Erasmus.

Hans Holbein der Jüngere, Erasmus, 1523. | London,  National Gallery

Sinngebung & Weltanschauung
Die Vorlesefunktion ist für die Kombination aus Ihrer Sprache und dem Browser, mit dem Sie die Website besuchen, nicht verfügbar.
Wenn dies nicht optimal ist, geben Sie bitte in Ihrem Browser an, in welcher Sprache Sie die Website aufrufen möchten.
Um 1469 - 1536
Bitte vorlesen

Erasmus

Der Humanismus

Erasmus war einer der einflussreichsten europäischen Denker des 16. Jahrhunderts. Er schrieb über Erziehung und Unterricht und übte scharfsinnige Kritik an der Kirche und den Machthabern. Seine Schriften hatten großen Einfluss auf die philosophischen und religiösen Denkweisen seiner Zeit.

Bitte vorlesen

Erasmus wurde geboren in Rotterdam – diese holländische Stadt gehörte damals zu den Burgundischen Niederlanden –, reiste jedoch sein Leben lang durch Europa. Seine außergewöhnliche Kenntnis der griechischen und lateinischen Literatur befähigte ihn, die Antike wieder zum Leben zu erwecken. Sein ehrgeizigstes Projekt war die Ausgabe des Neuen Testaments im Jahr 1516. Dieser Teil der Bibel war ursprünglich auf Griechisch geschrieben worden, aber die katholische Kirche verwendete schon tausend Jahre eine nicht immer gleichermaßen verlässliche lateinische Übersetzung. Erasmus gab den griechischen Ausgangstext heraus und verfasste eine lateinische Neuübersetzung mit Kommentar. Diese Übersetzung ließ traditionelle Interpretationen der Bibel fragwürdig erscheinen. In Löwen war Erasmus die treibende Kraft hinter dem Dreisprachenkolleg. Dort konnten Studenten erstmals die drei biblischen Sprachen – Hebräisch, Griechisch und Latein – zusammen studieren.

<p>Rekonstruktion des Löwener Drietalencolleges. Diese Einrichtung war eine Talentschmiede für Humanisten wie Gemma Frisius, Andreas Vesalius, Gerard Mercator und Rembert Dodoens.</p>

KU Leuven Bibliotheken, Visualisierung Timothy De Paepe

Rekonstruktion des Löwener Drietalencolleges. Diese Einrichtung war eine Talentschmiede für Humanisten wie Gemma Frisius, Andreas Vesalius, Gerard Mercator und Rembert Dodoens.

Bitte vorlesen

Der Humanismus

Erasmus war eine Galionsfigur des Humanismus. Das ist eine intellektuelle Bewegung, die sich im 15. und 16. Jahrhundert von Italien aus über Europa verbreitete. Die Humanisten ermunterten zum kritischen Denken. Sie plädierten für eine Philosophie und Ethik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellte (daher: Humanismus). Das öffnete die Tür für Neuerungen in vielen Fachgebieten wie dem Sprachenstudium, der Mathematik, Anatomie, Kartographie, Pflanzenkunde oder der Medizin.

Ihre Inspiration fanden die Humanisten in den klassischen lateinischen und griechischen Texten, die sie studierten, bewunderten und befolgten. Sie reinigten die alten Texte von Fehlern und absichtlichen Änderungen, die sich mit der Zeit eingeschlichen hatten. So schufen sie die Grundlage der Philologie, des wissenschaftlichen Studiums von Sprache und Literatur.

Die Humanisten studierten auch die Geschichte und Philosophie der Antike. Ihrer Meinung nach benötigten Menschen aus den höheren Ständen dieses Wissen, um ihrer Führungsrolle in der Gesellschaft gerecht zu werden. Eine Unterrichtsreform war darum wichtig. So sollte man sich das Lateinische in der Schule aneignen, indem man die Sprache aktiv verwendete und nicht nur ihre Grammatikregeln auswendig lernte, ohne sie zu verstehen.

