Foto van een doosje Anovlar.

Foto einer Packung der Antibabypille Anovlar. | Wikimedia Commons.

Künste & Wissenschaften
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1961
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Die Pille

Sexuelle Revolution und Frauenrechte

Durch die Erfindung zuverlässiger Verhütungsmittel wie der Pille konnten Menschen seit den 1960er-Jahren eine Schwangerschaft wirksam verhindern. Das läutete nicht nur eine sexuelle Revolution ein, sondern trug auch zur gesellschaftlichen Emanzipation der Frau bei. Bei der Entwicklung der Pille spielte der Gynäkologe Ferdinand Peeters eine wichtige Rolle.

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Bis in die 1960er-Jahre gab es wenig Möglichkeiten der Empfängnisverhütung. Paare suchten ihre Zuflucht in periodischer Enthaltsamkeiteine Verhütungsmethode, bei der der Geschlechtsverkehr auf die unfruchtbare Phase der Frau beschränkt wird oder dem Coitus Interruptusvor der Ejakulation den Penis aus der Vagina zurückziehen , zwei wenig zuverlässigen Methoden. Weniger verbreitet waren das Kondom und das Pessareine Kappe oder ein Ring, der den Gebärmutterhals verschließt und Spermien zurückhält . Außerdem waren seit 1922 Werbung für Verhütungsmittel und Informationen über ihren Gebrauch in Belgien verboten. Alles, was mit Sex zu tun hatte, war für viele tabu. Die 1960er-Jahre brachten hier große Veränderungen. Die Erfindung der Pille gestatte es den Frauen, ihre Fruchtbarkeit auf zuverlässige Weise selbst zu regeln.

<p>Der feministische Verein Dolle Mina, hier bei einer Besprechung im Jahr 1978, war in den 1970er Jahren in Antwerpen, Gent, Löwen, Ostende und Brüssel aktiv. Schlüsselfiguren waren Roos Proesmans (1943-2002) und Nadine Crappé (1935-1999).</p>

Gent, Amsab-ISG, fo034724

Der feministische Verein Dolle Mina, hier bei einer Besprechung im Jahr 1978, war in den 1970er Jahren in Antwerpen, Gent, Löwen, Ostende und Brüssel aktiv. Schlüsselfiguren waren Roos Proesmans (1943-2002) und Nadine Crappé (1935-1999).

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Sexuelle Revolution und Frauenrechte

Sich entscheiden zu können, ob, wann und wie viele Kinder man bekommen will, machte Frauen unabhängiger und vergrößerte ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Pille war ein entscheidender Schritt in der sexuellen Befreiung von Frauen und Männern. Dass Sex und Schwangerschaft nicht länger miteinander verbunden waren, veränderte den Umgang mit Sexualität. Die „sexuelle Revolution“ war in den 1960er-Jahren eine wichtige und recht plötzliche gesellschaftliche Veränderung. Sie war Teil einer breiteren internationalen Entwicklung, bei der Studenten, Frauen, LesBiSchwule und Farbige die etablierte Macht in Frage stellten und Rechten einforderten. Die legendäre Studentenrevolte vom Mai 1968 in Paris war ebenfalls Ausdruck dessen.

In Flandern kamen seit Ende der 1960er-Jahre sowohl die traditionellen katholischen und sozialistischen Frauenorganisationen als auch radikalere feministische Gruppen mit neuen Forderungen. Sie kämpften um Lohngleichheit, eine bezahlbare Kinderbetreuung, mehr Bildungschancen, eine stärkere Präsenz in der Politik, Änderungen in der Gesetzgebung zu Ehe, Erbrecht, Elternschaft und so weiter.

Schritt für Schritt wurde die Gesetzgebung ab den 1970er-Jahren geändert. Besonders neue Frauenorganisationen wie Dolle Mina und das Frauenberatungskomitee (heute Furia), setzten die freie Verbreitung von Verhütungsmitteln und das Recht auf Abtreibung auf die politische Agenda.

Fokuspunkte

Nand Peeters.

Familienarchiv

Dokter Ferdinand Peeters (1918-1998) schwieg ab den 1970er Jahren zu seinem Beitrag an der Entwicklung der Pille. Seinem Biografen zufolge tat er das aus Angst um seinen Posten in einem katholischen Krankenhaus. Hier auf einem Kongress in Malta, 1964.

