Hugo Claus, um 1951. | Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Letterenhuis, tg:lhph:537

Künste & Wissenschaften
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1955
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Die Oostakkerse gedichten von Hugo Claus

Künstlerische Erneuerung nach 1945

Der Lyrikband De Oostakkerse gedichten von Hugo Claus wurde 1955 als ein Höhepunkt in der niederländischsprachigen Literatur wahrgenommen. Der 26-jährige Autor entwickelte sich zu einem international bekannten Künstler, der viele künstlerische Bereiche beeinflusste.

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In De Oostakkerse gedichten untersucht Claus die Beziehung zu seinen Eltern, seiner Geliebten und seinem Herkunftsland. In diesem Prozess verbindet der Dichter biblische und mythologische Themen mit gewalttätiger Erotik und beklemmenden Szenerien. Seine Verse folgen keinem festen Reimschema, faszinieren jedoch durch ihren Bildreichtum, ihre Widersprüchlichkeiten und Doppeldeutigkeiten.

„Oostakker“ verweist auf einen katholischen Wallfahrtsort bei Gent, aber Claus spielt auch auf heidnische Rituale an, die die Fruchtbarkeit der Erde erflehen. In dem Gedichtband ziehen Soldaten, Fahnen und Verstümmelte vorbei, auch von Granaten und Ruinen ist die Rede. In diesem Oostakker bleibt außer der alten Volksfrömmigkeitvolkstümliche religiöse Bräuche und Traditionen auch der Zweite Weltkrieg somit noch sehr präsent. Die Antriebskräfte hinter diesem Krieg sowie dessen Auswirkungen sollte Claus weiter in den Romanen De verwondering („Die Verwunderung“) und Het verdriet van België („Der Kummer von Belgien“) untersuchen.

<p>Hugo Claus wurde als Interpret seiner eigenen Gedichte bewundert und er trat regelmäßig auf. Hier nimmt er an der Nacht der Poesie im Jahr 1980 teil. Es wurden mehrere Schallplatten und CDs produziert, auf denen Claus seine eigenen Gedichte darbringt.</p>

Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Letterenhuis, Yvette Bosteels

Hugo Claus wurde als Interpret seiner eigenen Gedichte bewundert und er trat regelmäßig auf. Hier nimmt er an der Nacht der Poesie im Jahr 1980 teil. Es wurden mehrere Schallplatten und CDs produziert, auf denen Claus seine eigenen Gedichte darbringt.

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Künstlerische Erneuerung nach 1945

Aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs trat eine neue Künstlergeneration hervor. Mehr noch als Schriftsteller wie August Vermeylen, Paul van Ostaijen und Gerard Walschap vor dem Krieg forderte sie Autonomie für die Künste und ging ihren Lesern gezielt gegen den Strich. Eine publikumsfreundliche Volksbildung à la Hendrik Conscience brauchte man in dieser künstlerischen Vorhut erst recht nicht mehr zu suchen.

Mit seiner Kritik am bürgerlichen Fortschrittsglauben entpuppte sich der Romanerneuerer Louis Paul Boon sogar als echter Anti-Conscience. In den 1950er-Jahren veröffentlichte er den Doppelroman De Kapellekensbaan („Der Kapellekensweg“) und Zomer te Ter-Muren („Sommer in Ter-Muren“). Dieser beschreibt das Leben des einfachen Mädchens Ondineke vor dem Hintergrund von Auf- und Niedergang des Sozialismus im 19. Jahrhundert. Der Autor, der sich als Boontje („Böhnchen“) präsentiert, unterbricht seine Erzählung jedoch fortwährend, um seine eigene Zeit mit Humor, Schärfe und Mitgefühl zu kommentieren. Im fortgeschrittenen Aller veröffentlichte Boon einen Roman über den Kampf des Aalster Priesters Adolf Daens für die Arbeiter. Dieser wurde zur Inspiration für den Film Daens (1992) und noch später für ein nicht weniger beliebtes Musical.