Nördlich der Alpen studierten Humanisten wie Erasmus auch die Bibel und die Kirchenväterchristliche Schriftgelehrte und Lehrer aus dem 2. bis zum 7. Jahrhundert, die innerhalb der katholischen Kirche als Verkünder der Wahrheit die Autorität besitzen . Das sollte zu einem reineren Christentum führen, näher am Evangelium, befreit von Missständen, hohlen Ritualen und theologischen Spitzfindigkeiten.

Fokuspunkte

Brügge, Museen Brügge, Kupferstichkabinett Van Hoorebeke

Porträt Martin Luthers, von Henrich Aldegrever, 1540.

Bitte vorlesen

Der Protestantismus

Viele Humanisten, darunter auch Erasmus, wollten den Glauben reformieren, brachen jedoch nicht mit der offiziellen Kirche. Martin Luther tat dies schon. Dieser deutsche Mönch und Theologieprofessor stand an der Wiege des Protestantismus und verursachte damit eine Spaltung innerhalb des westlichen Christentums.

Als Geburtsdatum des Protestantismus gilt der 31. Oktober 1517. Damals beschwor Luther eine Debatte herauf, indem er 95 Thesen an die Tür der Kirche in Wittenberg nagelte. Er kritisierte darin den Ablasshandel. Mit Ablässen konnten Gläubige sich von ihren Strafen im Fegefeuerlaut katholischem Glauben der Ort, an den Gläubige nach ihrem Tod für eine bestimmte Zeit kommen, wenn ihre Seele aufgrund ihrer Sünden noch nicht ganz rein ist „freikaufen“. Ablässe waren eine wichtige Einkommensquelle für die Kirche, Luther zufolge jedoch eine korrupte Praxis. Seiner Ansicht nach genügten der Glaube und die göttliche Gnadedie Hilfe, die Gott den Gläubigen gewährt, um ins Himmelreich zu gelangen , sich das ewige Leben zu verdienen. Auch die Heiligenverehrung und die meisten Sakramentebesondere Rituale, mit denen Christen ihre Verbindung zu Gott stärken (bis auf die Taufe und die Eucharistie) hielt er für überflüssig. Um die Gläubigen in direkten Kontakt mit Gottes Wort zu bringen, übersetzte er die Bibel des Erasmus ins Deutsche.

Luthers Ideen erreichten schon bald die Südlichen Niederlande, aber die Kirche verurteilte seine Schriften als Ketzerei. Auch Karl V. verfolgte die Lutheraner. Selbst versöhnlich Gesinnte wie Erasmus wandten sich letztendlich gegen die Lehre Luthers. Beharrliche Protestanten bezahlten das mit ihrem Leben. 1523 wurden zwei Anhänger Luthers in Brüssel lebendig verbrannt. Hunderte von Hinrichtungen sollten dem folgen. Dennoch breitete sich der Protestantismus weiter aus, denn nach Luther kamen andere Kirchenreformer wie Jean Calvin, ein französischer Theologe, der sich in Genf niederließ und in den Niederlanden auf eine große Anhängerschaft zählen konnte.

Plantin-Moretus.

Antwerpen, Museum Plantin-Moretus, LUCID

Christoffel Plantins gut erhaltene Druckerei aus dem 16. Jahrhundert im Museum Plantin-Moretus in Antwerpen wurde 2002 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Bitte vorlesen

Die Kunst der Buchdruckerei

Um 1450 entwickelte Johannes Gutenberg in Mainz eine Technik, Texte mittels einzelner Metalllettern und einer Druckerpresse zu drucken. Dank der Buchdruckerei konnten Bücher schneller und in größerer Zahl produziert werden. Die Humanisten und die Protestanten verdankten einen großen Teil ihres Einflusses ihrer Zusammenarbeit mit Druckern und Verlegern. Ideen verbreiteten sich schneller und erreichten ein großes, internationales Publikum. Kirche und Obrigkeit fürchteten die neue Macht des gedruckten Wortes und gedruckter Illustrationen. Sie reagierten mit Zensur, Bücherverbrennungen und selbst einer Liste verbotener Bücher.

