Rekonstruktion aus dem Jahr 2021 von Monnikerede, einem der blühenden Zwinhäfen. | Universität Gent – Timescope – Westtoer

Landschaft, Umwelt & Mobilität
Die Vorlesefunktion ist für die Kombination aus Ihrer Sprache und dem Browser, mit dem Sie die Website besuchen, nicht verfügbar.
Wenn dies nicht optimal ist, geben Sie bitte in Ihrem Browser an, in welcher Sprache Sie die Website aufrufen möchten.
Um 1100 - 1500
Bitte vorlesen

Die verschwundenen Zwinhäfen

Brügge und seine Verbindung zum Meer

Mude, Hoeke oder Monnikerede, diese Namen besagen heute kaum mehr etwas, aber im Mittelalter waren dies sehr lebendige Hafenstädtchen entlang einer Gezeitenrinne der Nordsee: dem Zwin. Diese Brügger Vorhäfen sicherten zusammen mit der kosmopolitischen Stadt Brügge die Verbindung mit allen wichtigen europäischen Hafenstädten.

Bitte vorlesen

Der mittelalterliche Charakter Brügges zeigt bis heute, wie wichtig die Stadt in dieser Zeit als Zentrum von Handel, Gewerbe und Kunst gewesen ist. Aber diese Rolle konnte sie nur durch ihr außergewöhnliches Netz von Vorhäfen spielen, die alle entlang einer großen Gezeitenrinne gelegen waren: dem Zwin. Über diese Rinne und die Vorhäfen strömten Schiffe, Waren, Menschen und Ideen von und nach Flandern. So konnte sich ein einzigartiges Umfeld für Kultur und Handel entwickeln.

Nach einer Blütezeit im 13. und 14. Jahrhundert setzte ab Ende des 15. Jahrhunderts der unumkehrbare Verfall ein. Die Händler zogen sich wegen politischer und wirtschaftlicher Unruhen aus Brügge zurück, die Fahrrinne des Zwin versandete, und zusammen mit der Rinne verschwanden auch der Wohlstand Brügges sowie seine Vorhäfen selbst.

<p>Rekonstruktion aus dem Jahr 2021 der „Spiegelrei“: Herzstück der Hafenaktivität in Brügge (1430).</p>

Gent, Universität Gent – Westtoer – Timescope

Rekonstruktion aus dem Jahr 2021 der „Spiegelrei“: Herzstück der Hafenaktivität in Brügge (1430).

Bitte vorlesen

Brügge und seine Verbindung zum Meer

Brügge bestand bereits in römischer Zeit als Hafen, aber erst im Mittelalter entwickelte sich die Stadt zu einem großen Handelszentrum. Dabei gab es allerdings eine große Herausforderung: Brügge lag nicht an der Küste und musste deshalb immer die Verbindung zur Nordsee gewährleisten. Anfangs geschah dies über schmale Wasserstraßen: erst eine Fahrrinne von Blankenberge nach Brügge, anschließend ein gegrabener kleiner Kanal zu einer Fahrrinne unweit von Oostkerke und danach eine Verlängerung dieses Kanals zu einer Bucht in Höhe des heutigen Knokke.

Vielleicht infolge einer Sturmflut im frühen 12. Jahrhundert war von Nordosten her eine tiefe und breite Gezeitenrinne entstanden: das Zwin. So gewann Brügge für drei Jahrhunderte eine gute Meeresverbindung mit dem übrigen maritimen Europa und damit auch der übrigen damals bekannten Welt. Entlang der Rinne entstanden ab Mitte des 12. Jahrhunderts eine Reihe kleiner Hafenstädte. Große Schiffe konnten dort anlegen, und zahlreiche ausländische Kaufleute hielten sich dort auf. Waren wurden auf kleinere Schiffe mit weniger Tiefgang verladen, die über eine Schleuse in Damme und von dort über den Reie-Kanal Brügge erreichen konnten. Das zwanzig Kilometer lange Zwin wurde so zur wirtschaftlichen Schlagader für die Stadt.

