Die Nordsee | iStock

Landschaft, Umwelt & Mobilität
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Vor 12 000 Jahren
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Ein Flecken in der Welt

Vor etwa 12 000 Jahren endete die letzte Eiszeit. Die Eiskappen schmolzen, und über Nordwesteuropa legte sich ein grüner Teppich aus dichten Wäldern. Ausgedehnte Laubwälder prägten die Landschaft und damit Kultur und Wirtschaft auch in dem Gebiet, das wir heute Flandern nennen.

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Jäger und Sammler ebenso wie Bauern nutzten den Wald vielfach. Sie fanden dort Nahrung sowie Bau- und Brennmaterialien. Die Menschen versammelten sich dort zu gemeinsamen Ritualen. Als in der römischen Zeit, zu Beginn unserer Zeitrechnung, die Bevölkerung und dadurch auch der Bedarf an Holz und Ackerflächen stark zunahm, schrumpfte der Waldbestand. Dennoch bestimmten Wälder auch weiterhin das Gesicht der Region.

Im Mittelalter, dem langen Zeitraum von 500 bis 1500, unterlag die Landschaft definitiveren, drastischen Veränderungen. Der Aufschwung der Städte und die starke Entwicklung der Landwirtschaft führten zu intensiver Holzfällung. Zum 13. Jahrhundert hin hatte der Waldbestand einen ersten historischen Tiefpunkt erreicht.

<p>Gegen Ende des Mittelalters war das Gebiet um Brügge ein Amalgam aus Deichen, Wegen, Siedlungen und Gezeitenrinnen. Erhalten gebliebener Teil der Heraldischen Karte des Brügger Freiamts von Pieter Pourbus (1561-1571).</p>

Brügge, Musea Brugge, Groeningemuseum

Gegen Ende des Mittelalters war das Gebiet um Brügge ein Amalgam aus Deichen, Wegen, Siedlungen und Gezeitenrinnen. Erhalten gebliebener Teil der Heraldischen Karte des Brügger Freiamts von Pieter Pourbus (1561-1571).

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Eine Schnittstelle für Menschen und Waren

Durch das Gebiet an der Nordsee verlief ein weitverzweigtes Netz von Flüssen. Für den Transport von Menschen und Gütern waren die Wasserläufe lange Zeit viel wichtiger als Straßen über Land. Die Flüsse und das Meer verbanden die Region wirtschaftlich und kulturell mit anderen Teilen Europas und der Welt.

Außer den Flüssen bestimmten auch der Boden und das Georelief die Möglichkeiten des Menschen. Die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit förderte regionale Spezialisierungen. Weizen gedieh auf reichen Lehmböden, Schweine wurden in Eichenwäldern gemästet, Schafe auf salzigen oder sandigen Böden gehalten, und auch der Waldbau und die Torfgewinnung waren von großer Bedeutung. Obwohl die vielen Wasserläufe für kulturellen und wirtschaftlichen Austausch sorgten, behielten viele Regionen ihre Eigenheit, weil der Boden und das Georelief so bestimmend waren.

Ab dem Mittelalter prägte der Mensch die Landschaft immer deutlicher. Durch die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur entstanden Kulturlandschaften wie die Kempen, das Hageland, das Maasland, der Haspengau und die Küstenpolder. All diese Regionen verdanken ihre Eigenheit sowohl den vorhandenen Landschaftselementen als auch den Spuren menschlicher Eingriffe wie dem Bau von Straßen, der Errichtung von Gebäuden oder der gemeinsamen Bewirtschaftung gemeinschaftlicher Böden.

Fokuspunkte

Grondplan Gent.

Gent, Dienst für Stadtarchäologie

Grundriss von Gent, mit der Entwicklung der Stadtwälle. Im 13. Jahrhundert war Gent nach Paris die größte Stadt Europas nördlich der Alpen.

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Eine Region von Städten

In der römischen Zeit erreichte Nordwesteuropa einen ersten Bevölkerungshochstand, und Städte wie Tongern und Tournai entstanden. Dennoch blieben die meisten Wohnkerne klein und gingen nach dem Bevölkerungshochstand wieder verloren.

Zwischen 950 und 1300 erlebte Europa eine neue Periode anhaltenden Bevölkerungswachstums. Die Bevölkerung verdreifachte sich. In den alten Niederlanden vervierfachte sie sich sogar. Durch diese Zunahme kam es zu einem Bevölkerungsüberschuss auf dem Lande. Viele Bauernkinder zogen darum in die sich entwickelnden Städte, wo sie oft eine Beschäftigung in der aufblühenden Tuchindustrie fanden. Die Landflucht sorgte ab dem Jahr 1000 für ein rasches Anwachsen der Städte, und auch ihre Zahl nahm zu. Diese Entwicklung vollzog sich in ganz Nordwesteuropa, aber nirgendwo wurde die Konzentration an Städten und Städtern so groß wie in den südlichen Teilen der Niederen Lande.

Die mittelalterliche Verstädterung hatte große Auswirkungen auf die Landschaft. Städte wurden selbst zu bestimmenden Landschaftselementen. Überdies gab es dort einen ständig zunehmenden Bedarf an Baumaterialien, Lebensmitteln, Brenn- und Heizmaterial und anderen Rohstoffen. So verwandelte sich das waldreiche Flandern im Mittelalter in eine stark urbanisierte Region. Die Konzentration von Städten mit einem mittelalterlichen Grundriss ist trotz der tiefgreifenden Veränderungen der letzten zwei Jahrhunderte immer noch großenteils in der heutigen Landschaft sichtbar.