Johannes von Westfalen und sein Geschäftspartner Dirk Martens druckten 1473 in Aalst die ersten Bücher in den Südlichen Niederlanden. Martens ließ sich später in Löwen nieder und wurde dort einer der Verleger von Erasmus. Ab 1490 wurde Antwerpen zu dem Buchzentrum der Südlichen Niederlande, gefolgt von der Universitätsstadt Löwen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der französische Immigrant Christoffel Plantin einer der einflussreichsten Verleger in Europa. Er veröffentlich in der Scheldestadt mit viel Sorgfalt und Sinn für Qualität die griechischen und römischen Klassiker, Ausgaben der ältesten Bibeltexte, liturgische Bücherein Buch mit Texten für den Gebrauch in der Kirche , Atlanten, gelehrte Traktate und Musikdrucke. Bahnbrechend waren die Polyglottbibel (eine Bibelausgabe in fünf Sprachen) und das erste Wörterbuch der niederländischen Sprache.

Visit Flanders

Dirk Martens aus Aalst druckte 1473 als erster in den südlichen Niederlanden ein Buch mit losen, wiederverwendbaren Lettern. Er veröffentlichte etwa fünfzig Werke des Erasmus und die erste Ausgabe von Thomas Mores Utopia. Aalst ehrt ihn seit 1856 mit einer Statue (vom Bildhauer Jean Geefs) auf dem Grote Markt.

Pagina uit Erasmus’ Griekse editie van het Nieuwe Testament.
Basel, Universitätsbibliothek

Seite aus dem Novum Instrumentum Omne (1516), Erasmus‘ griechisch-lateinischer Ausgabe des Neuen Testaments.

Brüssel, KIK-IRPA, Bild M108829

Jan Despauter aus Ninove (lateinisch: Johannes Despauterius) (etwa 1480-1520) war ein bedeutender Humanist aus den Niederlanden. Er verfasste eine lateinische Grammatik, die in ganz Westeuropa im Unterricht verwendet wurde. Maler unbekannt.

Augustijnen.
Gent, Universität Gent

Deutsches Pamphlet über die Verbrennung zweier Antwerpener Augustiner, Hendrik Voes und Jan van Esschen, auf dem Brüsseler Grote Markt im Jahr 1523. Sie waren die ersten, die wegen ihres protestantischen Glaubens hingerichtet wurden.

Madrid, Museo Nacional del Prado, P003461

Juan Luis Vives (1493-1540), Sohn konvertierter Juden in Spanien, lebte und arbeitete in den Niederlanden. Er war ein bedeutender christlicher Humanist und Anhänger des Erasmus. Vives schrieb über Reformen im Schulwesen und in der Armenfürsorge. Maler unbekannt.

DBNL

In Laus Stultitiae (Lob der Torheit) analysierte Erasmus die Gesellschaft seiner Zeit. Hochrangige weltliche und kirchliche Würdenträger entgingen seiner scharfen Feder nicht. Das Buch erschien 1511 in Paris und war dem englischen Humanisten Thomas More (1478-1535) gewidmet. 1560 erschien die erste niederländische Übersetzung.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Biblia
Journaal

Bron: VRT-archief – 21 jun 2018

Erasmus
Klaar – Erasmus

Bron: VRT-archief – 27 jan 2021

Van Roesmale Metsys
Meer vrouw op straat – Leuven

Bron: VRT-archief, De chinezen – 7 apr 2020

Sachbuch


Bloemendal Jan
Erasmus

Athenaeum – Polak & Van Gennep, 2020. 

Blokland Gottlieb
Geloof alleen! Protestanten in België: een verhaal van 500 jaar

Garant, 2017. 

