Paula Sémer
Das Fernsehen als Fenster zur Welt
Am Samstag, dem 31. Oktober 1953 sahen wenige hundert Familien sich die allererste flämische Fernsehsendung an. Nach den Nachrichten und dem Wetterbericht folgte Drie dozijn rode rozen („Drei Dutzend rote Rosen“), eine Komödie mit Paula Sémer. Die junge Schauspielerin wurde zur Fernsehberühmtheit und das Fernsehen zu einem festen Hausgenossen.
Paula Sémer begann ihre Karriere 1944 beim Rundfunk als Sprecherin und als Schauspielerin in Hörspielen. Kurz nach der Einführung des Fernsehens präsentierte sie zusammen mit Bob Davidse Kom toch eens kijken („Komm und schau doch mal“), die erste Sendung speziell für Kinder. Später wurde sie das Gesicht von Sendungen für und von Frauen.
1964 zeigte Sémer in ihrer Fernsehsendung Penelope explizite Bilder von einer Niederkunft. Das sorgte für großen Wirbel. Sémer brach öfter eine Lanze für gesellschaftlich wichtige Anliegen. Themen wie Sexualität, Brustkrebs und Empfängnisverhütung holte sie in ihren Sendungen ebenfalls aus der Tabusphäre. Auch hinter den Kulissen kämpfte sie für die Emanzipation von Frauen. Schon Jahre vor #metoo zeugte sie öffentlich von Sexismus und unerwünschten Intimitäten in der Welt des Fernsehens.
Brüssel, VRT
In den Anfangsjahren gingen Fernsehsender nur wenige Stunden am Tag auf Sendung. In der übrigen Zeit mussten sich die Zuschauer mit einem Testbild begnügen.
Das Fernsehen als Fenster zur Welt
In den 1960er- und 1970er-Jahren eroberten Fernsehgeräte sich einen prominenten Platz in immer mehr Wohnzimmern. Das neue Medium veränderte den Blick der Menschen auf die Welt. Plötzlich brachten Bilder das Tagesgeschehen – scheinbar – ungefiltert zu ihnen nach Hause. So bekamen die Zuschauer schockierende Reportagen aus Vietnam zu sehen, dem ersten Krieg, über den täglich in den Fernsehnachrichten berichtet wurde. Diese Bilder trugen bei zu den weltweiten Protesten gegen den Konflikt, auch in Flandern.
Neben einer wichtigen Nachrichtenquelle wurde Fernsehen für viele Flamen zum beliebten Zeitvertreib. Für Letzteres schalteten sie in den 1960er- und 1970er-Jahren massenhaft zu niederländischen Sendern um. Eine ganze Generation von Kindern wuchs mit De Fabeltjeskrant auf, einer täglichen Gutenachtsendung für Kinder aus den Niederlanden. Der flämische öffentliche Rundfunk war selbst Pionier für Jugendserien wie Kapitein Zeppos, die auch im Ausland Resonanz fanden. Erwachsene wiederum begeisterten sich für die vielen Show- und Quizsendungen auf den niederländischen Kanälen.
Das Fernsehen hatte die Kraft, Zuschauer emotional an Personen oder Ereignisse zu binden. Dadurch erlangte das Medium eine stark gemeinschaftsbildende Funktion. So übernahmen die Flamen Redewendungen aus beliebten TV-Serien wie die Phrase „Zal ’t gaan ja!“ (etwa: „Na, wird’s denn gehen?“) aus F.C. De Kampioenen, die Ärger ausdrückt. Auch die starke Aufmerksamkeit für Sportwettkämpfe schuf Verbundenheit. Im Inszenieren der Radrennen war der flämische öffentliche Rundfunk übrigens bahnbrechend.
Fokuspunkte
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Sachbuch
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Lannoo, 2003.
De golden Sixties: hoe het dagelijks leven in België veranderde tussen 1958-1973
Manteau, 2022.
Publieke televisie in Vlaanderen. Een geschiedenis
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De magie van radio en televisie
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Nieuws op televisie: televisiejournaals als venster op de wereld
Acco, 2005.
Lang leve de tv. 60 jaar televisie
Hannibal, 2013.
Het nieuwe tv-kijken: een positieve kijk op televisie in Vlaanderen: het model Vlaanderen Inc
LannooCampus, 2014.
Kinderen van Zeppos. De magische jeugdfeuilletons van de BRT
Standaard Uitgeverij, 2021.
Comics
F.C. De Kampioenen
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