Belga Image, 315556

In Raversijde bei Ostende entdeckten Archäologen den ältesten bekannten Deich an der flämischen Nordseeküste. Er stammt aus der römischen Zeit, erkennbar an den schräg angebrachten Blöcken aus Lehm und Torf, die als Deichfront dienten.

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Mit Wasser arbeiten

Während im Binnenland der Mensch dem Wald Gelände abtrotzte, nutzten die Küstenbewohner sämtliche Möglichkeiten, die Wasser und Meer ihnen boten. Schon zu Zeiten der Römer experimentierten sie mit Deichen und Wohnhäusern auf Warftenkünstlich angelegte Hügel . Am Ende der Römerzeit nahm der Einfluss der Gezeitenwirkung auf die Landschaft zu. Bei Flut drang das Meerwasser bis weit ins Binnenland vor. Im Frühmittelalter verschlammten die Gezeitenrinnen durch natürliche Ablagerungen wieder und der Küstenstreifen wurde für den Menschen interessanter. Anfangs nutzten hauptsächlich Schafhirten das Gebiet und auch freie Bauern, die auf Warften oder den trockenen Zonen am Rand des Küstenstrichs lebten.

Nach den Gemeinschaften freier Bauern entdeckten um das Jahr 1000 auch die Grafen von Flandern das wirtschaftliche Potenzial der Küste. Zusammen mit einigen Abteien ließen sie in großem Umfang Deiche anlegen. So verwandelten sich die vormaligen Schlickflächen und Groden in ein Poldergebiet mit fruchtbaren Äckern, Torfböden und Weiden.

Das gewonnene Land war nicht notwendigerweise für immer erworben. Manchmal fügten Kriege und Sturmfluten den Deichen schwere Schäden zu, wodurch eingepolderte Gebiete wieder unter Wasser gerieten. Die Bewohner der Niederen Lande am Meer waren mittlerweile aber zu guten Deichbauern herangewachsen.

Leffinge
Mikko Kriek im Auftrag der Stadt Middelkerke

Mittelalterliche Küstenbewohner legten Erhöhungen oder Warftenkünstlich angelegte Hügel in der Küstenebene an, auf denen sie ihre Wohnungen bauten. Das Dorf Leffinge, heute ein Ortsteil Middelkerkes, wurde ursprünglich auf so einer Warft erbaut. Diese Rekonstruktion zeigt, wie die Umgebung von Leffinge im 10. Jahrhundert ausgesehen haben könnte.

Zeisterre

Zwischen 1323 und 1328 verbündeten sich freie und wohlhabende Bauern aus der flämischen Küstenregion gegen ihren Grafen. Einer ihrer Anführer war Clais Zannekin (+1328). Jahrhunderte später bekam er innerhalb der Flämischen Bewegung den Status eines Volkshelden. An der Kirche von Lampernisse, heute ein Stadtteil von Diksmuide, wurde 1928 ein Gedenkstein für ihn eingeweiht.

Antwerpen, FelixArchief

Die Nordseeküste und die Scheldemündung sahen früher viel unregelmäßiger aus als heute. Abbildung der Mündung der Schelde um 1500.

Bosoppervlakte per gemeente 2021.
Statbel, Statistik Bodennutzung 2021 / Daten Wald: Kataster (Brüssel, FOD-Finanzen)

Nach dem Jahr 1000 nahm der Waldbestand dramatisch ab, v.a. in der Grafschaft Flandern. Später bemühte man sich um eine vorsichtige Wiederaufforstung, oft mit Baumarten, die Holz für den Schiffbau oder die Steinkohlebergbau lieferten.

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Antrop Marc
Perspectieven op het landschap. Achtergronden om landschappen te lezen en te begrijpen

Academia Press, 2007.

Baete Hans, De Bie Marc & Hermy Martin (red.)
Miradal: Erfgoed in Heverleebos en Meerdaalwoud

Davidsfonds, 2009.

Blom J.C.H. & Lamberts E. (red.)
Geschiedenis van de Nederlanden

HB Uitgevers, 2012.

Boone Marc, Deneckere Gita & Cleppe Birgit
Gent. Stad van alle tijden

Mercatorfonds, 2016.

De Maesschalck Edward
De Graven van Vlaanderen (861-1384)

Davidsfonds, 2019.

De Maeyer Philippe, e.a.
De geschiedenis van België in 100 oude kaarten

Lannoo, 2021.

Gysels H.
De landschappen van Vlaanderen en Zuidelijk Nederland. Een landschapsecologische studie

Garant, 1993.

Hauben Arnout & Deweer Lander
Rond de Noordzee

Polis, 2019.

Peumans Wim
De Maas. Het verhaal van een rivier

Manteau, 2024.

Pye Michael
Aan de rand van de wereld. Hoe de Noordzee ons vormde

De Bezige Bij, 2020.

Tack Guido, Van Den Brempt Paul & Hermy Martin
Bossen van Vlaanderen. Een historische ecologie

Davidsfonds, 1993.

Verhulst Adriaan
Landschap en landbouw in middeleeuws Vlaanderen

Gemeentekrediet, 1995.