Die Genter flehen Philipp den Guten nach der Schlacht bei Gavere um Gnade an. Miniatur um 1454. | Wien, Österreichische Nationalbibliothek

Macht & Widerstand
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Die Schlacht bei Gavere

Die Burgunder

Am 23. Juli 1453 zogen Genter Milizen nach Gavere, um dort das Heer des burgundischen Herzogs anzugreifen. Als jedoch ihr Schießpulvervorrat explodierte, stoben die Genter auseinander. Viele flüchtende Soldaten sprangen in die Schelde und ertranken, andere wurden niedergemacht. Die Burgunder schlugen die Genter Truppen und konnten so ihre Position in den Niederlanden weiter festigen.

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Die Städte in der Grafschaft Flandern hatten im Mittelalter etliches an Macht errungen. Sie genossen viel Freiheit und konnten sich den Landesherren gegenüber relativ unabhängig positionieren. Das war nicht nach dem Sinn des ehrgeizigen Herzogs Philipps des Guten, der die Macht möglichst am burgundischen Hof zentralisieren wollte. Besorgt um den Erhalt ihrer Autonomie kamen die Städte gegen den Herzog in Aufstand.

Von allen aufständischen Städtern waren die Genter Handwerker die ausdauerndsten. Ihre Unbeugsamkeit mündete 1451 in einen offenen Krieg mit Philipp dem Guten. Die Schlacht bei Gavere bildete den Endpunkt dieses langen Kampfes. Durch seine Niederlage musste Gent einen großen Teil seiner traditionellen Freiheiten aufgeben.

<p>Diese Miniatur von Rogier Van der Weyden zeigt einen Schreiber, der Philipp dem Guten ein Buch überreicht. Die burgundischen Herzöge legten eine umfangreiche Buchsammlung an: die Librairie de Bourgogne. Ihre Sammlung bildete die Grundlage für die heutige Königliche Bibliothek von Belgien.</p>

Chroniques de Hainaut, Brüssel, Königliche Bibliothek, ms. 9242, fol. 1r

Diese Miniatur von Rogier Van der Weyden zeigt einen Schreiber, der Philipp dem Guten ein Buch überreicht. Die burgundischen Herzöge legten eine umfangreiche Buchsammlung an: die Librairie de Bourgogne. Ihre Sammlung bildete die Grundlage für die heutige Königliche Bibliothek von Belgien.

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Die Burgunder

Die burgundischen Herzöge waren faktisch Lehnsmänner des Königs von Frankreich, schlugen im Spätmittelalter jedoch einen eigenen Kurs ein. Eine Ehe zwischen dem burgundischen Herzog Philipp dem Kühnen und Margarete von Male, Tochter des Grafen van Flandern, ließ sie auch in den Niederlanden festen Fuß fassen. Als der Graf 1384 starb, erlangte Philipp der Kühne über seine Frau die Verfügungsgewalt über das reiche und stark verstädterte Flandern.

Durch eine ausgeklügelte Heiratspolitik sowie Ankäufe und Kriege erweiterten die Burgunder ihr Territorium systematisch. Besonders Philipp dem Guten, dem Enkel Philipps des Kühnen, gelang ein beträchtlicher Gebietszuwachs. Er brachte viele Fürstentümer in den Niederen Landen unter seine Herrschaft und bewirkte so die politische Vereinigung eines Großteils der Niederlande. Einzig das Fürstbistum Lüttich mit der Grafschaft Loon blieb außerhalb seines Machtbereichs. Das burgundische Reich wuchs im 15. Jahrhundert zu einer neuen Großmacht heran, eingezwängt zwischen Frankreich und den deutschen Landen.

Philipp der Gute wollte nicht nur dem Namen nach über seine Gebiete herrschen, er wollte auch die direkte Kontrolle. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchte er einen ausgedehnten Hofstaat, Richter und Beamte und dazu stabile Steuereinnahmen, um all diese Menschen bezahlen zu können. So begann ein Prozess der Zentralisierung und Staatsbildung, der – trotz mehrmaligen Widerstands der Untertanen – der Autonomie und den Privilegien der Städte in den Niederlanden nach und nach ein Ende setzte.

