Peter Paul Rubens, Die Anbetung durch die Könige. | Antwerpen, Königliches Museum für Schöne Künste
Die Anbetung durch die Könige
Rubens und das Barock
1624 malte Peter Paul Rubens ein monumentales Bild für den Hauptaltar der Antwerpener Abtei Sint-Michiels. Das Thema war eine bekannte biblische Szene: Der Besuch der drei Könige bei dem neugeborenen Jesuskind. Die Abtei existiert nicht mehr, aber das Gemälde bleibt ein Höhepunkt barocker Kunst.
Rubens versetzt uns mitten in den Weihnachtsstall, wo Maria den drei Weisen aus dem Osten ihr Kind Jesus zeigt. Der Maler hat alle Mittel eingesetzt, um die Aufregung rundum die Geburt zu inszenieren. Die Umstehenden mit ihren lebendigen Mienen schauen zu oder drücken durch Gesten ihre Verwunderung aus. Auch die Anwesenheit exotisch herausstaffierter Figuren fällt auf. Der äthiopische König Balthasar dominiert den Mittelgrund des Gemäldes. Die Palette ist besonders farbenfroh. Die rotbraunen Töne verleihen der Szene eine warme Ausstrahlung. Rubens verwendete treffsichere Farbstriche und wandte Hell-Dunkel-Effekte an. Seine Technik befähigte ihn, schnell zu malen und so mit dem Strom an Aufträgen mitzuhalten.
Kris Vandevorst
Die Basilika Unserer Lieben Frau von Scherpenheuvel steht ganz im Zeichen der Gegenreformation. Diese sternförmige Kuppelkirche ist das Meisterwerk des Architekten Wenzel Coebergher (1557-1634) und wurde im Auftrag des Erzherzogenpaars Albrecht (1559-1621) und Isabella (1566-1633) erbaut, zum Dank für die Befreiung Ostendes von den nordniederländischen Aufständischen (1604). Die barocke Basilika ist heute das bekannteste Marienheiligtum in Flandern und ein Wallfahrtsort.
Rubens und das Barock
Peter Paul Rubens wurde 1577 unweit von Köln geboren. Nach dem Tod seines Vaters kehrte seine Mutter nach Antwerpen zurück, woher die Familie stammte. Rubens wurde dort zum Maler ausgebildet und reiste 1600 für acht Jahre nach Italien. Dort ließ er sich von Künstlern wie Tizian und Caravaggio inspirieren. Wieder zurück in Antwerpen, entpuppte Rubens sich als ein außergewöhnlich produktiver Großmeister, der sämtliche Genres beherrschte. Neben Landschaften und Porträts malte er in großem Umfang religiöse und mythologische Darstellungen. Hierfür schöpfte er aus seiner breitgefächerten Kenntnis der klassischen Antike und der literarischen Traditionen. In seiner Werkstatt in Antwerpen verfertigte er Entwurfsskizzen, die seine Schüler großformatig ausarbeiteten. Über zweitausend Gemälde verließen seine Werkstatt.
Mit seinen religiösen Werken unterstützte Rubens die Gegenreformation. Sie war die Antwort der katholischen Kirche auf den Protestantismus. Mit der Gegenreformation setzte die Kirche nicht nur eine interne Reform in Gang, sondern wollte auch die eigene Lehre wieder attraktiv machen. Der schwelgerische Barockstil erwies sich als äußerst geeignet, die Glaubenswahrheiten in den Mittelpunkt zu rücken. Durch den Bildersturm waren viele Kunstwerke aus den Kirchen verschwunden. Die Kunst der Gegenreformation brachte Maria und die Heiligen in triumphaler Weise zurück. Imposante Altarbilder, Skulpturen oder Denkmäler sollten die Kirchenbesucher mit leicht erkennbaren Themen ansprechen. Diese neue Ausstattung veränderte das Innere vieler Kirchengebäude.
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