Paul Panda Farnana.

Paul Panda Farnana schloss 1907 sein Studium am Staatlichen Institut für Gartenbau in Vilvoorde ab. Hier mit seinen Kommilitonen (neun Männer und eine Frau) im Stadtpark von Vilvoorde. | Vilvoorde, Horteco

Macht & Widerstand
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1888 - 1930
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Paul Panda Farnana

Der Kongo, erobert und kolonisiert

Paul Panda Farnana war der erste kongolesische Intellektuelle, der den Kolonialismus öffentlich kritisierte. In jungen Jahren von einer Belgierin ins Haus genommen, konnte er in Belgien studieren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er gegen Deutschland und landete in einem Kriegsgefangenenlager. Nach dem Krieg wurde er Menschenrechtsaktivist.

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Farnana war der Sohn eines kongolesischen Chefs. Er kam als Diener eines Händlers nach Belgien und wuchs bei dessen Schwester auf. Nach Studien am Athenäum von Elsene, dem Staatsinstitut für Gartenbau in Vilvoorde und weiterführenden Studien in Paris und Mons kehrte er 1909 in den Kongo zurück. Dort arbeitete er als Landwirtschaftsingenieur für die Kolonialregierung und sah, wie Rassismus, Ausbeutung und Gewalt die Kolonisation bestimmten.

Nach dem Ersten Weltkrieg gründete Farnana die Union Congolaise (1919). Er nahm am Kolonialkongress im belgischen Senat (1920) und am zweiten panafrikanischen Kongress in Brüssel (1921) teil. Dort plädierte er namens der Kongolesen für gleiche Rechte, politische Teilhabe, höhere Löhne und einen besseren Bildungszugang. Es war vergeblich. 1929 kehrte er in sein Geburtsdorf Nzemba zurück, wo er ein Jahr später verstarb.

<p>König Leopolds gewalttätiges Regime wurde in der britischen Presse stark kritisiert. Karikatur von Edward Lumley Sambourne, 1906 in der Satirezeitschrift <em>Punch</em> veröffentlicht.</p>
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Wikimedia Commons

König Leopolds gewalttätiges Regime wurde in der britischen Presse stark kritisiert. Karikatur von Edward Lumley Sambourne, 1906 in der Satirezeitschrift Punch veröffentlicht.

 

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Der Kongo, erobert und kolonisiert

Der belgische König Leopold II., der schon länger koloniale Ambitionen hegte, entsandte ab dem Ende der 1870er-Jahre Expeditionen nach Mittelafrika. Erpicht auf finanziellen Gewinn eroberte er ein ausgedehntes Gebiet im Kongobecken. Dort schuf er sich eine Privatkolonie mit aktiver Unterstützung der belgischen Regierung, der Unternehmerschaft und der Kirche. 1885 trafen die Großmächte Vereinbarungen über ihre jeweilige Einflusssphäre in Afrika und erkannten Leopold II. als Souverän des Kongo-Freistaats an.

Für Leopold II. und seine Mitarbeiter war der Kongo eine Investition, die sich rentieren musste. Die steigende Nachfrage nach Kautschuk ab den 1890er-Jahren machte den Kongo zu einer reichen Einkommensquelle. Um die Gewinne zu maximieren, wurden Kongolesen zur Kautschukernte gezwungen. Das ging mit Grausamkeiten in großem Stil einher, die international viel Kritik ernteten. Das gewalttätige Regime Leopolds II. führte zusammen mit der Schlafkrankheitsepidemie zu einem starken Bevölkerungsschwund. 1908 übernahm der belgische Staat die Macht und der Kongo wurde eine belgische Kolonie.

In Belgisch-Kongo waren höchstens einige zehntausend belgische Beamte, Betriebsleiter und Missionare aktiv. Um die Kolonie zu verwalten, auszubeuten und zu bekehren, bedienten sie sich großer Gruppen kongolesischer Untergebener wie Schreibkräfte, Hilfspfleger, Katechisten oder Soldaten. Kongolesen, die wie Paul Panda Farnana eine höhere Funktion bekleiden durften, waren die Ausnahme.

