Detail der Weltkarte aus dem „Kitāb Roedjar“. | Paris, Bibliothèque nationale de France, Wikimedia Commons.

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Um 1154
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Städte auf der Karte des al-Idrisi

Kontakte mit der islamischen Welt

„Kent“ (Gent), „Abrugs“ (Brügge), „Sant Mir“ (Saint-Omer) … Unter diesen verballhornten Namen erschienen im 12. Jahrhundert verschiedene flämische Städte auf einer Landkarte. Muhammad al-Idrisi vollführte ein Husarenstück. In einer Zeit eingeschränkter Informationen gelang es ihm, die bekannte Welt zu kartieren.

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Al-Idrisi war ein Gelehrter aus einer vornehmen maghrebinischen Familie. Im Auftrag des (christlichen) Königs Roger II. von Sizilien schuf er um 1154 das Kitāb Rujar oder „Buch des Roger“, eine Beschreibung und Karte der ihm bekannten Welt. Sizilien war für Al-Idrisi ein idealer Ort, etwas über Gebiete hinzuzulernen, wo er niemals gewesen war. Viel Wissen kam auf dieser Insel zusammen, einem Schmelztiegel von Christen, Muslimen und Juden und besucht von zahlreichen Händlern und Reisenden. Vermutlich ließ Al-Idrisi sich von ihnen über Städte in den Niederen Landen informieren, die er für wichtig genug hielt, sie auf seiner Karte aufzuführen. Seine Beschreibungen waren nicht immer akkurat, weil er sich dabei auf vage oder ungenaue Zeugnisse stützte. Das war nicht außergewöhnlich: Auch westliche Gelehrte verwendeten zweifelhafte Quellen, wenn sie über ferne Länder schrieben.

<p>Eine vollständige, moderne Version der Weltkarte von Al-Idrisi. Er verortete den Süden oben, sah den Mittleren Osten als Zentrum der Welt. Die Niederlande befinden sich unten rechts.</p>

Wikimedia Commons

Eine vollständige, moderne Version der Weltkarte von Al-Idrisi. Er verortete den Süden oben, sah den Mittleren Osten als Zentrum der Welt. Die Niederlande befinden sich unten rechts.

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Kontakte mit der islamischen Welt

Zu Beginn des Mittelalters war Westeuropa ein wenig fruchtbares Gebiet für Wissenschaft und Kultur. Nach dem Sturz des Weströmischen Reiches (476) war die Region in eine Krise gestürzt. Von dem in der Antike erworbenen Wissen geriet vieles in Vergessenheit. Einzig die großen Abteien bewahrten noch einige griechische und lateinische Werke in ihren Bibliotheken auf. Unter Karl dem Großen (um 800) fand das intellektuelle Leben zu neuer Blüte. Aber Westeuropa hinkte der Welt des Islam, die sich von Südeuropa bis tief nach Zentralasien ersteckte, immer noch hinterher. Besonders in der Region Al-Andalus, dem Süden des heutigen Spanien, arbeiteten Wissenschaftler und Philosophen mit dem Wissen aus der Antike. Islamische und jüdische Gelehrte sorgten dort für neue Entwicklungen in Medizin und Philosophie.

Auch dank der islamischen Welt gelangten Kultur und Wissenschaft ab dem 12. Jahrhundert in Westeuropa zu neuem Leben. Christliche Gelehrte ließen sich von den Schriften aus Al-Andalus beeinflussen. Mathematische Begriffe wie „Algebra“ und „Algorithmus“ entstammen dem Arabischen. Zudem entdeckten die Europäer über die Wissenschaftler aus der Welt des Islam einen Teil des Erbes der klassischen Antike wieder. Wissen wurde so von der einen Gesellschaft zur anderen weitergegeben, und zwar jeweils mit Hinzufügungen und neuen Erkenntnissen.

Fokuspunkte

School van Athene.

Wikimedia Commons, Rom, Vatikanische Museen

Ibn Rushd (Averroes) war ein Kenner der Lehre des Aristoteles. Er hatte tiefgreifenden Einfluss auf das Denken im Westen. Der Maler Raffael bildete ihn Anfang des 16. Jahrhunderts auf seinem Fresko Die Schule von Athen ab (unten links, mit gelbgrünem Mantel und gelbem Turban).

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Islamische Inspiration für christliche Denker

Der muslimische Gelehrte Ibn Rushd lebte im 12. Jahrhundert in Al-Andalus. Er war Arzt, Richter und auch Philosoph. Der Koran hatte für ihn eine symbolische Bedeutung. Er betrachtete Philosophie und Wissenschaft als die wichtigsten Wissensquellen. Ibn Rushd schrieb verschiedene Bücher über den griechischen Philosophen Aristoteles, der seine Inspirationsquelle war. Er hatte einen großen Einfluss auf Westeuropa, wo man seinen Namen zu Averroes (oder Averroës) verballhornte. Lateinische Übersetzungen seines Werks sorgten dafür, dass Ideen des Aristoteles auch christliche Denker erreichten.