Decavele Johan
De eerste protestanten in de Lage Landen: geloof en heldenmoed

Davidsfonds, 2004. 

Erasmus Desiderius
Vrouwengesprekken: een keuze uit de Colloquia

Athenaeum – Polak & Van Gennep, 2005. 

Imhof Dirk
Balthasar Moretus en de passie van het uitgeven

BAI, 2018. 

Lampo Jan
Gelukkige stad. De gouden jaren van Antwerpen (1485-1585)

Amsterdam University Press, 2017. 

Langereis Sandra
De woordenaar. Christoffel Plantijn, ‘s werelds grootste drukker en uitgever 1520-1589

Balans, 2014. 

Langereis Sandra
Erasmus: dwarsdenker; een biografie

De Bezige Bij, 2021. 

Liagre Guy
Belgisch protestantisme in perspectief: doorkijkjes in 450 jaar ideeëngeschiedenis

Houtekiet, 2011.

Marnef Guido
Antwerpen in de tijd van de Reformatie: ondergrond protestantisme in een handelsmetropool 1550-1577

Meulenhoff, 1996. 

Pleij Herman
Het gevleugelde woord. Geschiedenis van de Nederlandse literatuur 1400-1560

Bert Bakker, 2007. 

Pleij Herman
Anna Bijns, van Antwerpen

Bert Bakker, 2011. 

Praet Danny
Protestantisme: aspecten van de reformatie tussen humanisme en verlichting

Academia Press, 2014. 

Pye Michael
Antwerpen. De gloriejaren

De Bezige Bij, 2021. 

Verhoeven Gerrit
Op reis met Plantijn. Onderweg in de 16de eeuw

BAI, 2021. 

Fiktionales


Plichart Ilona
De droom van Christoffel

Uitgeverij Vrijdag, 2016. (OKAN, 14+) 

Rabou John & van Wierst Jonneke
Meester Erasmus

Delubas, 2012. (9+)

Tompot Maurits & Van Bokhoven Ines
Het geheim van Erasmus

Mozaïek, 2006. (13+) 

Toussaint Yvon
Het manuscript van Giudecca

Atlas, 2005. 

Tulkens Joris
De schaduw van Erasmus: historische roman

Houtekiet, 2006. 

Tulkens Joris
De verloren droom van Pieter Gillis: historische roman over Antwerpen tussen Reformatie en humanisme

Davidsfonds, 2010. 

Tulkens Joris
Wentelsteen: Erasmus en de moeizame geboorte van het Collegium Trilingue: historische roman

Davidsfonds Uitgeverij, 2017. 

Van Damme Willy
Het geheim van Plantyn

De Vries-Brouwers, 2010. 

Van Holst Pellekaan Karen
Storm: de verboden brief van Maarten Luther

Ark Media, 2019. (9+) 

Van Lanen Marleen
Tikkie terug!; de tijdreis van Bas

Museum Gouda, 2016. (9+) 

Zandstra Jan, e.a.
Zotten zijn wij die gedichten schrijven: Goudse dichters over Erasmus

De Vrije Uitgevers, 2019. 

Comics


Leemans Hec & Scholz Claus
Keizer Karel. De laatste Bourgondiër

2000.

Leisink René & Derks Rob
Erasmus in Europa

Erasmus Universiteit, 2009. (9+)

Van Gucht Peter & Morjaeu Luc
Suske en Wiske. De Geplaagde Plantijn (nr. 366)

Standaard Uitgeverij, 2023.

Film
Life is beautiful

30 kortfilms over dromen, leven en liefde, met als uitgangspunt spreuken van Erasmus (A Film, 2011). 

Dutch Filmworks
Storm: letters van vuur

(2017)

Audio
TRAPMAN, Hans, Erasmus: een hoorcollege over zijn leven, oeuvre en de invloed van zijn denken

Home Academy, 2013.

PLEIJ, Herman
Hollands grootste humanist

De Vrije Uitgevers, 2012.