Matthijs De Visch, Porträt der Kaiserin Maria Theresia, 1749. | Brügge, Museen Brügge, Groeningemuseum

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1717 - 1780
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Kaiserin Maria Theresia

Die Aufklärung in Europa

Mitglieder des Habsburgergeschlechts herrschten mehr als sechs Jahrhunderte lang über weite Teile Europas. In dieser ganzen Zeit saß nur eine einzige Frau auf dem Thron: Maria Theresia. Vierzig Jahre lang regierte sie (auch) die Österreichischen Niederlande.

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1715 fielen die Südlichen Niederlande vom spanischen an den österreichischen Zweig der Habsburger. Maria Theresia trat 1740 die Nachfolge ihres Vaters an; sie war damals 23 Jahre. Als Frau wurde sie anfangs von den Großmächten nicht als Thronfolgerin akzeptiert.

Unter ihrer langen Herrschaft wuchs die Macht der zentralen Staatsregierung, und zwar auf Kosten der alten Grafschaften und Herzogtümer. In Wirtschaft, Unterrichtswesen und Rechtsprechung führte Maria Theresia schrittweise Reformen ein. So gründete sie die Theresianischen Kollegien, Vorläufer der Athenäen (Gymnasien), mit einem einheitlichen Lehrplan. Maria Theresia machte ihren Einfluss in ganz Europa geltend, auch durch eine durchdachte Heiratspolitik für ihre zahlreichen Kinder.

<p>Der Martelaarsplein (damals Sint-Michielsplein) in Brüssel wurde in den 1770er Jahren im neoklassizistischen Stil angelegt, der typisch für die Aufklärung war. Der Architekt Claude Fisco (1736-1825), ein späterer Anhänger der Brabanter Revolution, arbeitete für die Stadt.</p>

Wikimedia Commons

Der Martelaarsplein (damals Sint-Michielsplein) in Brüssel wurde in den 1770er Jahren im neoklassizistischen Stil angelegt, der typisch für die Aufklärung war. Der Architekt Claude Fisco (1736-1825), ein späterer Anhänger der Brabanter Revolution, arbeitete für die Stadt.

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Die Aufklärung in Europa

Ab dem 16. Jahrhundert gab es wissenschaftliche Entdeckungen in schneller Folge. Dadurch wuchs das Vertrauen in die Kraft der menschlichen Vernunft. Das führte im 18. Jahrhundert zu einer breiten kulturellen und philosophischen Strömung in Europa: der Aufklärung. Denker wie Voltaire, Immanuel Kant und David Hume stellten sich gegen politische und soziale Unterdrückung und allerlei Formen des Aberglaubens. Sie plädierten dafür, die Gesellschaft anders einzurichten.

Verschiedene Herrscher ließen sich von der Aufklärung inspirieren, darunter auch Maria Theresia. Jedoch weigerten sie sich, diese Ideen bis zum Äußersten durchzusetzen, weil das auch ihre eigene absolute Macht beschädigen würde. Der französische Philosoph Montesquieu hatte beispielsweise für die Trennung der gesetzgebenden, ausführenden und richterlichen Gewalt plädiert. Die Gewaltenteilung unter Parlament, Regierung und Richter würde die Macht eines Alleinherrschers deutlich beschränken. Jean-Jacques Rousseau, ein anderer französischer Denker, hatte sogar die Volkssouveränitätdas Prinzip, dass die höchste Autorität beim Volk liegt und ein Staatsoberhaupt sich an Gesetze und Vereinbarungen mit der Bevölkerung halten muss als Grundlage des Staates ins Gespräch gebracht. Die neuen, radikalen Ideen drangen langsam auch in die Südliche Niederlande vor.

Die Aufklärung sollte zwei wichtige Revolutionen am Ende des 18. Jahrhunderts inspirieren: die Amerikanische im Jahr 1776 und die Französische im Jahr 1789. Die Revolutionäre proklamierten Freiheit und Gleichheit aller Bürger, auch wenn die Praxis zeigte, dass farbige Menschen und Frauen in untergeordneten Positionen blieben.