Brügge lag außerdem an einer wichtigen Handelsroute über Land. An dieser Kreuzung von See- und Landwegen konnte sich die Stadt zur wirtschaftlichen, künstlerischen und manchmal auch politischen Metropole im mittelalterlichen Europa entwickeln.

Fokuspunkte

Grootboek van Collard de Marke.

Brügge, Stadtarchiv, Altes Archiv, Serien-Nr. 305: Kaufmannsbücher

Verwaltungsbuch des Bankiers Collard de Marke aus dem Jahr 1369, in dem er seine Finanztransaktionen festhielt. Nicht weniger als 900 davon betrafen ausländische Händler. Collard de Marke brachte es zunächst zu einigem Wohlstand, ging schließlich aber bankrott.

Bitte vorlesen

Brügge, die „Wiege des Kapitalismus“

Jeder, der in der kommerziellen Welt etwas bedeutete, kam nach Brügge. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Stadt zur Schnittstelle europäischer Handelsnetze und Finanzströme.

Der Magistrat selbst schuf die Grundlagen hierzu. Er sorgte für ein Klima allgemeiner und rechtlicher Sicherheit und trug Sorge für die Instandhaltung von Kränen, Markthallen und Stadtwaagen. Die internationale Handelselite wohnte in Gasthäusern, schlechthin den Orten für kommerzielle Aktivitäten. Keller und Speicher dienten als Lagerräume für Waren. Die Gastwirte boten ihren Gästen auch juristische und finanzielle Unterstützung.

Kapitalistische Innovationen sorgten für einen zügigen Verlauf von Transaktionen. Der Platz vor dem Gasthaus der Familie Van der Beurze, wo auch Genueser, Venezianer und Florentiner ihr Hauptquartier hatten, wurde zum Zentrum für Handelsabkommen, finanzielle Operationen und den Austausch vitaler wirtschaftlicher Informationen. Kaufleute handelten hier mit Schuldbriefen oder spekulierten auf Wechselkurse. So entstand auf diesem Platz das Konzept der „Börse“, dessen Name sich von den Besitzern des Gasthauses herleitet. Diese Börse erhielt im 16. Jahrhundert eine Nachfolgerin in Antwerpen und entwickelte sich im 17. Jahrhundert in Amsterdam zu einer echten Aktienbörse weiter.

Middelburg, Seeländisches Archäologiedepot

Unterschiedlichste Luxusgüter erreichten Brügge, manche kamen von sehr weit her. Dieser Krug aus Damaskus in Syrien enthielt vermutlich Rosenwasser, das aus hygienischen oder medizinischen Gründen verwendet wurde.

Bitte vorlesen

Brügge, eine Weltstadt

Suchte man im Mittelalter in Nordwesteuropa Pfeffer, Ingwer, Zitronen oder Apfelsinen, oder wollte man vielleicht einen leibhaftigen Affen oder Papagei sehen? Dann musste man in Brügge sein. Die exotischen Produkte und Tiere illustrieren, wie sehr Brügge mit der damals bekannten Welt vernetzt war.

Die Stadt befand sich an der Schnittstelle von Handelsrouten aus allen Himmelsrichtungen. Über Land fuhren Karren nach Deutschland, Frankreich und Norditalien ab. Mit Seeschiffen gab es Verbindungen zu den Britischen Inseln, nach Skandinavien, zur Iberischen Halbinsel, nach Italien und selbst in den Mittleren Osten. Mit diesen Schiffen und mit Karren reisten Waren und Menschen in die Stadt. Und mit den Menschen folgten auch Technologien, Ideen und Gebräuche. Auf den Gemälden des von 1425 bis 1441 in Brügge tätigen Jan van Eyck tauchten valencianische Fliesen und syrische Keramik auf. Die Brügger kamen in Kontakt mit neuen mathematischen Konzepten und Entwicklungen in der Kartografie. Sie lernten den chinesischen Kompass und das Astrolabiumein Instrument zur Positionsbestimmung auf See anhand der Himmelskörper aus dem Mittleren Osten kennen.

Brügge und seine Vorhäfen wurden so zu einer kosmopolitischen Region, in der Besucher viele Sprachen hören konnten und wo Wissen und Technologie der übrigen Welt die Niederlande erreichten.