Von der Künstlergeneration nach 1945 war Hugo Claus der Vielseitigste. Er brillierte in Lyrik und Prosa, bewies sich als bildender Künstler und sollte einen bemerkenswerten Beitrag zu Theater und Film leisten.

Fokuspunkte

Belga Image, 1700015

Schauspielerin, Dozentin und Regisseurin Dora van der Groen (1927-2015).

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Die Professionalisierung von Theater und Film

Genau wie die Literatur hatte das Theater in Flandern seit dem 19. Jahrhundert im Dienst der Mündigwerdung des Volkes gestanden. So blühte ein Theater, das das Publikum mit dem klassischen Repertoire (von Shakespeare bis Vondel) vertraut machte. Durch Theaterstücke wie Gudrun (1878) von Albrecht Rodenbach und Het gezin Van Paemel (1903) („Die Familie Van Paemel“) von Cyriel Buysse griff das flämische Theater auch etwas von den künstlerischen Entwicklungen in Europa auf. Auf eine wirkliche Professionalisierung des gesamten Sektors hieß es jedoch warten, bis der Autor und Regisseur Herman Teirlinck 1946 die erste Theaterschule in Flandern gründete. Dora van der Groen, eine der ersten Abgängerinnen, würde später mit ihrer eigenen Theaterausbildung ebenfalls zahlreiche Schauspieler und Schauspielerinnen prägen.

Hugo Claus setzte als Theatermacher die Erneuerung fort. Stücke wie Een bruid in de morgen („Eine Braut am Morgen“) und Vrijdag („Freitag“) erhielten renommierte Preise. Umstrittener waren Het leven en de werken van Leopold II („Das Leben und die Werke Leopolds II.“) über das Kolonialregime des belgischen Königs, und Tand om Tand („Zahn um Zahn“), eine Till Eulenspiegel-Bearbeitung, die den engstirnigen flämischen Nationalismus aufs Korn nimmt.

Auch in der Filmwelt war Claus aktiv. Er schrieb das Szenario für den Film Mira (1971) und arbeitete mehrmals mit dem Regisseur Roland Verhavert zusammen. Verschiedene Theater- und Filmemacher bleiben ihm gegenüber tributpflichtig.

Oostakker

Gent, Stadtarchiv Gent, SCMS_PBK_1775

Die Lourdes-Grotte in Oostakker.

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Oostakker, das flämische Lourdes

Heute liegt Oostakker als Teilgemeinde von Gents eingeklemmt zwischen der Großstadt und einem modernen Seehafen. Als Hugo Claus De Oostakkerse gedichten schrieb, war das Dorf allerdings noch ein Symbol für das ländliche, fromme Flandern.

1873 hatte man in Oostakker eine Lourdesgrotte gebaut: eine Rekonstruktion des Ortes in den französischen Pyrenäen, an dem die Jungfrau Maria angeblich erschienen sein soll. Als zwei Jahre später bekannt wurde, dass in Oostakker ein Mann auf wundersam Weise von einem Beinbruch genesen war, entwickelte sich das Dorf zu einem der beliebtesten Wallfahrtsorte in Belgien. Schon bald besuchten jährlich über 100.000 Pilger die Lourdesgrotte, um dort zu beten und die Gottesmutter um Heilung zu bitten.

In De Oostakkerse gedichten kritisiert Claus den Marienkult an der Lourdesgrotte und distanziert sich vom gläubigen Flandern. Dennoch kann er die Bande mit der Vergangenheit und mit seiner Gemeinschaft nicht einfach so durchschneiden. Das gesteht er auf symbolische Art beispielsweise in dem Gedicht Die Mutter ein. Es beginnt mit den oft zitierten Zeilen, die an die Geburt erinnern:

Ich bin nicht, ich bin nicht als in dir Erde.
Als du schriest und deine Haut bebte
Fassten meine Gebeine Feuer.

