Schaber, ein Werkzeug zur Bearbeitung von Fellen, gefunden in Veldwezelt-Hezerwater und 33.000 bis 250.000 Jahre alt (2 cm lang). | Tongeren, Gallo-Römisches Museum, V05/12

Wirtschaft & Technologie
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Vor etwa 500.000 - 33.000 Jahren
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Neandertaler im Tal der Maas

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung

Jahrtausendelang waren wir, der moderne Mensch oder Homo sapiens, nicht die einzige Menschenart auf der Erde. Wir teilten uns die Welt mit dem Neandertaler. Im limburgischen Veldwezelt, am Ufer des Hezerwater, errichteten Neandertaler zeitweilige Aufenthaltsorte. Diese gehören zu den ältesten Funden menschlicher Siedlungen in der Region, die jetzt Flandern heißt.

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Die Neandertaler entwickelten sich vor etwa 400 000 Jahren aus einer älteren Menschenart, dem Homo heidelbergensisnach der deutschen Stadt benannt, wo der erste Fund dieser Art gemacht wurde . Der Lebensraum des Neandertalers erstreckte sich über Europa, den Mittleren Osten und Zentralasien. Äußerlich ähnelten sie sehr dem modernen Menschen. Dennoch gab es Unterschiede. So hatten sie statt zweier Augenbrauenbögen einen kräftigen, durchgehenden Überaugenwulst und meistens einen etwas größeren Schädelinhalt. Sie waren sehr muskulös und durchschnittlich 1,65 m groß.

Neandertaler waren Jäger und führten ein Wanderdasein. In Veldwezelt legten Archäologen vier zeitweilige Lager und eine Abbaustelle für Feuerstein frei. Die Spuren sind zwischen 133 000 und 58 000 Jahre alt. Archäologen fanden in und um die Lagerplätze auch 2500 Werkzeuge vor, gefertigt aus lokalem Feuerstein. Außerdem entdeckten sie Knochen und Zähne von prähistorischen Tieren wie dem Mammut, dem Wollnashorn und dem Wildpferd.

<p>Faustkeil aus Feuerstein, vermutlich von einem Heidelbergmenschen hergestellt (10,3 cm lang, 5,6 cm breit, 2,6 cm dick).</p>

Tongeren, Gallo-Römisches Museum, GRM 19169.

Faustkeil aus Feuerstein, vermutlich von einem Heidelbergmenschen hergestellt (10,3 cm lang, 5,6 cm breit, 2,6 cm dick).

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Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung

Der Neandertaler und auch der moderne Mensch stammen von einer älteren Menschenart ab, dem Homo heidelbergensis. In Kesselt (bei Veldwezelt in der Provinz Limburg) fanden Archäologen einen Faustkeil aus Feuerstein und einige weitere Gegenstände, die vermutlich vor etwa 400 000 bis 500 000 Jahren von diesem gemeinschaftlichen Vorfahren angefertigt wurden.

Die Neandertaler hinterließen mehr Spuren in dieser Region. Auch sie fertigten Werkzeuge aus Feuerstein. Die Fundstätten konzentrieren sich am Unterlauf der Maas in der heutigen Provinz Limburg. Das ist kein Zufall, denn in diesem Gebiet gibt es größere Feuersteinvorkommen. In der Region wurden keine Knochen oder sonstigen fossilen Überreste des Heidelbergmenschen oder Neandertalers gefunden. Aufgrund von Form und Alter der Werkzeuge sind die Archäologen sich dennoch einig, dass sie von diesen Menschenarten hergestellt wurden. Die Datierung konnten sie aus der Fertigungsweise der Werkzeuge und der Erdschicht ableiten, in der sie gefunden wurden.

Vor ungefähr 33.000 Jahren verschwanden die Neandertaler endgültig vom Erdboden. In dieser Zeit starben durch klimatische Veränderungen auch immer mehr Tierarten aus, auf die sie Jagd machten. Dennoch lebt der Neandertaler noch ein klein wenig in uns fort: Forschungen haben ergeben, dass moderne Menschen zwischen einem und vier Prozent ihrer DNA mit dem Neandertaler teilen. Während ihrer Kontakte von vor 250 000 bis 33 000 Jahren haben Homo sapiens und Neandertaler sich also miteinander vermischt.

Fokuspunkte

Tongeren, Gallo-Römisches Museum, HW 272

Der Backenzahn eines Mammuts, gefunden in einer Neandertaler-Lagerstätte in Veldwezelt.

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Landschaft und klimatische Veränderungen in der Urgeschichte

Das Klima, in dem die Neandertaler lebten, war überwiegend kalt bis sehr kalt. Zwischen den sogenannten Eiszeiteneine Eiszeit ist ein Zeitraum, in der das Klima auf der Erde bedeutend kälter ist als heute und weite Teile des Planeten mit Eiskappen bedeckt sind gab es manchmal jedoch Perioden mit einem gemäßigteren oder sogar warmen Klima. Diese Wechsel hatten große Auswirkungen auf die Landschaft sowie Flora und Fauna. Das bedeutet, dass der Neandertaler imstande sein musste, sich gut an wechselnde Lebensumstände anzupassen.

