Paula Sémer in den Sixties. | Brüssel, VRT

Künste & Wissenschaften
Die Vorlesefunktion ist für die Kombination aus Ihrer Sprache und dem Browser, mit dem Sie die Website besuchen, nicht verfügbar.
Wenn dies nicht optimal ist, geben Sie bitte in Ihrem Browser an, in welcher Sprache Sie die Website aufrufen möchten.
1925 - 2021
Bitte vorlesen

Paula Sémer

Das Fernsehen als Fenster zur Welt

Am Samstag, dem 31. Oktober 1953 sahen wenige hundert Familien sich die allererste flämische Fernsehsendung an. Nach den Nachrichten und dem Wetterbericht folgte Drie dozijn rode rozen („Drei Dutzend rote Rosen“), eine Komödie mit Paula Sémer. Die junge Schauspielerin wurde zur Fernsehberühmtheit und das Fernsehen zu einem festen Hausgenossen.

Bitte vorlesen

Paula Sémer begann ihre Karriere 1944 beim Rundfunk als Sprecherin und als Schauspielerin in Hörspielen. Kurz nach der Einführung des Fernsehens präsentierte sie zusammen mit Bob Davidse Kom toch eens kijken („Komm und schau doch mal“), die erste Sendung speziell für Kinder. Später wurde sie das Gesicht von Sendungen für und von Frauen.

1964 zeigte Sémer in ihrer Fernsehsendung Penelope explizite Bilder von einer Niederkunft. Das sorgte für großen Wirbel. Sémer brach öfter eine Lanze für gesellschaftlich wichtige Anliegen. Themen wie Sexualität, Brustkrebs und Empfängnisverhütung holte sie in ihren Sendungen ebenfalls aus der Tabusphäre. Auch hinter den Kulissen kämpfte sie für die Emanzipation von Frauen. Schon Jahre vor #metoo zeugte sie öffentlich von Sexismus und unerwünschten Intimitäten in der Welt des Fernsehens.

<p>In den Anfangsjahren gingen Fernsehsender nur wenige Stunden am Tag auf Sendung. In der übrigen Zeit mussten sich die Zuschauer mit einem Testbild begnügen.</p>

Brüssel, VRT

In den Anfangsjahren gingen Fernsehsender nur wenige Stunden am Tag auf Sendung. In der übrigen Zeit mussten sich die Zuschauer mit einem Testbild begnügen.

Bitte vorlesen

Das Fernsehen als Fenster zur Welt

In den 1960er- und 1970er-Jahren eroberten Fernsehgeräte sich einen prominenten Platz in immer mehr Wohnzimmern. Das neue Medium veränderte den Blick der Menschen auf die Welt. Plötzlich brachten Bilder das Tagesgeschehen – scheinbar – ungefiltert zu ihnen nach Hause. So bekamen die Zuschauer schockierende Reportagen aus Vietnam zu sehen, dem ersten Krieg, über den täglich in den Fernsehnachrichten berichtet wurde. Diese Bilder trugen bei zu den weltweiten Protesten gegen den Konflikt, auch in Flandern.

Neben einer wichtigen Nachrichtenquelle wurde Fernsehen für viele Flamen zum beliebten Zeitvertreib. Für Letzteres schalteten sie in den 1960er- und 1970er-Jahren massenhaft zu niederländischen Sendern um. Eine ganze Generation von Kindern wuchs mit De Fabeltjeskrant auf, einer täglichen Gutenachtsendung für Kinder aus den Niederlanden. Der flämische öffentliche Rundfunk war selbst Pionier für Jugendserien wie Kapitein Zeppos, die auch im Ausland Resonanz fanden. Erwachsene wiederum begeisterten sich für die vielen Show- und Quizsendungen auf den niederländischen Kanälen.

Das Fernsehen hatte die Kraft, Zuschauer emotional an Personen oder Ereignisse zu binden. Dadurch erlangte das Medium eine stark gemeinschaftsbildende Funktion. So übernahmen die Flamen Redewendungen aus beliebten TV-Serien wie die Phrase „Zal ’t gaan ja!“ (etwa: „Na, wird’s denn gehen?“) aus F.C. De Kampioenen, die Ärger ausdrückt. Auch die starke Aufmerksamkeit für Sportwettkämpfe schuf Verbundenheit. Im Inszenieren der Radrennen war der flämische öffentliche Rundfunk übrigens bahnbrechend.