Auch nach der Übernahme durch den belgischen Staat im Jahr 1908 bedeutete Kolonisation für die Kongolesen in erster Linie Besetzung und Unterwerfung: erzwungene Steuern und Zwangsarbeit in den Kupferminen, beim Straßenbau oder in den Plantagen. Repression ließ sie nicht aus der Reihe tanzen. Die Gewinne gingen an eine kleine Gruppe belgischer Unternehmer. Antwerpen und Brüssel waren Drehscheiben im kolonialen Handel.

Focuspunten

Koloniaal ambtenaar.

Tervuren, KMMA, HP.2004.3.12, Foto H. Goldstein, 1948/Rechten SOFAM Belgien

Kolonialbeamter bei der Inspektion, getragen von Kongolesen (1948).

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Die selbsterklärte Zivilisierungsmission

Die Kolonisation stieß anfangs auf wenig Begeisterung bei der belgischen Bevölkerung. In den Medien, in der Schule, durch Ausstellungen und durch Denkmäler propagierten Regierung, Kirche und Unternehmerschaft darum die Vorstellung der Zivilisierungsmission: Es war die Pflicht Belgiens, den Bevölkerungsgruppen im Kongo „die Zivilisation“ zu bringen.

An Orten, wo belgische Missionare (die übergroße Mehrheit Flamen) Schulen errichteten, wurde Kindern der katholische Glauben und eine westliche Lebens- und Denkweise beigebracht. Eigene Traditionen und religiöse Praktiken wurden unterdrückt oder verboten. Simon Kimbangu gründete im April 1921 eine eigene prophetische Bewegung im Bas-Congo-Distrikt – und wurde sofort zum Tod verurteilt. Die Verurteilung wurde in eine lebenslange Gefängnisstrafe umgesetzt. Er starb 1951 im Gefängnis. Kimbangus Anhänger wurden massenhaft in Straflager in unwirtlichen Gebieten des Kongo deportiert.

Ausgangspunkt der Zivilisierungsmission war, dass die europäische Lebensweise der afrikanischen überlegen sei. Aber das Ideal der Zivilisierungsmission deckte sich nicht mit der Realität. So war die gewalttätige Art der Kolonisierung alles andere als „zivilisiert“. Bis in die 1940er-Jahre konzentrierte sich die Kolonialpolitik hauptsächlich auf die Ausbeutung natürlicher Reichtümer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Wort „Zivilisation“ durch „Entwicklung“ ersetzt. Infrastruktur, Unterrichtswesen und Gesundheitsfürsorge bekamen mehr Aufmerksamkeit, aber die Gesellschaft blieb strikt segregiert. Rassismus blieb die Grundlage des Kolonialismus.

Die kongolesische Bevölkerung übernahm die Denk- und Lebensweise der Belgier nicht einfach so. So gab Paul Panda Farnana dem Zivilisationsdiskurs eine eigene Auslegung, etwa indem er argumentierte, dass die Zivilisierungsmission erst dann wirklich gelingen könne, wenn Kongolesen die politische Verantwortung erhielten.

Lumumba speech.

Belga Image, 2418

Patrice Lumumba wird nach seinem Wahlsieg im Mai 1960 erster Premierminister des Kongos. Bei der Unabhängigkeitsfeier am 30. Juni 1960 übt er in einer unangekündigten Rede in Anwesenheit König Baudouins scharfe Kritik an der belgischen Kolonisierung.

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Lumumba und das Ende der Kolonisation

Paul Panda Farnana gab der kongolesischen Opposition eine Stimme in Belgien, aber er war längst nicht der Einzige, der sich gegen den Kolonialismus wehrte. Im Kongo gab es bewaffnete Revolten auf dem Lande und Streiks in den Städten, aber viel öfter geschah der Widerstand im Kleinen. So hinterzogen Kongolesen scharenweise Steuern und führten zwangsweise Arbeiten bewusst schlecht aus.

