Die Bewaffnung der Handwerksgilden wurde auf den mittelalterlichen Fresken der 1911 abgerissenen Kapelle der Leugemeete in Gent (Zeichnungen nach dem Original) anschaulich dargestellt.| Gent, STAM, Bijlokecollectie
1302
Soziale Revolutionen in den Städten van Flandern und Brabant
Am frühen Morgen des 18. Mai 1302 schlichen sich aufständische Städter in die Stadt Brügge. Sie metzelten die französische Garnison nieder, die dort stationiert war um das unruhige Flandern unter Kontrolle zu halten. Der König von Frankreich beschloss hart zurückzuschlagen, aber am 11. Juli erlitt das französische Ritterheer unweit von Kortrijk eine vernichtende Niederlage gegen die Milizen der flämischen Städte. Dieser unerwartete Sieg sollte noch lange nachwirken.
Der flämische Graf Gwijde van Dampierre (Guido I.) befand sich schon seit 1297 in Krieg mit seinem LehnsherrnHerr, der seinem Lehnsmann Land zur Nutzung überließ, im Austausch für persönliche Treue und militärische Unterstützung König Philipp dem Schönen von Frankreich. Dieser entsandte ein Heer in die Grafschaft, unterstellte diese seiner direkten Befehlsgewalt und nahm den Grafen gefangen.
Die reichen Kaufleute in den Magistraten von Brügge und Gent schlugen sich auf die Seite des Königs von Frankreich. Aber sie waren im Konflikt mit dem gemeinen Volk, organisiert in den HandwerkergildenOrganisationen vom Menschen, die den gleichen Beruf ausüben . Diese schlossen darum ein Zweckbündnis mit der gräflichen Partei.
Am 11. Juli 1302 kam es zu einer Schlacht zwischen den französischen Truppen und den städtischen Milizen und Anhängern des Grafen: der so genannten Schlacht der Goldenen Sporen. Die Franzosen unterschätzten die Entschlossenheit des organisierten Fußvolks gegen Ritter zu Pferde. Der Sieg des gemeinen Volkes machte Eindruck in ganz Europa. Wenige Jahre später schlugen die Franzosen mit Erfolg zurück, aber letztendlich gelang es dem König von Frankreich nicht, die Grafschaft Flandern zu unterwerfen.
Löwen, Stadtarchiv, Altes Archiv, 1296
Herzog Johann II. von Brabant (1275-1312) besiegte die Brüsseler Handwerker in der Schlacht bei Vilvoorde (1306). In der Charta von Kortenberg (1312) besiegelte der Herzog eine Vereinbarung mit dem Adel und den städtischen Eliten, in der er die Rechte und Freiheiten seiner Untertanen anerkannte. In diesem Sinne war dieses Dokument ein früher Vorläufer dessen, was wir heute als Verfassung bezeichnen würden.
Soziale Revolutionen in den Städten van Flandern und Brabant
Der Aufstand vom 18. Mai 1302 und das militärische Aufeinandertreffen am 11. Juli 1302 haben sich durch die Werke belgische Historiker und Autoren als nationale Heldentaten ins kollektive Gedächtnis gegraben. In Wirklichkeit waren die Ereignisse Teil eines feudalenfeudal meint die Beziehung zwischen dem Lehnsherrn, hier dem französischen König, und dem Lehnsmann, hier dem Grafen von Flandern und sozialen Kampfes, der sich über einen längeren Zeitraum hinzog.
Der Umfang von Textilhandel und -industrie in den Städten van Flandern und Brabant ließ die Städte wachsen, machte sie aber auch sehr unruhig. Die Stadtbevölkerung wollte nicht durch adelige Willkür regiert werden, wie sie immer noch auf dem Lande herrschte. Aus diesem Grund erhoben sich die Städte regelmäßig, um ihre gemeinschaftlichen Interessen durchzusetzen. Die Häufigkeit solcher „demokratischen“ Aufstände lag in den Südlichen Niederlanden höher als anderenorts im mittelalterlichen Europa.
In einer ersten Periode von Aufständen wollten die städtischen Eliten dem Herrscher Rechte und Freiheiten für die Städte abtrotzen. Für sie beruhte politische Macht auf Vereinbarungen zwischen dem Herrscher und seinen Untertanen. Dadurch durfte man Widerstand gegen einen ungerechten Machthaber leisten, wenn dieser die Gesetze und Gepflogenheiten nicht respektierte.
In späteren Aufständen forderte das gemeine Volk, organisiert über die Handwerkergilden, seine Rechte von den städtischen Eliten ein. Auch einfache Menschen wollten Mitsprache und erwarten Verantwortlichkeit von den Lenkern der Stadt. Nach 1302 erwarben die Gilden in Brügge und Gent weitgehende Mitbestimmung im Magistrat. Auch in Mechelen kam es zu einer sozialen Revolution, aber die Aufstände in Brüssel, Löwen und Diest scheiterten.
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