Fokuspunkte

Tante Terry.

Brüssel, VRT

Terry Verbeeck war als Tante Terry (1931-2018) eine Pionierin des Kinderfernsehens. Zusammen mit Paula Sémer war sie auch eine der ersten Rundfunksprecherinnen.

Bitte vorlesen

Der öffentliche Rundfunk

Der öffentliche Rundfunk legte schon in den Anfangsjahren großen Wert auf Informationssendungen und Human Interest, oft mit Paula Sémer als Moderatorin. 1962 begann der öffentliche Rundfunk mit Schulfernsehen, einem edukativen Programmangebot für den Unterricht. In den 1980er-Jahren machte der Journalist Maurice De Wilde in seiner legendären Sendung De Nieuwe Orde („ Die Neue Ordnungwider die parlamentarische Demokratie, für ein autoritäres politisches System mit einer starken Führungsperson “) die Zuschauer mit der Kollaboration im Zweiten Weltkrieg vertraut.

Zu den Kernaufgaben des öffentlichen Rundfunks zählte die Förderung der niederländischen Sprache. Flämische Zuschauer, die oft nur mit ihrem eigenen Dialekt vertraut waren, konnten durch die Sendung Hier spreekt men Nederlands („Hier spricht man Niederländisch“) die Aussprache und den Wortschatz des Standardniederländischen kennenlernen.

In den 1980er-Jahren geriet das inländische Monopol des öffentlichen Rundfunks unter Druck. Die Zuschauer fanden das Angebot zu eintönig und schalteten nur noch für die Nachrichten und das Tagesgeschehen treu zum BRT (Belgische Radio en Televisie) um. Die Politik fand das Angebot nicht länger ausreichend. Auch die europäische Politik förderte das Aufkommen des kommerziellen Fernsehens. Die VTM (Vlaamse Televisie Maatschappij) sendete ab 1989 per Kabel. Diese neue inländische Konkurrenz veranlasste den öffentlichen Rundfunk zu Neuerungen. Das führte später zu einem umfangreichen öffentlichen Fernsehangebot, mit Kanal Eén („Eins“) für das breite Publikum und Canvas, Ketnet und Sporza als Sender mit einem spezifischeren Profil.

Openingsshow VTM.

Vilvoorde, VTM

Die Gründung des Senders VTM im Jahr 1989 läutete das Ende des Monopols des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Flandern ein. Die beiden Prominenten Koen Wauters und Francesca Van Thielen während der Eröffnungsshow des VTM am 1. Februar 1989.

Bitte vorlesen

Das kommerzielle Fernsehen

Der 1989 hinzugekommene kommerzielle Sender VTM veränderte die flämische Fernsehlandschaft maßgeblich. Von Anfang an profilierte sich der Sender mit zwei Schwerpunkten: Unterhaltung und Information. Das Nachrichtenstudio setzte bewusst auf die inländische Karte und ließ viel Platz für die Meinung des „Mannes von der Straße“. Diese Formel hatte Erfolg und hielt nach einiger Zeit auch beim öffentlichen Rundfunk Einzug.

Die Erweiterung des flämischen Fernsehangebots stimulierte den gesamten audiovisuellen Sektor. Produktionsfirmen und andere Zulieferer erlebten goldene Zeiten. Mit Sendungen wie Tien om te zien (etwa: „Zehn, die man sehen sollte“) verschaffte die VTM überdies vielen flämischen Sängern und Musikanten Aufwind, die zuvor in den Medien nur wenig Aufmerksamkeit erhalten hatten.

Die VTM erwarb sich schnell einen großen Marktanteil und verringerte die Beliebtheit der niederländischen Sender. Die Werbeeinkünfte übertrafen alle Erwartungen. Durch diesen Erfolg erschienen schon bald andere kommerzielle Sender auf der Bühne.

Das Fernsehangebot in Flandern besteht gegenwärtig aus dem öffentlichen Rundfunk und mehreren regionalen und kommerziellen Sendern. Das Internet, online verfügbare Sendungen und die hinzugekommenen Streamingdienste veränderten die Fernsehgewohnheiten. Die Flamen lassen sich immer weniger von festen Sendezeiten bestimmen und schauen mittlerweile viel „on demand“.

