Erste Seite des Mechelner Chorbuchs. Die Eröffnungsminiatur zeigt vermutlich den jungen Karl V. auf einem Thron. | Mechelen, Regionale Bilddatenbank

Künste & Wissenschaften
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Um 1515
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Das Mechelner Chorbuch

Polyphone Musik in den alten Niederlanden

Das Mechelner Chorbuch ist eine der schönsten und am besten erhaltenen Musikhandschriften aus dem 16. Jahrhundert. Angefertigt wurde diese um 1515 in der Werkstatt des Petrus Alamire in Mechelen. Die Stadt an der Dijle war damals die faktische Hauptstadt der Niederlande und dank Margarete von Österreich ein wichtiges kulturelles Zentrum.

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Das Chorbuch enthält die Noten für sieben mehrstimmige lateinische Messen: eine von dem Komponisten Matthaeus Pipelare und sechs von dem Hofsänger und Komponisten Pierre de la Rue. Mehrere Sänger sangen zusammen aus diesem großen Buch, das auf einem Lesepult stand. Petrus Alamire kopierte und verkaufte luxuriöse, mit Miniaturengemalte Darstellungen in einer Handschrift verzierte Musikhandschriften. Er besorgte mehrere Musikmanuskripte im Auftrag des Mechelner Hofes. Diese Handschriften finden sich heute in ganz Europa wieder. Das Mechelner Chorbuch war wahrscheinlich ein Geschenk Maximilians von Österreich an seinen Enkel, den späteren Kaiser Karl V.

<p>Der Polyphonist Johannes Ockeghem (etwa 1410-1497), vermutlich der Sänger mit der Brille, singt aus einem Chorbuch. (Erste Hälfte des 16. Jahrhunderts).</p>

Paris, Nationalbibliothek Frankreich, fr. 1537, fol. 58v

Der Polyphonist Johannes Ockeghem (etwa 1410-1497), vermutlich der Sänger mit der Brille, singt aus einem Chorbuch. (Erste Hälfte des 16. Jahrhunderts).

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Polyphone Musik in den alten Niederlanden

Das Chorbuch enthält polyphone – oder mehrstimmige – Musik. Bei einstimmiger Musik wie der gregorianischen Kirchenmusik singen alle dieselbe Melodie. Polyphonie bedeutet, dass der Komponist mehrere Melodien kombiniert und dabei aufeinander abstimmt. Diese neue Musikform entwickelte sich ab 1200. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Kapellmeister der Kathedrale Notre-Dame in Paris. Sie fügten der gregorianischen Melodie eine zweite und dritte Stimme hinzu.

Im 15. und 16. Jahrhundert war die franco-flämische Polyphonie der wichtigste Musikstil an allen großen westeuropäischen Höfen. Franco-flämisch bedeutet hier: an beiden Seiten der Sprachgrenze, die durch die alten Niederlande verlief und die damals auf künstlerischem Gebiet keine Rolle spielte. Zu verdanken war diese Blüte den herausragenden Chorschulen der Kathedralen von Tournai, Cambrai und Lüttich sowie wichtiger Kirchen in unter anderem Brügge, Gent, Antwerpen, Brüssel und Mons. Dort lernten talentierte Jungen von einem Gesangsmeister, wie man einer Messe mit gregorianischen und polyphonen Gesängen Glanzlichter verlieh.

Die Komponisten und Sänger aus den damaligen Niederlanden waren im übrigen Europa äußerst beliebt. Polyphonisten wie Josquin des Prez, Jacob Obrecht, Adriaan Willaert und Philippe de Monte zogen an die wichtigen Höfe und Kirchen und sorgten so für die Verbreitung des franco-flämischen Repertoires in Europa. Auch die prächtigen Chorbücher wie die von Alamire trugen dazu bei.

 

Fokuspunkte

Hof van Savoye.

Mechelen, Regionale Bilddatenbank, Jan-Baptist De Noter, 1780

Der Hof von Savoyen, das Stadtpalast von Margarete von Österreich in Mechelen, war eines der ersten Renaissancegebäude der Niederlande. Im 17. und 18. Jahrhundert war er der Sitz des Großen Rates von Mechelen, dem höchsten Gericht der Niederlande bis zur Französischen Revolution.