Ende der 1950er-Jahre nahm der Protest politische Züge an. In den Städten hatte sich eine neue Klasse herausgebildet, die der évolués. Das war eine vom belgischen Kolonisator ins Leben gerufene rassistische Bezeichnung für die angeblich „entwickelten“ Kongolesen. Diese Elitegruppe hatte weiterführende Schulen besucht und arbeitete für die Regierung oder koloniale Firmen. Lovanium, die erste kongolesische Universität, wurde erst 1954 gegründet. Die évolués waren jedoch frustriert von ihrer zweitrangigen Stellung. So entstanden die ersten politischen Parteien wie die AbakoVereinigung des kongolesischen Volkes im Unteren Kongo von Joseph Kasa-Vubu und das Mouvement National Congolais von Patrice Lumumba. Sie forderten Unabhängigkeit.

Trotz der breiten Dekolonisierungsbewegung in der Welt und dem zunehmenden Widerstand in der Kolonie selbst versuchte die belgische Regierung, die Kontrolle über den Kongo zu behalten. Im Januar 1959 jedoch kam es bei heftigen Unruhen in Leopoldstad (dem heutigen Kinshasa) zu Dutzenden von Todesopfern. Danach brachen in anderen Städten Aufstände aus. Der belgische Kolonisator verlor die Kontrolle über die kongolesische Gesellschaft. Am 30. Juni 1960 wurde der Kongo unabhängig, mit Kasa-Vubu als Präsident und Lumumba als Premierminister.

Sofort nach der Unabhängigkeit rissen sich die reichen Bergbauprovinzen Kasai und Katanga mit belgischer Unterstützung vom restlichen Kongo los. Während der darauf folgenden internationalen Kongokrise wurde Lumumba abgesetzt und ermordet. 2001 erkannte die belgische Regierung „eine moralische Verantwortung“ für den Mord an Lumumba an und entschuldigte sich dafür, was 2022 bei der Repatriierung der letzten sterblichen Überreste Lumumba nochmals wiederholt wurde.

Galilea

Isidore Bakanja (1887-1909) war eines der zahlreichen Opfer kolonialer Gewalt. Er erlag im Juli 1909 zu Isongu (Provinz Équateur) seinen Verletzungen, nachdem ein Kolonialbeamter ihn hatte auspeitschen lassen. Im Mai 1980 sprach Papst Johannes Paul II. ihn in Kisangani heilig. Heute wird Bakanja im Kongo vielerorts verehrt.

Paul Panda Farnana ons volk ontwaakt.
Repro KADOC-KU Leuven, Ons Volk Ontwaakt, 6. Januar 1912

Paul Panda Farnana sprach am 13. Dezember 1911 in Löwen vor etwa hundert Mitgliedern der flämisch gesinnten Studentenverbindung Amicitia. In seiner Rede bestritt Farnana die Vorurteile in Bezug auf die „Zivilisiertheit“ der Kongolesen.

Paul Panda krijgsgevangschap.
Tervuren, KMMA, HP.1966.1.145, unbekannter Fotograf, 1916. Alle Rechte vorbehalten

1916, Paul Panda Farnana (sitzend, zweiter von rechts) in einem deutschen Kriegsgefangenenlager. Farnana war einer von 32 Kongolesen, die während des Ersten Weltkriegs als Freiwillige in Belgien kämpften. Die Deutschen nahmen ihn 1914 in Namur gefangen.

Chicotte.
Tervuren, KMMA, HP.2011.62.12-54, Foto G.F. de Witte, 1931. CC-BY 4.0

Ein Kolonialbeamter beobachtet, wie ein Kongolese mit der Chicotte (Nilpferdpeitsche) (1925) bestraft wird. Mit dieser berüchtigten Peitsche zwang das belgische Regime die Kongolesen, sich zu unterwerfen.

Zusters van Liefde.
Tervuren, KMMA, HP.2011.62.12-54, Foto G.F. de Witte, 1931 CC-BY 4.0

Das Kolonialregime, Unternehmen und die Kirche waren stolz auf die Krankenhäuser, die sie im Kongo errichteten. In Wirklichkeit war der Zugang zur Gesundheitsversorgung jedoch begrenzt.

Evolués.
Tervuren, KMMA, HP.2004.3.58, Foto H. Philips (Inforcongo), s.d. @ KMMA Tervuren/Philips

Koloniales Propagandafoto einer „entwickelten” Familie, um 1950.