Fokuspunkte

Brügge, Museen Brügge, www.artinflanders.be, foto Hugo Maertens

Gertrude Cornélie Marie de Pélichy, Portret van keizer Jozef II. (Porträt Kaiser Josefs II.), um 1780.

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Die Reformen Josefs II.

1780 folgte Josef II. auf Maria Theresia als Haupt der Habsburgerdynastie und Herrscher über die Österreichischen Niederlande. Seine Regierung war mehr noch als die seiner Mutter charakteristisch für den „aufgeklärten Absolutismus“, der Alleinherrschaft mit aufklärerischen Ideen verband. Diesen Leitungsstil teilte Josef II. mit anderen Majestäten im späten 18. Jahrhundert wie Zarin Katharina II. von Russland und König Friedrich II. von Preußen.

In den Niederlanden führte Josef II. die Zentralisierung der Staatsmacht fort. Er wollte die ganze Gesellschaft regierungsseitig organisieren und steuern. Dadurch kam er unter anderem der katholischen Kirche in die Quere.

Josef II. versuchte, die religiösen Institutionen unter die Kontrolle des Staates zu bringen. Sein Toleranzedikt eröffnete Protestanten und Juden die Religionsfreiheit. Weltliche Gerichte erhielten die Befugnis, über eheliche Streitfälle zu entscheiden. Aber Josef II. mischte sich auch in interne religiöse Angelegenheiten ein. So gründete er ein allgemeines Seminar für die Priesterausbildung, schloss Klöster, wenn diese seiner Ansicht nach keinen gesellschaftlichen Nutzen hatten, und erließ Regeln für Wallfahrten und Prozessionen. Menschen konnten nicht länger in der oder um die Kirche begraben werden, sondern nur mehr auf Friedhöfen außerhalb der Wohnzentren.

Amsterdam, Rijksmuseum, RP-P-1903-A-23749

Diese Karikatur aus dem Jahr 1791, nach der Restauration der österreichischen Herrschaft, kritisiert die konservative Geistlichkeit zu Zeiten der Brabanter Revolution (1789-1790).

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Die Brabanter Revolution

Die Reformen Josefs II. konnten auf wenig Beifall zählen. Der Geistlichkeit und der konservativen Elite gingen sie zu weit, den wenigen Befürwortern der Aufklärung nicht weit genug. Aber die Abschaffung der jahrhundertealten behördlichen und gerichtlichen Institutionen überschritt für alle eine Grenze.

Im Oktober 1789 brach ein bewaffneter Aufstand los, erst im Herzogtum Brabant, aber bald auch in anderen Regionen. Die Beteiligten an dieser Brabanter Revolution kamen großenteils aus der konservativen Ecke (die katholische Geistlichkeit und Menschen, die ihre Position gefährdet sahen), aber auch aus einem progressiven, demokratisch eingestellten Bürgertum.

Die Aufständischen verbuchten einige überraschende militärische Siege in Hoogstraten, Turnhout und Gent. Im Dezember 1789 zogen sie unter der Leitung des Brüsseler Anwalts Hendrik van der Noot triumphal in Brüssel ein. Dort riefen sie am 11. Januar 1790 die Vereinigten Niederländischen Staaten (États Belgiques Unis) aus, eine unabhängige und konföderative Republik. Aber die Gegensätze zwischen Konservativen und Progressiven lähmten die Revolution.

Im Februar 1790 starb Josef II. Seinem Bruder Kaiser Leopold II. gelang es, die österreichische Herrschaft wiederherzustellen und die Brabanter Revolution im Keim zu ersticken. Trotzdem waren die Tage der österreichischen Habsburger in den Niederlanden gezählt. Wenige Jahre später eroberte die neue französische Republik die Niederlande. Die Franzosen würden mit ihren Reformen noch viel weiter gehen als Maria Theresia und ihre Nachfolger.