Und das Gedicht endet mit diesem Bekenntnis:

In mir vergeht sich wälzend dein Leben, du kehrst
Nicht zu mir zurück, von Dir genese ich nicht.

Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Historische Bibliothek Hendrik Conscience, C 154117

Louis Paul Boon aus Aalst schrieb 1953 Der Kappellekensweg.

Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Letterenhuis, Jurriaan Schrofer, Steendrukkerij de Jong & Co

Das Filmplakat zu Mira (1971). Hugo Claus schrieb das Drehbuch nach dem Roman De teleurgang van de Waterhoek von Stijn Streuvels. Der Film unter der Regie von Fons Rademakers mit Jan Decleir und der Niederländerin Willeke van Ammelrooy in den Hauptrollen, sorgte aufgrund der damals als freizügig empfundenen Nacktszenen für einigen Wirbel.

Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Letterenhuis

Das Plakat zum Film Pallieter (1976), nach dem gleichnamigen Roman von Felix Timmermans. Hugo Claus schrieb das Drehbuch, Roland Verhavert (1927-2014) führte Regie.

Sammlung Hugo Clauscentrum, Universität Antwerpen

Hugo Claus’ bekanntester Roman ist Der Kummer von Belgien. Darin verarbeitete er seine Kindheit in Aalbeke und Kortrijk, vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf dem Cover der Erstausgabe von 1983 ist das Gemälde Musik in der Flandernstraße von James Ensor abgebildet.

Daens.
Brüssel, VRT, F. Bernabee

Der Film Daens (1992) von Regisseur Stijn Coninx basiert auf Louis Paul Boons Dokuroman Pieter Daens oder wie im neunzehnten Jahrhundert die Aalster Arbeiter gegen Armut und Unrecht kämpften aus dem Jahr 1971. Im Film hat der Drucker Pieter Daens eine Nebenrolle, der Fokus liegt auf seinem Bruder, dem Priester Adolf Daens (1839-1907) (gespielt von Jan Decleir) und dessen Kampf gegen hartherzige Fabrikdirektoren und die konservativen Machthaber innerhalb der katholischen Partei.

Bruine suiker.
Privatsammlung Chokri Ben Chikha

2001 bearbeiteten die jungen Theatermacher Chokri Ben Chikha und Zouzou Ben Chikha Hugo Claus‘ Theaterstück Zucker. Das Ergebnis, Brauner Zucker, handelte nicht mehr von flämischen Arbeitern in Nordfrankreich in den späten 1940er Jahren, sondern von nordafrikanischen Jugendlichen, die um die Jahrtausendwende in einem Krankenhaus in Blankenberge arbeiten.

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Sachbuch


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Didden Marc
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Noteboom Cees & Claus Hugo
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Polis, 2015. 

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Polis, 2018. 

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Athenaeum-Polak & Van Gennep, 2018. 

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Zomer te Ter-Muren

De Arbeiderspers, 1995. 

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Mieke Maaike’s obscene jeugd: een pornografisch verhaal voorafgegaan door een proefschrift in en om het kutodelisch verschijnsel waarmee de student Steivekleut promoveerde

De Arbeiderspers, 2018. 

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De Arbeiderspers, 1999. 

Boon Louis Paul
Daens, of hoe in de negentiende eeuw de arbeiders van Aalst vochten tegen armoede en onrecht

De Arbeiderspers, 2020. 

Claus Hugo
De geruchten

De Bezige Bij, 2013.

Claus Hugo
De Oostakkerse gedichten

De Bezige Bij, 2003. 

Claus Hugo
De verwondering

De Bezige Bij, 2018.

Claus Hugo
Het verdriet van België

De Bezige Bij, 2018. 

Claus Hugo
Toneel

De Bezige Bij, 1999. 

Comics


Boon, Louis-Paul & Nagel
De bende van Jan de Lichte (5 albums)

Arboris, 1985-1991.