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Ferdinand Peeters und die katholische Moral

Die erste Hormonpille zur Schwangerschaftsprävention wurde in den 1950er-Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika entwickelt. Sie hatte jedoch ernsthafte Nebenwirkungen. Auf der Suche nach einem besseren Mittel begann der Turnhouter Gynäkologe Ferdinand Peeters zu experimentieren. Seine Arbeit führte zu einem Durchbruch, und 1961 brachte eine deutsche Firma das Rezept von Peeters unter dem Markennamen Anovlar auf den Markt. Um das belgische Verbot zur Verbreitung von Verhütungsmitteln zu umgehen, kam das Produkt in Belgien 1965 als Mittel gegen „Menstruationsstörungen“ auf den Markt.

In den 1960er-Jahren weigerten sich noch viele Hausärzte, die Pille zu verschreiben. Unter dem Einfluss der katholischen Moral herrschte die Überzeugung, dass Sex innerhalb der Ehe der Fortpflanzung zu dienen habe. Zur Verhütung einer Schwangerschaft war in dieser Sichtweise nur die periodische Enthaltsamkeit erlaubt. Vorehelicher Sex war erst recht von Übel.

Ferdinand Peeters war ein sozial engagierter katholischer Arzt. In seiner Praxis sah er die Folgen ungewünschter Schwangerschaften: Fehlgeburten, totgeborene Kinder, Wochenbettsterblichkeit und gefährliche illegale Abtreibungen. Peeters fuhr sogar nach Rom, um den Papst zu überzeugen, Familienplanung zuzulassen. Die Kirchenführung war von seinem Plädoyer und dem weiterer Ärzte, Wissenschaftler und Theologen nur wenig begeistert und lehnte eine künstliche Empfängnisverhütung ab. Immer weniger Gläubige waren jedoch bereit, diesem Kurs noch zu folgen. 1973 schaffte die belgische Regierung das Verbot der Verbreitung von Verhütungsmitteln ab. Heute werden Kinder und Jugendliche in der Schule ausführlich über Beziehungen, Sexualität, Schwangerschaftsverhütung und Safer Sex aufgeklärt.

Lucienne Herman-Michielsens.

Gent, Amsab-ISG, fo023144, Filip Claus/Rechte SOFAM Belgien

Lucienne Herman-Michielsens im Parlament, 1990.

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Abtreibung aus der Illegalität

Noch in den 1960er-Jahren nahmen Ärzte, Quacksalber und Frauen zu Hause zehntausende Schwangerschaftsabbrüche vor. Dutzende von Frauen verloren dabei ihr Leben. Die Pille brachte einige Besserung, aber nicht genug. Darum gab es immer mehr Stimmen, die die Legalisierung von Abtreibungen forderten. Ein Wendepunkt in der Abtreibungsdebatte war die Festnahme von Willy Peers im Jahr 1973. Dieser wallonische Arzt wurde beschuldigt, dreihundert Abtreibungen vorgenommen zu haben. Das Gericht wollte an ihm ein Exempel statuieren, aber das hatte einen gegenteiligen Effekt. Mit Plakaten, Demonstrationen, Zeugnissen und viel Aufmerksamkeit in der Presse forderten Aktionsgruppen seine Freilassung und die Legalisierung der Abtreibung. Im Mittelpunkt stand das Selbstbestimmungsrecht der Frau mit dem Slogan „Baas in eigen buik“ („Herrin im eigenen Bauch“).

Die flämische liberale Senatorin Lucienne Herman-Michielsens reichte zusammen mit dem französischsprachige Sozialisten Roger Lallemand 1977 einen Gesetzentwurf ein, um die Abtreibung aus der Illegalität zu holen. Sie verwies auf das Selbstbestimmungsrecht von Frauen, bestand aber auch sehr auf Prävention. Sie verteidigte die Abtreibung als eine „Notlösung“ im Hinblick auf die Volksgesundheit. Das Parlament lehnte den Entwurf ab.