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Der Hof der Margarete von Österreich

Margarete von Österreich war die einzige Tochter von Maximilian von Österreich und Maria von Burgund. Seit 1507 regierte sie als StatthalterinFrau, die als Vertreterin des Fürsten ein Land regiert die Habsburgischen Niederlande. Sie spielte auch eine diplomatische Rolle in den Konflikten zwischen den Habsburgern und dem König von Frankreich über die Grenzen ihrer Gebiete in den damaligen Niederlanden. Nach dem Tod ihres Bruders Philipps des Schönen im Jahr 1506 überwachte sie die Erziehung seiner Kinder, zu denen auch der spätere Kaiser Karl V. zählte.

Margaretha war hochgebildet und eine wichtige Mäzeninjemand, der als Förderer oder Förderin von Künstlern, Gelehrten oder Sportlern auftritt . Sie wohnte in Mechelen in einem der erste Renaissancepaläste der Niederlande, dem Hof von Savoyen. Sie erteilte Aufträge an zahlreiche Bildhauer, Maler, IlluminatorenKünstler, die Bilder oder dekorative Formen in Handschriften malen oder zeichnen , Glasmacher, Teppichweber, Schriftsteller oder Komponisten und machte ihren Hof zu einem der bedeutendsten Zentren der RenaissanceWiedergeburt der klassischen Antike, anfangs nur für das 15.-16. Jahrhundert verwendeter Begriff in Nordwesteuropa.

Ihre reichhaltige Bibliothek umfasste nicht nur religiöse und didaktische Literatur, sondern auch Ritterromane, Liederbücher und Chroniken. Auch legte sie eine außergewöhnliche Kunstsammlung an, mit Bildern von so klingenden Namen wie Jan van Eyck, Rogier van der Weyden und Jheronimus Bosch. Sie besaß auch Werke bekannter italienischer Künstler und sogar Objekte aztekischen und arabischen Ursprungs. Eine so vielseitige Sammlung sollte auch die Macht der Habsburger zeigen. Schließlich war sie auch selbst literarisch tätig. Sie schrieb unter anderem ein ergreifendes Klagelied über den Tod ihres Bruders Philipps des Schönen.

London, British Museum, WB.261

Conrat Meit (ca. 1470/85-1550/51), Porträtbüste aus Buchenholz von Margarete von Österreich (1515/25). Höhe 9 cm. Der aus Worms stammende Bildhauer und -schnitzer trat vor dem Jahr 1514 bei Margarete von Österreich in den Dienst.

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„Mijn hert altijt heeft verlanghen“ von Pierre de la Rue

Pierre de la Rue war der Lieblingskomponist der Margarete von Österreich. Er erhielt seine Ausbildung an der Chorschule der Kathedrale von Tournai. 1492 trat er in die Dienste von Margaretes Vater Maximilian von Österreich und später ihres Bruders Philipps des Schönen. Von 1506 bis 1508 leitete er in Spanien die Hofkapelle Johannas von Kastilien, der Witwe Philipps und Mutter Kaiser Karls V. Danach kehrte er an den Hof in Mechelen zurück.

Pierre de la Rue komponierte hauptsächlich in lateinischer und französischer Sprache. Aber von ihm ist auch ein niederländischsprachiges Lied erhalten: „Mijn hert altijt heeft verlanghen“ („Mein Herz hat immer Sehnsucht“). Dieses Liebeslied wurde auch in Europa populär, genau wie einige andere niederländischsprachige „Hits“. Diese wurden bearbeitet und übersetzt und oft für instrumentale Aufführungen verwendet.

Die Polyphonie blühte nicht nur in den großen Kirchen und an den europäischen Höfen. Im 16. Jahrhundert gaben zudem reiche Bürger Gesangbücher zum Eigengebrauch in Auftrag. Die Bücher enthielten Kirchenmusik und dazu weltliche Lieder in französischer und niederländischer Sprache. So trug die bürgerliche Musikkultur das Ihre zur Verbreitung der niederländischsprachigen polyphonen Musik bei. Die Verbreitung der Druckkunst spielte darin ebenfalls eine Rolle. So veröffentlichte der Antwerpener Musikverleger Tielman Susato in den Jahren nach 1550 elf niederländischsprachige „musyck boexkens“ oder Musikbüchlein. Der Bürgerkrieg in den Niederlanden am Ende des 16. Jahrhunderts beendete schließlich die Blüte des niederländischsprachigen mehrstimmigen Liedes in den Südlichen Niederlanden.

Den Haag, Königliche Bibliothek, KW 79 K 10, fol. 28r

Die Gruuthuse-Handschrift von etwa 1400 ist die älteste Quelle, die (einstimmige) mittelniederländischen Lieder enthält, die mit Noten versehen sind, darunter das Egidiuslied.