Lumumba februari 1960.
C.N. Thompson, Camera Press London

Patrice Lumumba (1925-1961) wird am 21. Januar 1960 in ein Gefängnis in Katanga überführt. Er wurde von einem Kolonialgericht wegen Anstiftung zur Gewalt zu sechs Monaten Haft verurteilt. Auf Druck der kongolesischen Teilnehmer der Konferenz am „Runden Tisch“ in Brüssel wird er wenige Tage später freigelassen, um sich ihnen anzuschließen. Die Konferenz stimmte der vollständigen und bedingungslose Unabhängigkeit Belgisch-Kongos am 30. Juni 1960 zu.

Gazet van Antwerpen, JHS

Denkmal für den Missionar-Erkunder Constant De Deken (1852-1896) in Wilrijk, 1904. Im Jahr 2020 wurde es mit roter Farbe beschmiert. Koloniale Denkmäler, die die belgische Zivilisationsmission im Kongo verherrlichen, sind heute sehr umstritten.

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Paul Panda
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Bron: VRT-archief, Offworld en Eklektik Productions – 1 jun 2010

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Bron: VRT-archief – 8 juni 2020

Sachbuch


Buelens Frans
Congo 1885-1960. Een financieel-economische geschiedenis

Epo, 2007. 

De Witte Ludo
De moord op Lumumba

Van Halewyck, 1999. 

Etambala Mathieu Zana
De teloorgang van een modelkolonie. Belgisch Congo 1958-1960

Acco, 2008.

Etambala Mathieu Zana
Congo 1876-1914. Veroverd, bezet, gekoloniseerd

Sterck & De Vreese, 2020. 

Gerard Emmanuel & Kuklick Bruce
Death in the Congo. Murdering Patrice Lumumba

Harvard, 2015.

Goddeeris Idesbald, Lauro Amandine & Vanthemsche Guy (red.)
Koloniaal Congo. Een geschiedenis in vragen

Polis, 2020. 

Hochschild Adam
De geest van koning Leopold II en de plundering van de Congo

Meulenhoff, 2020. 

Kamanda Eva & Bohez Kristof
Een verzwegen leven: onze Congolese geschiedenis in België

Uitgeverij Vrijdag, 2023. 

Kanobana Sibo Rugwiza (red.)
Zwarte bladzijden. Afro-Belgische reflecties op Vlaamse (post)koloniale literatuur

De Geus, 2021.

Geheugen Collectief
Knack Historia, Congo. Meer dan een kolonie

2018.

Nsayi Nadia
Dochter van de dekolonisatie

Epo, 2020. 

Renders Luc
De mislukking van de beschavingsmissie. Het Nederlandstalige Congoproza van 1960 tot 2020

Gramadoelas, 2021.

Renders Luc
Koloniseren om te beschaven. Het Nederlandstalige Congoproza van 1596 tot 1960

Gramadoelas, 2021.

Van Reybrouck David
Congo. Een geschiedenis

De Bezige Bij, 2021. 

Vanthemsche Guy
Congo. De impact van de kolonie op België

Lannoo, 2007. 

Fiktionales


Baert Katrien
De kleuren zijn weg. Een verhaal over Congo

Clavis, 2010. (12+)

Conrad Jozef
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Ekofo Sandrine, Goyvaerts Benjamin & de Moor Paul
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Leyssens Herlinde
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Perrissin Christan
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Scratch, 2014. 

Robijn Jonathan
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Cossee, 2017. 

Van Booven Henri
Tropenwee

Standaard Uitgeverij, 2023. 

Van den Berg Leen
Vuurvader

Standaard Uitgeverij, 2022. 

Van den Berg Leen
Zoon in Congo: zoektocht naar een vader

Lannoo, 2015. 

Van Ginderachter Maarten, Aerts Koen & Vrints Antoon (red.)
Het land dat nooit was: een tegenfeitelijke geschiedenis van België

De Bezige Bij, 2015. 

Walschap Gerard
Oproer in Kongo

Manteau, 1990. 

Comics


Bathy Asimba, e.a.
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Africalia, 2014.

Bathy Asimba, e. a.
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Bathy Asimba
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Nury Fabien & Vallée Sylvain
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Boite à bulles, 2013.

Weber Patrick & Deville Baudouin
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Anspach, 2019.