Rock Werchter entwickelte sich von einer Chiro-Pfadfinder-Veranstaltung zu einem viertägigen Festival mit Bands und Besuchern aus aller Welt. Veranstaltung von 2017. | Belga Image, 1952486
Rock Werchter
Die Festivalkultur
Im Sommer 1975 traten im ländlichen Werchter zwei Bands vor einigen hundert Zuschauern auf. Die Initiative der örtlichen katholischen Jugendgruppe Chiro wurde zum Grundstein für eines der größten Musikfestivals in Europa.
Seitdem versammelte sich jährlich eine wachsende Gruppe Jugendlicher in Werchter, um zusammen das Ende des Schuljahrs und den Beginn der großen Ferien zu feiern. Eine Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten aus der westflämischen Stadt Torhout führte 1977 zu dem legendären Doppelfestival Torhout/Werchter. Indem sie dieselben Künstler erst in Torhout und dann in Werchter auftreten ließen, konnten die Organisatoren größere Namen verpflichten.
Das Festival fand ab 1999 nur noch in Werchter statt. Rock Werchter setzte Maßstäbe in der Welt der Pop- und Rockmusik. U2, Patti Smith, R.E.M., The Chemical Brothers, Faithless, Kendrick Lamar, Metallica und Lady Gaga sind nur einige internationale Namen, die in den vergangenen Jahrzehnten in dem flämisch-brabantischen Dorf auf der Bühne standen.
Belga Image, 69150255, Peter Croes
Arno Hintjens (1949-2022) aus Ostende, im Jahr 1980 Gründungsmitglied der einflussreichen Band T.C. Matic und später erfolgreicher Solokünstler auf der Bühne der Lokerse Feesten 2019.
Die Festivalkultur
Torhout/Werchter entwickelte sich schnell zum bekanntesten Musikfestival des Landes, aber der wahre Pionier der Sommerfestivals in Flandern war Jazz Bilzen. Dieser mehrtägige Event fand erstmals 1965 statt und hatte Jazz, Folk, Rock und Pop im Programm. Schon bald zog Jazz Bilzen jedes Jahr bis zu 15.000 Zuschauer an, die Mehrzahl von ihnen Teenager und Twens.
Das Aufkommen solcher Jugendfestivals in den 1960er-Jahren passte in den Zeitgeist. Durch den gestiegenen Wohlstand erlebten die Babyboomerdie beiden Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren durch eine hohe Geburtenrate gekennzeichnet, daher spricht man vom Babyboom – die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geborene Generation – eine Jugend mit ungeahnten Möglichkeiten. Sie konnten länger lernen und hatten mehr Geld und Freizeit als ihre Eltern. Unter anderem durch die Musik grenzten sie sich gegen die damaligen Normen ab – Ordnung, Disziplin, Enthaltsamkeit und eine strikte Trennung zwischen Jungen und Mädchen.
Ältere Generationen schauten anfangs mit Unverständnis auf die Musikfestivals, wo Jugendliche das Recht beanspruchten, ihre Freiheit entsprechend ihren eigenen Werten und Normen zu genießen. Jedoch nahm die Beliebtheit von Festivals immer nur zu, und die musikalische Gegenkultur entwickelte sich sogar zu einem gewinnbringenden Markt für Unternehmer. Jazz Bilzen verschwand, aber neue Erfolge wie Tomorrowland verschaffen Flandern einen bleibenden Ruf als Festivalregion.
Fokuspunkte
Erfahren Sie mehr über dieses Thema
Sachbuch
Werchter: de wei. Belgiës bijdrage aan de rockindustrie
In: Tollebeek Jo (red.), België, een parcours van herinnering. Plaatsen van geschiedenis en expansie, Bert Bakker, 2008.
De jaren zestig. Een cultuurgeschiedenis
Ambo Anthos, 2018.
Pukkelpop 25
Ludion, 2010.
Rock Werchter sinds 1975
WPG, 2014.
Belpop Bonanza: de mooiste verhalen uit de Belgische popmuziek
Uitgeverij Sylvain, 2017.
Rock Torhout: biografie van een verdwenen festival, 1977-1998
Uitgeverij Sylvain, 2021.
BelgaCult: 25 momenten die cultureel België veranderd hebben
Lannoo, 2015.
Comics
Mannen onder elkaar
Daedalus, 2017.
The sound of Belgium
(2012)
Those were the days
Waarin telkens één discotheek wordt belicht (VRT, 2022)