Josquin des Prez
Petrus Opmeer, Opvs chronographicvm orbis vniversi a mvndi exordio vsqve ad annvm M.DC.XI, Antwerpen, 1611, Band/dl. 1, S. 440

Wie viele franko-flämische Polyphonisten machte auch Josquin des Prez international Karriere. Er arbeitete in Mailand, Rom und Paris. Seine musikalischen Neuerungen hatten einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Polyphonie.

Leuven chansonnier.
Sammlung König-Baudouin-Stiftung, Fonds Léon Courtin-Marcelle Bouché, hinterlegt im Depot der Alamire Foundation, Löwen, Rob Stevens

Das „Leuven Chansonnier“ ist ein besonders gut erhaltenes Liederbuch aus dem 15. Jahrhundert mit 50 mehrstimmigen Liedern. Seine Entdeckung im Jahr 2014 war eine weltweite Sensation. Das Buch ist für die Erforschung der franko-flämischen Polyphonie von großem Wert. Die König-Baudouin-Stiftung erwarb es und vertraute es dem internationalen Studienzentrum Alamire Foundation der KU Leuven an.

Willaert.
Paris, Französische Nationalbibliothek, Est. Willaert A. 001

Im Markusdom in Venedig ertönte die Musik zahlreicher „Fiamminghi“, wie die Künstler aus den Niederen  Landen im italienischen Stadtstaat genannt wurden. Adriaan Willaert (etwa 1490-1562) aus Roeselare und nach ihm Cypriaan de Rore (1515-1565) aus Ronse waren dort im 16. Jahrhundert Kapellmeister.

Basses danse.
Brüssel, Königliche Bibliothek, ms. 9085

Dieses seltene Tanzbuch (um 1500) auf schwarzem Pergament, von Margarete von Österreich ist das älteste bekannte Tanz- und Liederbuch der Niederen Lande. Das Manuskript enthält 58 Lieder, die Notenlinien sind golden, die Noten silbern. Unterhalb der Noten geben Buchstaben die Tanzschritte an.

Antwerpen, Königliches Museum für Schöne Künste

Porträt der Margarete von Österreich als Witwe, aus der Werkstatt des Bernard van Orley, 1519-1520.

Souterliedeken.
Brüssel, Königliche Bibliothek, VH 23.871 B.1 R.P

Eine Stimme der dreistimmigen Vertonung der Souterliedeken Roepen, bidden, kermen ende claghen (Psalm 87 (88)) von Jacobus Clemens non Papa (etwa 1510/15-1555/56), in Antwerpen herausgegeben im Jahr 1556 von Tielman Susato.

Huelgas ensemble.
Luk Van Eeckhout, Huelgas Ensemble

Polyphonie kann ein breites Publikum begeistern, dank zahlreicher Ensembles, Konzerte und Festivals.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Margaretha
Weg van het Meesterwerk

Bron: VRT-archief, Sylvester productions – 4 sep 2019

Pierre de la rue
Canvas Klassiek

Bron: VRT-archief, Canvas en Bl!ndman – 26 okt 2008

 

Polyfonie
Iedereen Klassiek

Bron: VRT-archief – 16 apr 2018

Josquin des Prez
Journaal

Bron: VRT-archief, Huelgas – 20 aug 2021

(Festival Laus Polyphoniae, AMUZ, 21 augustus 2021, Programma: Josquin Desprez: a man for all seasons, Uitvoerders: Huelgas Ensemble, Artistieke leiding; Paul Van Nevel)

Miniatuurkunst
Tekens

Bron: VRT-archief, Koninklijke Bibliotheek van België (KBR) (ms. 9242, ms. IV 40, ms. 9126), Stadsarchief Mechelen (Het Mechels Koorboek, in langdurige bruikleen aan Museum Hof van Busleyden) – 15 mei 1997

Sachbuch


Bossuyt Ignace
De Vlaamse Polyfonie

Davidsfonds, 2015. 

Bossuyt Ignace, e.a.
Meerstemmigheid in beeld: zeven meesterwerken uit het atelier van Petrus Alamire

Davidsfonds, 2015. 

Burn David J. & Meconi Honey
The Mechelen Choirbook/Het Mechels Koorboek Study/Studie

Alamire Foundation/Davidsfonds, 2020.

De Cock Johan
Margareta van Oostenrijk. Parel van Bourgondië

Uitgeverij Elena, 2021. 

