI, 2018. (10+)

Comics


Nix
De keisnijding

Standaard Uitgeverij, 2023. (10+)

Nys Jef
De wonderbare jeugd van Pieter Bruegel

Standaard Uitgeverij, 1957.

Vandersteen Willy
Suske en Wiske. Het Spaanse Spook (nr. 70)

Standaard Uitgeverij, 1952.

Vandersteen Willy
Suske en Wiske. De dulle griet (nr. 78)

Standaard Uitgeverij, 1966.