Während der Eiszeiten war der Meeresspiegel der Nordsee beträchtlich niedriger, und der Ärmelkanal hatte sich noch nicht gebildet. Stattdessen erstreckte sich ein weites, von Flüssen durchschnittenes Tal vom Festland bis zum heutigen Großbritannien. Auch dort jagten Neandertaler. Das zeigt der Fund eines Schädelfragments und sehr vieler Werkzeuge fünfzehn Kilometer vor der Küste des heutigen niederländischen Zeeland.

In diesen Kälteperioden wuchsen auf der nördlichen Halbkugel nur wenige Bäume, dafür hohe Gräser und Kräuter. Hier grasten Rentiere, Wildpferde, Wollnashörner, Wisente und Mammuts. Für Neandertaler waren diese Tiere die hauptsächliche Nahrungsquelle. Also folgten sie dem Zug der Herden. Wenn die Temperatur im Lauf der Jahrhunderte anstieg, wandelte sich die Landschaft allmählich. Das geschah beispielsweise nach der letzten Eiszeit vor annähernd 12 000 Jahren. Jetzt entwickelten sich ausgedehnte Nadelwälder. Die ersten modernen Menschen machten nun Jagd auf Rothirsche, Auerochsen, Rehe und Wildschweine.

Reconstructie van een neanderthaler in het Gallo-Romeins Museum in Tongeren.

Tongeren, Gallo-Römisches Museum

Rekonstruktion eines Neandertalers im Gallo-Römischen Museum in Tongeren.

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Frühe Technologien

Die häufigsten Spuren urgeschichtlicher Menschen sind die von ihnen angefertigten Steinwerkzeuge. Das rührt daher, dass Stein im Gegensatz zu menschlichem und tierischem Gewebe oder auch Holz nicht zerfällt. Oft hatte man Feuerstein als Material gewählt. Der Vorteil dieses Gesteins lag in seiner Härte und auch darin, dass es leicht zu bearbeiten war. Indem man mit einem anderen Stein gezielt Stücke davon abschlug, entstanden messerscharfe Schneideflächen.

Ein häufiges Werkzeug des Homo heidelbergensis war der Faustkeil. Faustkeile waren tropfenförmig und an der Vorder- und Rückseite bearbeitet, sodass eine scharfe Kante entstand. Sie waren so gestaltet, dass sie gut in der Hand lagen. Oft wurden sie dazu verwendet, die Haut von Beutetieren abzuziehen und das Fleisch in Stücke zu schneiden. Sie eigneten sich aber auch zur Holzbearbeitung.

Im Lauf der Urgeschichte fertigte der Mensch immer komplexere Werkzeuge, und die erforderten eine stärkere Bearbeitung. Aufgrund der verwendeten Technik können Archäologen das Alter solcher Objekte recht genau einschätzen. Die Neandertaler entwickelten die komplexe Levalloistechnikbenannt nach dem Ort in Paris, wo Archäologen zum ersten Mal die Nutzung dieser Technik feststellten . Hierbei wurde erst ein Kernstein vorbereitet, von dem mit wenigen gezielten Schlägen Splitter abgeschlagen wurden. Diese Abschlagungen besaßen sehr scharfe Ränder und konnten zu Messern, SchabernWerkzeuge zum Abschaben von Häuten, aber auch zum Hobeln von Holz, Geweih oder Knochen oder Speerspitzen weiterverarbeitet werden. So konnten die Neandertaler leichtere Werkzeuge produzieren als die schweren Faustkeile, wie sie der Homo heidelbergensis genutzt hatte.

De archeologische site Veldwezelt-Hezerwater
Brüssel, Flämische Agentur für bauliches Kulturerbe

Die archäologische Stätte Veldwezelt-Hezerwater wurde für Besucher zugänglich gemacht.

Levallois kern
Tongeren, Gallo-Römisches Museum, VH 02 GRA21 6396

Ein etwa 140.000 Jahre alter bearbeiteter Feuerstein, hergestellt in der Levalloistechnik, die einige Planung und Geschick erforderte. Man fand ihn bei Ausgrabungen am Hezerwater in Veldwezelt. Neandertaler suchten dieses Tal auf, weil vor Ort viele Feuersteinknollen zu finden waren.

Mammoet van Lier
Lier, Stadtmuseum, Jeroen Broeckx

Während der Eiszeit bevölkerten u.a. Mammuts die Niederen . Das Mammut im Stadtmuseum Lier ist der 3D-Druck eines echten Mammutskelettes, das in Lier ausgegraben wurde und im Naturhistorischen Museum Brüssel zu sehen ist.

Leiden, Nationalmuseum der Altertümer, Olav Odé

Karte von Doggerland, einer überfluteten Landschaft zwischen dem heutigen England und dem Kontinent. In Zeiten mit niedrigem Meeresspiegel, z.B. während einer Eiszeit, war das Gebiet Teil des nicht überschwemmten Bodens der südlichen Nordsee.

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