Fokuspunkte

Coudenberg.

Madrid, Museo Nacional del Prado

Der Coudenberg-Palast in Brüssel. Gemälde von Jan Brueghel dem Jüngeren, um 1627.

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Der burgundische Hof

Die burgundischen Herzöge trafen wichtige politische Entscheidungen in höchsteigener Person, umgaben sich dafür allerdings mit Ratgebern und Mitarbeitern. Der Herzog und seine ausgedehnte Entourage bildeten zusammen den burgundischen Hof.

Dieser Hof erregte die Fantasie. Da das burgundische Reich keine Hauptstadt besaß, zog der gesamte Hofstaat ständig von Schloss zu Landgut umher. Unter Philipp dem Guten waren unter anderem der Prinzenhof in Gent und der Coudenberg-Palast in Brüssel beliebte Aufenthaltsorte. Große Feste und Zeremonien wie seine Hochzeit oder die feierlichen Sitzungen des Ritterordens vom Goldenen Vlies veranstaltete er hauptsächlich in seinem anderen „Prinzenhof“ in Brügge. Den Orden vom Goldenen Vlies hatte Philipp gegründet, um sein Prestige zu stärken und den höchsten Adel aus den verschiedenen Regionen an sich zu binden.

Auch der Pomp und Prunk und die Bankette am Hof waren schon bald legendär. Hinter diesem „burgundischen“ Lebensstil steckte eine politische Strategie. Durch eine derartige Zurschaustellung des Überflusses hofften die Herzöge, einflussreiche Untertanen für sich zu gewinnen. Die Burgunder waren Meister der Propaganda. So begrüßten sie die Kreuzzugideologie und stellten „die Türken“ gern als Feinde der christlichen Welt hin. Ritterromane mit orientalischen Motiven waren sehr beliebt.

Graf Maria van Bourgondië.

Pensionado, Columbus Travel

Maria von Burgund starb 1482, kaum 25 Jahre alt, nachdem sie bei der Jagd von ihrem Pferd gestürzt war. Ihr Grab und das ihres Vaters Karls des Kühnen befinden sich in der Liebfrauenkirche in Brügge.

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Das Große Privileg

Nach dem Tod Philipps des Guten setzte sein Sohn Karl der Kühne dessen Zentralisierungspolitik fort. In den Generalstaaten, einem neuen Beratungsgremium für die Regionen der Niederlande, wuchs jedoch die Unzufriedenheit.

Als Karl der Kühne 1477 in der Schlacht fiel, trat seine junge und unerfahrene Tochter Maria von Burgund seine Nachfolge an. Viele Städte und Regionen in den Niederlanden hielten jetzt den Zeitpunkt für gekommen, politischen Einfluss zurückzugewinnen. Um sich gegen Frankreich zu wappnen, brauchte die Herzogin nämlich die Unterstützung der Generalstaaten.

Die Generalstaaten nutzten die Lage aus und zwangen Maria zur Unterzeichnung des Großen Privilegs. Das war eine Urkunde, die die herzogliche Macht einschränkte und den Regionen die Freiheiten zurückgab, die Karl der Kühne ihnen genommen hatte. Auch die Städte zogen ihren Vorteil aus dem Deal. So gewann Gent diejenigen Privilegien zurück, die es nach der verlorenen Schlacht bei Gavere hatte abtreten müssen. Im Gegenzug erklärten sich die Generalstaaten mit neuen Steuern einverstanden und gelobten Treue gegenüber der Herzogin.

Die Vereinbarungen des Großen Privilegs überdauerten nur wenige Jahre. Dennoch war es ein wichtiger Präzedenzfall, weil es ähnlich einer modernen Verfassung der Allmacht des Herrschers genau umschriebene Einschränkungen auferlegte.

