Die belgische Verfassung trat 1831 in Kraft. Die älteste bekannte niederländische Übersetzung des „Belgische Staetswet“ (Belgischen Staatsgesetzes) erschien gleich neben der französischen Version im Bulletin officiel (Februar 1831). | Brüssel, Föderales Parlament
Eine liberale Verfassung
Belgien wird unabhängig
Mit der Belgischen Revolution von 1830 verschaffte das Bürgertum seinem Streben nach einem Nationalstaat unter einer liberalen Regierung Gehör. Dies kam auch in der Verfassung zum Ausdruck, die Anfang 1831 beschlossen wurde und nahezu 140 Jahre lang unverändert blieb.
Zwei Tage nachdem belgische Revolutionäre am 4. Oktober 1830 die Unabhängigkeit ausgerufen hatten, erhielt eine Kommission von vierzehn überwiegend jungen Juristen den Auftrag, einen Verfassungsentwurf vorzulegen. Die Verfassung sollte die Grundrechte der Belgier und die Fundamente des neuen Staates juridisch verankern.
Die Kommission ließ sich unter anderem durch die niederländische Verfassung von 1815, französische Vorbilder und britische parlamentarische Traditionen inspirieren. Nach fünf Sitzungen war ihre Arbeit bereits vollendet. Die Belgier sollten viele individuelle Freiheiten genießen. Belgien wurde eine parlamentarische Monarchie. Die Macht lag nicht länger in Händen eines Königs, sondern beim Volk, das von einem gewählten Parlament repräsentiert wurde. Nach einigen kleinen Anpassungen nahm der Nationalkongress (das vorläufige Parlament) die belgische Verfassung am 7. Februar 1831 an.
Brüssel, Königliche Museen für Schöne Künste von Belgien
Gustaaf Wappers, Episode aus den Septembertagen von 1830 auf dem Brüsseler Grote Markt.
Belgien wird unabhängig
Von 1815 bis 1830 bildeten die heutigen Staaten Belgien und Niederlande zusammen das Königreich der Niederlande unter Wilhelm I. Dieses Königreich wurde von Großbritannien und den anderen europäischen Großmächten erschaffen, die Napoleon besiegt hatten. Der neue Staat sollte einen Puffer gegen künftige französische Expansionsversuche bilden.
Im südlichen Teil des jungen Königreichs wuchs die Unzufriedenheit rasch. Die städtische Mittelschicht wollte politische Mitsprache und Pressefreiheit, die katholische Kirche weniger staatliche Einmischung ins Erziehungs- und Unterrichtswesen und der Adel weniger Steuern. Außerdem wehrte sich die frankophonisierte Elite gegen die Sprachpolitik Wilhelms I., der das Niederländische als Unterrichts- und Verwaltungssprache förderte. Als 1830 die Lebensmittelpreise stiegen, begann auch die breitere Bevölkerung zu murren.
Im Juli 1830 brach in Paris eine Revolution los, und einen Monat später kam auch Brüssel in Aufstand. Das revolutionäre Feuer verbreitete sich rasend schnell. Eine vorläufige Regierung rief die Unabhängigkeit Belgiens aus. Der Nationalkongress wurde gewählt, um über eine Verfassung abzustimmen.
Um als unabhängiger Staat zu überleben, brauchte Belgien die Unterstützung der europäischen Großmächte, allesamt Monarchien. Diese waren nicht auf revolutionäre Experimente erpicht, die zu einer Republik führen würden. Darum entschied sich die Verfassungskommission für eine parlamentarische Monarchie. Weil keine der neuen Großmächte zu viel Einfluss über den neuen Staat erlangen durfte, kam der deutsch-britische Leopold von Sachsen-Coburg als Kompromissfigur auf den belgischen Thron. Aber fortan enthielt die Verfassung starke liberale Akzente.
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