Flagey.
Wikimedia Commons

Das Flagey-Gebäude ist ein ikonisches Art-Déco-Gebäude in der Form eines Passagierschiffs. Ab 1938 bis 1974 war es der Sitz des belgischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Heute ist es der Standort des Brussels Philharmonic und des Vlaams Radiokoor.

-De voormalige acteerschool Studio Herman Teirlinck fungeerde jarenlang als kweekvijver voor televisiegezichten. Acteurs zoals Julien Schoenaerts (1925-2006) bereikten dankzij televisie een breder publiek en groeiden soms uit tot echte vedetten.
Michiel Hendryckx

Die ehemalige Schauspielschule Studio Herman Teirlinck fungierte jahrelang als Talentschmiede für Fernsehgrößen. Schauspieler wie Julien Schoenaerts (1925-2006) erreichten dank des Fernsehens ein breiteres Publikum und wurden manchmal zu echten Stars.

Tik tak.
Brüssel, VRT

Tik Tak, das 1981 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, gilt als eine der erfolgreichsten flämischen Fernsehsendungen überhaupt und wurde an Sender auf der ganzen Welt verkauft.

Armand Pien.
Brüssel, VRT

Der Astronom Armand Pien (1920-2003) war 37 Jahre lang Wetteransager beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und wurde bei den Leuten zuhause am Bildschirm zu einem gern gesehenen Gast.

Eddy Wally.
Brüssel, HW/Photo News, 10088372-004

Tien om te zien war in den 1990er Jahren die erfolgreichste Sendung des VTM. U.a. dank dieser Sendung wurden verschiedene Künstler zu Prominenten. Hier steht der beliebte Liedermacher Eduard Van De Walle (1932-2016) aus Zelzate, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Eddy Wally auf der Bühne.

Man bijt hond.
Brüssel, VRT

In der Sendung „Man bijt hond“ (1997-2013) standen gewöhnliche Frauen und Männer im Mittelpunkt. Unter dem Einfluss des VTM widmete der öffentlich-rechtliche Rundfunk ab den 1990er Jahren dem Alltag der Flamen mehr Aufmerksamkeit.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Geboorte
Penelope

Bron: VRT archief – 7 jan 1965

Jeugdfeuilleton
Histories – de magie van het jeugdfeuilleton

Bron: VRT archief – 15 apr 2004

Julien Schoenaerts
Ten huize van … Julien Schoenaerts

Bron: VRT archief – 20 feb 1995

Nonkel Bob
Rode Loper

Bron: VRT archief – 17 feb 2010

Obit
Journaal

Bron: VRT archief – 8 jun 2021

Start Vlaamse TV
Histories – Alles in het klein

Bron: VRT archief – 16 okt 2003

Sachbuch


Adriaens Manu
Blijven kijken! Vijftig jaar televisie in Vlaanderen

Lannoo, 2003. 

De Rynck Korneel
De golden Sixties: hoe het dagelijks leven in België veranderde tussen 1958-1973

Manteau, 2022. 

Dhoest Alexander
Publieke televisie in Vlaanderen. Een geschiedenis

Academia Press, 2007. 

Hemmerechts Karel
De magie van radio en televisie

Ludion, 1997. 

Hooghe Marc (red.)
Nieuws op televisie: televisiejournaals als venster op de wereld

Acco, 2005. 

Janssen Fred, e.a.
Lang leve de tv. 60 jaar televisie

Hannibal, 2013. 

Wellens Geert, Neels Leo & Wauters Dirk
Het nieuwe tv-kijken: een positieve kijk op televisie in Vlaanderen: het model Vlaanderen Inc

LannooCampus, 2014. 

Van Camp Peter
Kinderen van Zeppos. De magische jeugdfeuilletons van de BRT

Standaard Uitgeverij, 2021. 

Comics


Leemans Hec
F.C. De Kampioenen

Standaard Uitgeverij, 1997-…

Nix
De buurtpolitie

Standaard Uitgeverij, 2017-…

Fictiereeks
Studio Tarara

Over de beginjaren van de commerciële televisie in Vlaanderen (2019)