Titelblatt des Code Civil, dem unter Napoleon erstellten Bürgerlichen Gesetzbuch, das im Jahr 1804 zum erstmals veröffentlicht wurde. | Paris, Fondation Napoléon

Macht & Widerstand
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Napoleons Code Civil

Die französische Zeit

Kilometer und Zentiliter, der Kataster und das Notariat – alles Dinge, die heute selbstverständlich sind –, kommen aus der Zeit der französischen Herrschaft. Auch das Bürgerliche Gesetzbuch – die Regeln, die zwischen den Belgiern untereinander gelten – datiert aus der französischen Zeit. Der Code Civil von 1804, später auch Code Napoléon genannt, bildete zwei Jahrhunderte lang die Grundlage unserer zivilen Rechtsprechung.

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Napoleon selbst bezeichnete „sein“ Gesetzbuch als seine größte Leistung, wichtiger als alle seine Siege auf dem Schlachtfeld. Mit einheitlichen rechtlichen Regeln für alle setzte er der alten Gesellschaft von vor der Französischen Revolution ein Ende.

Als Belgien 1830 unabhängig wurde, blieb der Code Napoléon in Kraft. Allmählich wurden jedoch immer mehr Anpassungen nötig, besonders weil das Gesetzbuch von einem Familienvater ausging, der wie ein kleiner Kaiser über seine Frau und die Kinder herrschte. Nach und nach erhielten Frauen gleiche Rechte und Kinder gesetzlichen Schutz. Ein definitiver Bruch kam 2003, als Belgien als zweites Land der Welt die gleichgeschlechtliche Ehe zuließ.

<p>Im Jahr 1812 malte Jacques-Louis David Napoleon als einen Anführer, der bis spät in die Nacht für die Franzosen in seinem Studierzimmer arbeitete. Auf dem kleinen Tisch neben ihm liegen die Texte des <em>Code Napoléon</em>.</p>

Washington, National Gallery of Art

Im Jahr 1812 malte Jacques-Louis David Napoleon als einen Anführer, der bis spät in die Nacht für die Franzosen in seinem Studierzimmer arbeitete. Auf dem kleinen Tisch neben ihm liegen die Texte des Code Napoléon.

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Die französische Zeit

Die Französische Revolution von 1789 hatte weitreichende Folgen nicht nur für Frankreich, sondern auch für große Teile Europas und sogar darüber hinaus in Kolonien wie Haiti. Weil die Österreichischen Niederlande und das Fürstbistum Lüttich, zusammen ungefähr das heutige Belgien, 1795 von Frankreich erobert und einverleibt wurden, galten auch hier die revolutionären Reformen.

Die Revolutionäre proklamierten Freiheit und Gleichheit und schafften adelige Privilegien ab. Sie zentralisierten das Wirtschaftssystem sowie das Gesundheits- und Unterrichtswesen und schafften lokale Besonderheiten ab. Die alten Fürstentümer wurden durch neue, Departements genannte Verwaltungseinheiten ersetzt, den Vorläufern der heutigen Provinzen.

Als General Bonaparte 1799 an die Macht kam und fünf Jahre später zum Kaiser Napoleon gekrönt wurde, schaffte er mache Reformen der Revolution wieder ab. Vielen anderen dagegen verhalf er zu Dauer, wie dem Personenstandsregister und dem Dezimalsystem. Sein Code Civil sorgte für einen juristischen Erdrutsch. Hatte vor der Ankunft der Franzosen noch ein Chaos an örtlichen Gewohnheiten und Rechtsbestimmungen existiert, galt fortan für alle das gleiche Recht.

1815 wurde Napoleon bei Waterloo geschlagen. Die vormaligen Österreichischen Niederlande und das Fürstbistum Lüttich wurden dem neuen Königreich der Niederlande zugeschlagen und bildeten nach der Revolution von 1830 das heutige Belgien. Aber viele der französischen Reformen waren von Dauer, und auch die Französisierung hinterließ ihre Spuren.

Focuspunten

Atheneum van Antwerpen.

Antwerpen, FelixArchief

Das Koninklijk Atheneum von Antwerpen wurde 1807, unter französischer Herrschaft als Ecole secondaire gegründet. Diese erste staatliche Schule, ohne Einmischung der Kirche, befand sich im ehemaligen Franziskanerinnenkloster in der Zwartzustersstraat. Seit 1884 liegt das Athenäum im sogenannten Tempel der Wissenschaft am heutigen Rooseveltplaats. Stadtarchitekt Pieter Dens (1819-1901) hat das Gebäude entworfen.