In den 1980er-Jahren bekamen einige große Abtreibungsprozesse gegen medizinisches Personal sehr viel mediale Aufmerksamkeit. 1990 billigte das Parlament ein Gesetz, das Abtreibungen unter strengen Voraussetzungen ermöglichte. Die Christelijke Volkspartij (CVP) und manche katholischen Gruppierungen wehrten sich und beriefen sich dabei auf das Recht auf Leben. König Baudouin weigerte sich, das Gesetz zu unterzeichnen. Das tat letztendlich der Ministerrat. 2018 wurde die Abtreibung aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Plichten van de gehuwden.
Hirtenbrief des Brügger Bischofs Emiel Jozef De Smedt zum Thema Ehe, 8. Dezember 1953.

Für die katholische Kirche war die Ehe auf die Fortpflanzung ausgerichtet. Kinderreichtum bei Familien sah sie als das Ideal an und lehnte künstliche Geburtenkontrolle ab.

KAV.
Löwen, KADOC-KU Leuven, Archiv KAV, 527

Der KAV, die Organisation christlicher Arbeiterinnen, fordert rechtliche Gleichstellung.

Lily Boeykens.
Sint-Joost-ten-Node, Archiv und Forschungszentrum für Frauengeschichte, Archiv Lily Boeykens

Lily Boeykens (1930-2005), eine Anwältin aus Dendermonde, war eine zentrale Figur im Emanzipationskrampf nach dem „Mai 68“. Sie war Mitinitiatorin des ersten Frauentags im Jahr 1972, auf dem u.a. Simone de Beauvoir und Germaine Greer eingeladen waren. Ab 1974 stand Boeykens dem niederländischsprachigen Frauenrat vor. Auch international spielte sie über Jahrzehnte eine wichtige Rolle.

Baas in eigen buik.
Den Haag, Nationalarchiv, Anefo, Verhoeff

Die Verhaftung von Dr. Willy Peers löste eine Protestwelle aus.

Furia.
Gent, Amsab-ISG fo003051

Das Frauenratskomitee (heute Furia) organisiert jährlich am 11. November den Frauentag. Bei der 10. Ausgabe 1981 standen die Wirtschaftskrise sowie das Recht auf Arbeit im Mittelpunkt.

Paula Marckx.
Brüssel, VRT

Ab 1987 erhielten eheliche und uneheliche Kinder in Belgien die gleichen Rechte. Die bewusst unverheiratete Mutter Paula Marckx (1925-2020) aus dem Antwerpener Stadtteil Seefhoek, hatte sich bereits 1974 an die Europäische Kommission für Menschenrechte gewandt, um Anerkennung für ihr „uneheliches“ oder „außereheliches“ Kind zu fordern. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gab ihr 1979 Recht. Belgien musste diese Diskriminierung beenden.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Pil
Journaal

Bron: VRT-archief, Screensavers Films – 4 apr 2014

Huishouden
Inspraak 71

Bron: VRT-archief – 12 maa 1971

Sachbuch


Coene Gily & Bollen Sophie
Nog altijd baas in eigen buik? Een kritische doorlichting van de Belgische abortuswetgeving en – praktijk

VUBPress, 2013. 

De Donder Vic
Zou men armoe lijden?: een eeuw kroostrijke gezinnen in Vlaanderen

WPG, 1990. 

De Keyzer Diane
De engeltjesmakers: abortus toen het nog niet mocht

Van Halewyck, 2009. 

De Smith Katrijn
Hoe dol was Dolle mina? Een geschiedenis van de Dolle Mina’s in Vlaanderen

Gent, 2006. 

Driessen Gertie
Abortus, het taboe nog niet voorbij?

Kramat, 2016. 

Trommelmans Wim
Vlaanderen vrijt! 50 jaar seks in Vlaanderen

Steam, 2006. 

Van Den Broeck Karl
De echte vader van de pil: het verhaal van de man die de vrouw bevrijdde

De Bezige Bij, 2014. 

Van Eyck Paul
Clara

Heibrand, 2008. (Levensverhaal van Turnhoutse vroedvrouw Clara Dresselaers). 

Fiktionales


Boon Louis Paul
De liefde van Annie Mols/Het nieuwe onkruid/Als het onkruid bloeit

De Arbeiderspers, 2005. 

Claus Hugo
De Metsiers

Manteau, 1950. 

Geeraerts Jef
Anovlar

Manteau, 1969. (Kortverhaal in de bundel Indian Summer). 

Vandewijer Ina
Little black spiders

Davidsfonds, 2012. (13+)