Matthijs De Visch, Porträt der Kaiserin Maria Theresia, 1749. | Brügge, Museen Brügge, Groeningemuseum
Kaiserin Maria Theresia
Die Aufklärung in Europa
Mitglieder des Habsburgergeschlechts herrschten mehr als sechs Jahrhunderte lang über weite Teile Europas. In dieser ganzen Zeit saß nur eine einzige Frau auf dem Thron: Maria Theresia. Vierzig Jahre lang regierte sie (auch) die Österreichischen Niederlande.
1715 fielen die Südlichen Niederlande vom spanischen an den österreichischen Zweig der Habsburger. Maria Theresia trat 1740 die Nachfolge ihres Vaters an; sie war damals 23 Jahre. Als Frau wurde sie anfangs von den Großmächten nicht als Thronfolgerin akzeptiert.
Unter ihrer langen Herrschaft wuchs die Macht der zentralen Staatsregierung, und zwar auf Kosten der alten Grafschaften und Herzogtümer. In Wirtschaft, Unterrichtswesen und Rechtsprechung führte Maria Theresia schrittweise Reformen ein. So gründete sie die Theresianischen Kollegien, Vorläufer der Athenäen (Gymnasien), mit einem einheitlichen Lehrplan. Maria Theresia machte ihren Einfluss in ganz Europa geltend, auch durch eine durchdachte Heiratspolitik für ihre zahlreichen Kinder.
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Der Martelaarsplein (damals Sint-Michielsplein) in Brüssel wurde in den 1770er Jahren im neoklassizistischen Stil angelegt, der typisch für die Aufklärung war. Der Architekt Claude Fisco (1736-1825), ein späterer Anhänger der Brabanter Revolution, arbeitete für die Stadt.
Die Aufklärung in Europa
Ab dem 16. Jahrhundert gab es wissenschaftliche Entdeckungen in schneller Folge. Dadurch wuchs das Vertrauen in die Kraft der menschlichen Vernunft. Das führte im 18. Jahrhundert zu einer breiten kulturellen und philosophischen Strömung in Europa: der Aufklärung. Denker wie Voltaire, Immanuel Kant und David Hume stellten sich gegen politische und soziale Unterdrückung und allerlei Formen des Aberglaubens. Sie plädierten dafür, die Gesellschaft anders einzurichten.
Verschiedene Herrscher ließen sich von der Aufklärung inspirieren, darunter auch Maria Theresia. Jedoch weigerten sie sich, diese Ideen bis zum Äußersten durchzusetzen, weil das auch ihre eigene absolute Macht beschädigen würde. Der französische Philosoph Montesquieu hatte beispielsweise für die Trennung der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt plädiert. Die Gewaltenteilung unter Parlament, Regierung und Richter würde die Macht eines Alleinherrschers deutlich beschränken. Jean-Jacques Rousseau, ein anderer französischer Denker, hatte sogar die Volkssouveränitätdas Prinzip, dass die höchste Autorität beim Volk liegt und ein Staatsoberhaupt sich an Gesetze und Vereinbarungen mit der Bevölkerung halten muss als Grundlage des Staates ins Gespräch gebracht. Die neuen, radikalen Ideen drangen langsam auch in die Südliche Niederlande vor.
Die Aufklärung sollte zwei wichtige Revolutionen am Ende des 18. Jahrhunderts inspirieren: die Amerikanische im Jahr 1776 und die Französische im Jahr 1789. Die Revolutionäre proklamierten Freiheit und Gleichheit aller Bürger, auch wenn die Praxis zeigte, dass farbige Menschen und Frauen in untergeordneten Positionen blieben.
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