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Trennung von Kirche und Staat

Besonders ins Visier nahmen die französischen Revolutionäre die katholische Kirche, die ihre Machtposition unter Zwang aufgeben musste. Der Staat beschlagnahmte sämtliche kirchlichen Besitztümer. Religiöse Gebäude wurden ausgeraubt und Abteien aufgehoben. Viele Klöster wurden sogar ganz niedergerissen. Priester, die der Revolution keine Treue schwören wollten, wurden verfolgt. Die christliche Zeitrechnung wurde durch den Revolutionskalender ersetzt. Dieser begann mit dem Jahr I der Revolution (22. September 1792) und zählte zwölf Monate mit jeweils drei zehntägigen Wochen.

Kirche und Staat wurden getrennt. Eheschließungen und Geburten mussten künftig erst beim Standesamt registriert werden. Armen- und Krankenpflege wurden unter staatliche Kontrolle gestellt. Im Bildungswesen entstanden staatliche Schulen wie das Athenäum von Antwerpen im Jahr 1807, die älteste noch existierende öffentliche Schule in Flandern. Der Einfluss der Kirche im öffentlichen Leben wurde weniger.

Weil die antikirchliche Politik auf viel Widerstand stieß, schloss Napoleon 1801 ein Abkommen mit dem Papst, das mache Traditionen wieder zu Ehren brachte und eine Entschädigung für Pastoren und Bischöfe für die Enteignung des kirchlichen Besitzes vorsah. Wenige Jahre später schaffte Napoleon den Revolutionskalender ab.

Mechelen, Museum Hof van Busleyden

Im Jahr 2010 entdeckten Archäologen ein Massengrab an der Mechelner St.-Rombouts-Kathedrale. Es enthielt die Skelette von 41 Kämpfern im Bauernkrieger, die am 23. Oktober 1798 von der französischen Armee am Fuße des Tores füsiliert wurden.

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Widerstand gegen die Revolution: der Bauernkrieg

In den annektierten Südlichen Niederlanden stießen die französischen Reformen auf wenig Sympathie. Nur eine kleine Gruppe arbeitete begeistert mit dem neuen Regime mit. Viele meinten vor allem, dass die Franzosen ihren Glauben, ihre Traditionen und ihre Privilegien untergruben. Zahlreiche Gegner der Revolution flohen, aber andere blieben und äußerten stattdessen ihr Missfallen. 1798 brach sogar ein bewaffneter Aufstand aus: der Bauernkrieg. Auch anderenorts in Europa kam es zu anti-französischen Aufständen.

Viele der brigands („Strauchdiebe“), wie die Franzosen die Aufständischen nannten, waren Tagelöhner, Handwerker und Landwirte aus ärmlichen Regionen. Als im September 1798 die Wehrpflicht für Männer zwischen 20 und 25 Jahren eingeführt wurde, schlossen viele sich den Aufständischen an.

Der Aufstand war nicht zentral organisiert, sondern bestand hauptsächlich aus kleinen Aktionen des Widerstands, und das eher außerhalb der großen Städte. An Orten wie Bornem, Geel und Herentals wurde heftig gekämpft. Aber kaum drei Monate nach Beginn des Aufstandes schlug die französische Armee die Bauernkrieger in der Nähe von Hasselt. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt, wird jedoch auf fünf- bis zehntausend geschätzt.

1853 schrieb Hendrik Conscience einen erfolgreichen Roman über den Bauernkrieg, der diesen ländlichen Aufstand mit einem Schlag im kollektiven Gedächtnis verankerte. Der Roman sollte in einer Zeit der Bedrohung durch Frankreich eigentlich die gesamtbelgische Vaterlandsliebe anfachen, eignete sich später jedoch gut für rein flämisch-nationalistische Interpretationen.

Vierschaar Moregem
Maxim Dierick

Ruine der „Vierschaar van Moregem“, heute ein Ortsteil von Wortegem-Petegem. Bis zur Französischen Revolution wurde hier unter freiem Himmel Recht gesprochen. Der Angeklagte stand in der Mitte.

Sint-Donaaskathedraal
Wikimedia Commons Antonius Sanderus, Flandria illustrata, Köln 1641, S. 211

Die während der französischen Zeit abgerissene St.-Donatus-Kathedrale in Brügge.

Brüssel, Königliche Bibliothek, ms. II, 1492, vol. Vii, fol. 14r

In seinen illustrierten Tydsgebeurtenissen (Zeitgeschehnisse) zeigte sich der Antwerpener Aristokrat Pierre Goetsbloets (1765-1816) als Gegner der Französischen Revolution. Hier kritisiert er die heuchlerische Seite der Revolution.