Maria Theresia in Gent.
Wikimedia Commons

Inthronisierung von Maria Theresia als Gräfin von Flandern auf dem Vrijdagmarkt in Gent, am 27 April 1744. Der Freitagsmarkt war traditionell der Ort, wo der Einzug der Grafen von Flandern mit allen Ehren gefeiert wurde. Kupferstich von Frans Pilsen.

De Ferraris Oudenaarde.
Brüssel, Königliche Bibliothek

Der österreichische General Joseph de Ferraris (1726-1814) erstellte im Auftrag Maria Theresias die erste detaillierte Karte des gesamten Gebiets, das heute Belgien umfasst. Hier Oudenaarde und Umgebung.

Wikimedia Commons, Schloss Wissekerke

Der Aalster adlige Politiker Jean Jacques Philippe Vilain XIIII. (1712-1777) reformierte, von der Aufklärung inspiriert, das Strafvollzugssystem. Im „Rasphuis“ in Gent wurden Arbeitslose, Landstreicher und Bettler „zu nützlicher Arbeit gebracht“. Porträt von E. Vandenbussche.

Gent, Universitätsbibliothek

Den Vlaemschen Indicateur (Der Flämische Indikator) förderte den wissenschaftlichen Fortschritt. Die Zeitschrift wurde in Gent herausgegeben, mit Unterstützung von Maria Theresia und Josef II..

Slag van Turnhout.
Turnhout, Verein Herdenking Slag van Turnhout 1789

Während der Brabanter Revolution besiegten die Rebellen die österreichische Armee in der Schlacht von Turnhout. Der Verein „Gedenken an die Schlacht von Turnhout 1789“ hält die Erinnerung daran lebendig (hier im Jahr 1989).

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Keizer Jozef II
Kunstzaken

Bron: VRT-archief – 17 jan 1990

Sachbuch


Badinter Elisabeth
Maria-Theresia van Oostenrijk (1717-1780). Heerseres over de Zuidelijke Nederlanden en het Heilige Roomse Rijk

Noordboek, 2023.

De Gruyter Caroline
Beter wordt het niet. Een reis door de Europese Unie en het Habsburgse rijk

De Geus, 2021. 

De Maesschalck Edward
Ondergang: de val van Habsburg in de Nederlanden (1648-1815)

Davidsfonds, 2022. 

Dubois Sébastien
L’invention de la Belgique. Genèse d’un Etat-Nation (1648-1830)

Editions Racine, 2005. 

Hasquin Hervé
Joseph II, catholique anticlérical et réformateur impatient

Editions Racine, 2007. 

Hofman Elwin (red.)
De eeuw van Jan de Lichte: misdaad, verraad en revolutie in de 18de eeuw

Vrijdag, 2020. 

Israel Jonathan
Democratische verlichting. Filosofie, revolutie en mensenrechten, 1750-1790

Van Wijnen, 2013. 

Israel Jonathan
Revolutie van het denken: radicale verlichting en de wortels van onze democratie

Van Wijnen, 2012. 

Judge Jane
The United States of Belgium. The Story of the First Belgian Revolution

Leuven University Press, 2018. 

Rady Martyn
De Habsburgers. De opkomst en ondergang van een wereldmacht

Spectrum, 2021. 

Stijnen Francis
Er was eens een confederale republiek België. Over de slag van Turnhout en de Brabantse Omwenteling

Brepols, 2024.

Verschaffel Tom
De weg naar het binnenland. Geschiedenis van de Nederlandse literatuur 1700-1800: de Zuidelijke Nederlanden

Bert Bakker, 2017. 

Fiktionales


Boon Louis Paul
De bende van Jan de Lichte/De zoon van Jan de Lichte

De Arbeiderspers, 2007. 

Demedts André
De Belgische republiek

Orion, 1978. 

Hofman Elwin (red.)
De eeuw van Jan de Lichte: misdaad, verraad en revolutie in de 18de eeuw

Vrijdag, 2020. 

Comics


Gilbert Declercq
Avec Mozart

Éditions du Triomphe, 2022.