Kerk Damme.
Brüssel, Flämische Agentur für bauliches Kulturerbe

Die Liebfrauenkirche in Damme. An der Fassade ist eine bunte Palette aus etwa zwanzig Natursteinen unterschiedlicher Herkunft zu sehen. Es zeigt anschaulich die Kontakte des Zwinhafens mit der weiten Welt.

London, British Museum, 8074001

Astrolabium des 13. Jahrhunderts aus dem Mittleren Osten.

Doosje met ijkgewichten.
Brügge, Museen Brügge, Raakvlak

Kästchen mit Eichgewichten, um 1330. In einer Stadt mit vielen ausländischen Händlern waren allerlei fremde Münzen in Umlauf. Geldwechsler wogen die Münzen, bestimmten ihren Wert und tauschten es gegen lokale Währung ein. Da die Geldwechsler Tresore hatten, fungierten sie auch als erste Bankiers.

Arnolfini.
Wikimedia Commons, London, Nationalgalerie

Vermutlich das Porträt von Giovanni Arnolfini und seiner Frau, von Jan van Eyck, 1434. Die Frischvermählten aus einer reichen italienischen Kaufmannsfamilie in Brügge ließen sich mit Orangen abbilden (bei der Fensterbank). Solche exotischen Luxusprodukte galten als Statussymbol.

Ter Beurze.
Gent, Universität Gent – Westtoer – Timescope, Nationallotterie

Rekonstruktion aus dem Jahr 2021 des Platzes mit der Herberge Van der Beurze (Mitte links) und verschiedenen italienischen Nationalhäusern im Jahr 1441.

Kaart Zwin.
Brügge, Museen Brügge, Lukas Web

Karte der Zwinregion und der Scheldemündung aus dem Jahr 1501 von Jan de Hervy. Die Zwinrinne ist dabei zu versanden, was man an den Sandbänken erkennt und dem Umstand, dass nur kleinere Schiffe Brügge (ganz links auf der Karte) erreichen können.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Noordzee
Rond de Noordzee

Bron: VRT-archief, De chinezen – 12 feb 2019

Zwinhavens
Journaal

Bron: VRT-archief – 2 jul 2021

Oostkerke
Journaal

Bron: VRT-archief – 9 feb 2023

Ondernemende vrouwen
Meer vrouw op straat – Brugge

Bron: VRT-archief, De chinezen – 14 apr 2020

Sachbuch


Brown Andrew & Dumolyn Jan
Brugge, een middeleeuwse metropool 850-1550

Sterck en De Vreese, 2020. 

De Clercq Wim, Trachet Jan & Poulain Maxime
Verdwenen zwinhavens

Westtoer, 2021. 

Pye Michael
Aan de rand van de wereld. Hoe de Noordzee ons vormde

De Bezige Bij, 2021. 

Ryckaert Marc, e.a.
Brugge. De geschiedenis van een Europese stad

Lannoo, 1999. 

Van Damme Paul
Brugge. het verhaal van een stad

Stichting Kunstboek, 2016. 

Vandewalle André, Abraham-Thisse Simonne & Boone Marc
Hanzekooplui en Medicibankiers. Brugge, wisselmarkt van Europese culturen

Stichting Kunstboek, 2002. 

De Ruysscher Dave
Noordzeehandel en middeleeuws Vlaanderen, ca. 1000 – ca. 1300. De families de Russe, van Gent en de Straten in Sint-Omaars, Brugge en Temse

Skibris, 2021. 

Fiktionales


Coudenys Anna
Onrustvlinder

Manteau, 2008. 

Dunnett Dorothy
De Opkomst van Niccolo

Uitgeverij Luitingh-Sijthoff, 1988. 

Rees Elizabeth
De koopmansbruid

Lannoo, 2006. (12+)

Comics


De Decker Frodo & Berte Kristof
Het lot van Brugge

Standaard Uitgeverij, 2024.

Van Vosselen Ferry & Martin Jacques
Reizen van Tristan. Brugge

Casterman (nr. 5), 2011.