Filips de Goede.
Brügge, Musea Brugge, Groeningemuseum

Philipp der Gute vereinte einen Großteil des heutigen Belgiens und der Niederlande unter seiner Herrschaft. Der Humanist Justus Lipsius bezeichnete ihn deshalb als conditor Belgii, den Begründer der Burgundischen Niederlande. Porträt Philipps des Guten, nach Rogier van der Weyden.

Banket van de Fazant.
Amsterdam, Rijksmuseum, SK-A-4212

Auf dem Fasanenfest schworen Philipp der Gute und die geladenen Gäste einen offiziellen Eid, auf Kreuzzug zu gehen. Die burgundischen Herzöge stellten die Türken gerne als den Erzfeind dar. So versuchten sie ihre eigene politische Macht zu rechtfertigen. Anonymer Maler, 16. Jahrhundert.

 

Rond het Bourgondische hof ontwikkelde zich een nieuwe elite van raadgevers en ambtenaren. Eén van hen was de Bruggeling Pieter Bladelin (1408-1472). Hij had een uitgebreid internationaal netwerk en was zodanig vermogend dat hij naast een stadspaleis (vandaag Hof Bladelin) ook een eigen stad en kasteel liet optrekken: Middelburg-in-Vlaanderen (nu deelgemeente van Maldegem). In het kasteel liet hij deze gepersonaliseerde vloertegels uit Valencia leggen met daarop zijn initialen en symbolen, op één tegeltype zelfs in verband met deze van de orde van het Gulden Vlies.
Privatsammlung Paul Verstraete, Middelburg

Um den burgundischen Hof herum entwickelte sich eine neue Elite aus Beratern und Beamten. Einer von ihnen war der Brügger Pieter Bladelin (1408-1472). Er verfügte über ein internationales Netzwerk und war derart reich, dass er neben einen Stadtpalast (heute Hof Bladelin) auch eine eigene Stadt sowie eine Burg errichten ließ: Middelburg-in-Vlaanderen (heute ein Ortsteil von Maldegem). In der Burg ließ er diese personalisierten Bodenfliesen aus Valencia verlegen, auf denen seine Initialen und Symbole zu sehen sind. Auf einem Fliesentyp sogar in Verbindung mit denen des Ordens vom Goldenen Vlies.

Val van Constantinopel.
Paris, Nationalbibliothek Frankreich, f. fr. 2691, fol. 254v

Die burgundischen Versuche, das Heilige Land zurückzuerobern, blieben erfolglos. Im Gegenteil, 1453, im selben Jahr wie die Schlacht bei Gavere, eroberten die Osmanen Konstantinopel, das später Istanbul genannt wurde. Miniatur, Philippe de Mazerolles zugeschrieben, Hofmaler Karls des Kühnen.

Berlin, Gemäldegalerie

Porträt Karls des Kühnen, dem Künstler Rogier van der Weyden zugeschrieben.

Karel de Stoute.
Nancy, Musée Lorrain

Karl der Kühne fällt bei Nancy (1477). Im 19. Jahrhundert sahen sowohl Belgien als auch Frankreich die burgundische Zeit als wichtige Periode in ihrer nationalen Bewusstwerdung. In Gemälden und Büchern verorten Geschichtsschreiber und Künstler beider Länder „die Wurzeln der Einswerdung der Nation“ in der burgundischen Zeit. Charles Houry, Der Tod Karls des Kühnen vor Nancy, 1852.

Groot Privilege.
Den Haag, Nationalarchiv der Niederlande

Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters Karl dem Kühnen (5. Januar 1477) sah sich Maria von Burgund mit Aufständen in den Städten sowie den Ansprüchen des Königs von Frankreich konfrontiert. Um Anerkennung und Unterstützung als rechtmäßige Fürstin zu erhalten, sah sie sich gezwungen, in die Forderungen der Generalstaaten einzuwilligen und die Rechte der verschiedenen (politischen) Regionen anzuerkennen. Das geschah im Groot Privilege (11. Februar 1477).

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Bron: VRT archief, De Mensen – 29 jan 2023

Graafschap Vlaanderen
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Bron: VRT archief, De Mensen –  29 jan 2023

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