De Iongh Jane
De Hertogin. Margaretha van Oostenrijk, hertogin van Savooie 1480-1530

Querido, 1981. 

Eichberger Dagmar (red.)
Dames met klasse – Margareta van York en Margareta van Oostenrijk

Davidsfonds, 2005. 

Grijp Louis Peter (red.)
Een muziekgeschiedenis der Nederlanden

Amsterdam University Press, 2011. 

Maes Francis
De klanken van de keizer: Karel V en de polyfonie

Universitaire Pers, 1999. 

Mareel Samuel, e.a.
Kinderen van de Renaissance: kunst en opvoeding aan het Habsburgse hof (1480-1530)

Lannoo, 2021. 

Schreurs Eugeen (red.)
De schatkamer van Alamire: muziek en miniaturen uit Keizer Karels tijd, 1500-1535

Davidsfonds, 1999. 

Triest Monica
Macht, vrouwen en politiek, 1477-1558: Maria van Bourgondië, Margareta van Oostenrijk, Maria van Hongarije

Van Halewyck, 2000. 

Verberckmoes Johan
Wij, Habsburgers

Houtekiet, 2022. 

Willaert Frank
Het Nederlandse liefdeslied in de middeleeuwen

Prometheus, 2021. 

Fiktionales


Raskin Brigitte
De gestolen prinses

Davidsfonds/Infodok, 2009. (15+) 

Vanhole Kamiel
De nacht van Margaretha

Vantilt, 2000. (Toneelmonoloog) 

Willumsen Dorrit
De Gentse bruid

De Arbeiderspers, 2005. 

Comics


Geerts Paul
Suske en Wiske. De Kleine Postruiter (nr. 186)

Standaard Uitgeverij, 1990.

Jetzt ansehen


Overal Klassiek
Hoe de Vlaamse polyfonie de muziekgeschiedenis veranderde
Radio 1
De wereld van Sofie – 13 mei 2023

Stratton Bull, artistiek leider van Cappella Pratensis, over het Mechels Koorboek.

Alamire Foundation
Leuven Chansonnier trailer 20241031
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Leuven Chansonnier episode 0 20241031
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Leuven Chansonnier episode 3 20241031
‘Vecchie letrose, villanella alla Napolitana’

(La Capella Reial de Catalunya & Hespèrion XXI) 

Chanson Susanne un jour

(Vox Luminis)

Pierre de la Rue
Pour ung jamais

Chanson van Margareta van Oostenrijk (Corvina Consort) 

Pierre de la Rue
Me fauldra il tousjours ainsi languir

Chanson van Margareta van Oostenrijk (La Morra) 

The Consort of Musicke
Kirsti Consort
Consorto Etereo
Choeur B212
Conservatorium van Amsterdam o.l.v. Eduardo López Cabello
Egidius Kwartet
University of San Francisco Choir
La Morra
Capella Sancti Michaelis/Currende Consort
Les Jardins de Courtoisie
Encantar

Laudantes Consort

Laudantes Consort
Madrigaal
S’io odo alcun felice, e lieto amante

(Ratas del Viejo Mundo) 

Motet Timor et tremor

(The Sixteen) 

Se je souspire/ Ecce iterum

Motet-chanson van Margareta van Oostenrijk (Cappella Clausura) 

Pierre de Rue
Mijn hert altijt heeft verlangen

(La Morra)

Pierre de Rue
Mijn hert altijt heeft verlangen

(Capilla Flamenca) 

Roepen, bidden, kermen, claghen

(Capella Sancti Michaelis/Currende Consort) 

Zusätzliches Hör-/Sehmaterial


Oh Flanders Free. Music of the Flemish Renaissance.

Capilla Flamenca (Alamire IUB 03; Naxos 554516) 

Et lux perpetua. Funeral Music of the Renaissance.

Ensemble Chant 1450 (Christophorus 77298)

Jacob Obrecht
De wereldlijke werken

Camerata Trajectina met La Caccia en Brisk (Globe 6059) 

Souterliedekens. 16e-eeuwse wereldlijke liederen en psalmzettingen van Jacobus Clemens non Papa en Gherardus Mes.

Camerata Trajectina (Globe GLO 6020) 

The A-La-Mi-Re Manuscripts. Flemish Polyphonic Treasures for Charles V. Josquin/De la Rue/ Willaert.

Capilla Flamenca (Naxos 8.554744) 

The Songbook of Zeghere van Male. Renaissance-Polyfonie in Brugge.

Capilla Flamenca (Eufoda 1155)