Vredegerecht Zandhoven.
Wikimedia Commons

Napoleon wollte das Recht verständlich und für jedermann zugänglich machen. Der Code Napoléon führte z.B. das sogenannte Friedensgericht ein, bei dem kleinere Streitfälle auf niedrigschwellige Art behandelt wurden. Das Friedensgericht gibt es bis heute in Belgien. Hier das ehemalige Gebäude Zandhovener Friedensgerichts.

Herita, Jan Crab

Zahlreiche Gebäude in Flandern erinnern an die Zeit Napoleons. Das Fort Napoleon in Ostende sollte die Küste gegen England schützen. Napoleon besuchte Ostende fünfmal.

Slag bij Waterloo.
Amsterdam, Rijksmuseum, SK-A-1115

Jan Willem Pieneman, Die Schlacht von Waterloo, 1824, mit dem Herzog von Wellington, dem Befehlshaber der britischen und niederländischen Truppen, als zentraler Figur.

Brüssel, Königliche Museen für Schöne Künste von Belgien

Constantin Meunier, Der Bauernkrieg, 1798-1799 – Die Begegnung, um 1875.

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Bron: VRT-archief – 5 mei 2021

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Het Verhaal van Vlaanderen – Voor Outer en Heerd

Bron: VRT-archief, De Mensen – 12 feb 2023

Sachbuch


De Maesschalck Edward
Het strijdtoneel van Europa: 1648-1815: De Zuidelijke Nederlanden onder Spaans, Oostenrijks en Frans bewind

Davidsfonds, 2019. 

Deseure Brecht
Revolutie in Antwerpen. De aquarellen van Pierre Goetsbloets (1794-1797)

Ludion, 2021. 

Gabriëls Jos
De man met de witte tulband. Roestam de Mammeluk, de oosterse bediende van Napoleon

Boom, 2023.

Hasquin Herve (red.)
België onder het Frans Bewind: 1792-1815

Gemeentekrediet, 1993.

Heirman Mark
Waterloo 1815-1914: de Europese erfenis van Napoleon

Houtekiet, 2014. 

Op de Beeck Johan
De Franse Revolutie 1 – Van revolte tot republiek

Horizon, 2022. 

Op de Beeck Johan
De Franse Revolutie 2 – Van Robespierre tot Napoleon

Horizon, 2022. 

Op de Beeck Johan
Napoleon 1: van strateeg tot keizer

Manteau, 2019. 

Op de Beeck Johan
Napoleon 2: van keizer tot mythe

Manteau, 2019.  

Op De Beeck Johan
Waterloo: de laatste 100 dagen van Napoleon

Manteau, 2013. 

Van Loo Bart
Napoleon: de schaduw van de revolutie

De Bezige Bij, 2019.

Welten Joost & De Wilde Johan
Met Napoleon naar Moskou: de ongelooflijke overlevingstocht van Joseph Abbeel

Davidsfonds, 2011. 

Welten Joost
Antihelden: bijzondere levens van gewone mensen uit de tijd van Napoleon

WBooks, 2015. 

Zamoyski Adam
De fantoomterreur: revolutiedreiging en de onderdrukking van de vrijheid, 1789-1848

Uitgeverij Balans, 2015. 

Fiktionales


Bosch Frits
De tromslager. Gedeserteerd uit het leger van Napoleon

Uitgeverij de Brouwerij, 2021.

Kustermans Paul
De voorspelling

Davidsfonds Infodok, 2009. (12+) 

Kustermans Paul
De vergissing

Davidsfonds Infodok, 2003. (12+) 

Schoemans R. H.
De paddeneter

Averbode, 1997. (12+)

Van den Hoek Jacobine
De roos van Napoleon. De onwaarschijnlijke liefde tussen een Franse generaal en zijn Joséphine

HarperCollins, 2022.

Van de Velde Hedwig
Het vroedmeisje

Davidsfonds Infodok, 1998. (12+) 

Van Hecke Katrien
Soldaat Marie

Clavis, 2018. (15+) 

Van Renterghem Vera
Rood

Manteau, 2010. (12+) 

Van Rijckeghem Jean-Claude
IJzerkop

Querido, 2019. (14+) 

Verbeeck Lydia
Vingervlug

Davidsfonds, 2018.

Verbraak Marja
Elselina (1776-1845). Avontuur in het voetspoor van Napoleon

Boom, 2025.

Comics


Geerts Paul
Suske en Wiske. De gladde glipper (nr. 89)

Standaard Uitgeverij, 1973.

Leeman Hec
Bakelandt 18 delen

Saga uitgaven, 2020.

Martin Jacques, Davos Pascale & Torton Jean
Napoleon Bonaparte

Casterman, 2021.

Mor, Tempoe & Courcelle
Waterloo

Sandawe, 2015.

Vandersteen Willy
De jonge brigand

Adhemar, heruitgave 2013.