Einer dieser Denker war Siger von Brabant. In den 1260er-Jahren lehrte er Philosophie an der Universität van Paris. Er unterrichtete dort über den „heidnischen“ Aristoteles und verwendete hierfür oft das Werk Ibn Rushds. Ob er selbst mit den Vorstellungen einverstanden war, die er dozierte, wissen wir nicht. Gesichert dagegen ist, dass Siger von Brabant Auffassungen verbreitete, die die Kirche als gefährlich für den Glauben ansah. Das brachte ihm eine Verurteilung ein. Auch Ibn Rushds Ideen gerieten am Ende seines Lebens unter Beschuss, weil sie angeblich im Widerspruch zum Islam standen.

Van Rubroeck

Cambridge, Parker Library, Corpus Christi College, MS 66 A, fol. 67r

Ein verzierter Initialbuchstabe aus einer Version des Reiseberichts Van Rubroecks aus dem 14. Jahrhundert.

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Ein flämischer Mönch in der Mongolei

Durch Reisen lernte der mittelalterliche Westen die Welt besser kennen. Ein Bild vom Mittleren Osten hatten viele bereits durch die Kreuzzügedie Kreuzzüge waren Versuche der europäischen Christen, Jerusalem und den Rest des Heiligen Landes von den Muslimen zurückzuerobern . Als diese im 13. Jahrhundert zu Ende gingen, zogen westliche Reisende nach Asien. Das war möglich, weil der mongolische Herrscher Dschingis Khan ein Gebiet erobert hatte, das sich von Osteuropa bis nach China erstreckte. In diesem vereinigten Mongolischen Reich konnte man viel sicherer unterwegs sein als zuvor.

Der flämische Mönch Willem van Rubroeck war ein solcher Reisender. 1253 begab er sich im Auftrag des Königs von Frankreich von Palästina aus auf eine lange Reise nach Karakorum, der Hauptstadt des Mongolischen Reichs. Seine Mission: Dschingis’ Enkel Möngke Khan zu besuchen und zum Christentum zu bekehren, damit Frankreich einen mächtigen christlichen Verbündeten im Kampf gegen die Türken hinzugewänne. Das Ergebnis war nicht wie erhofft: Möngke wollte kein Christ werden.

Willems Reise durch die Steppe jedoch wurde zu einer Informationsquelle für den Westen. Im Jahr 1255 verfasste er einen Bericht von seinen Erfahrungen. Der neugierige Van Rubroeck hatte regelmäßig den Dialog mit der lokalen Bevölkerung gesucht und Interesse an Glauben und Kultur der Muslime, östlichen Christen und Buddhisten gezeigt. Aber seine Vorurteile blieben groß, genau wie die seiner Gesprächspartner. Sie alle hielten den eigenen Glauben für überlegen.

London, Wellcome Collection

Der persische Wissenschaftler Ibn Sina, in Europa unter dem Namen Avicenna bekannt, verfasste im 11. Jahrhundert einen Kanon bzw. eine Enzyklopädie der Heilkunde, die einen großen Einfluss auf den Westen hatte. Der südniederländische Arzt Andreas Vesalius hat im 16. Jahrhundert Avicennas Werk kritisch untersucht.

London, British Library, Royal MS 12 D XIV, fol. 3r

Ein Manuskript der Metaphysica des Aristoteles aus dem 13. Jahrhundert, mit Anmerkungen von Ibn Rushd (Averroes).

Wikimedia Commons, Kopenhagen, Det Kongelige Bibliotek, Thott 411 folio

Der italienische Dichter Dante Alighieri (1265-1321) erwähnte Zeger van Brabant (mit rotem Mantel) Anfang des 14. Jahrhunderts in seiner Göttliche Komödie als einen von zwölf „weisen Männern“.

Den Haag, Königliche Bibliothek, 76 E 5, fol. 1r

Die Dietsche doctrinael ist ein 1345 in Antwerpen geschriebenes Werk zum Thema Ethik. Es basiert auf einem lateinischen Buch des italienischen Juristen Albertanus van Brescia (1195-1251). Die Eröffnungsminiatur zeigt vier Gelehrte, die Albertanus inspirierten. Unten links ist Avicenna abgebildet.

Joos van Ghistele.
Gent: Hendrik van den Keere, 1557; Brüssel, Königliche Bibliothek, II 25.994 A; Google Books

Titelseite der Tvoyage van Mher Joos van Ghistele (Reise des Herrn Joos van Ghistele). Der Genter Edelmann bereiste zwischen 1481 und 1485 die islamische Welt. Sein Reisebericht ist zuverlässiger als die üblichen Erzählungen innerhalb der spätmittelalterlichen europäischen Literatur.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Van Rubroek
De helden van Arnout: Willem Van Rubroeck

Bron: VRT-archief, De chinezen – 4 sep 2017

Cleynaerts
De helden van Arnout: Nicolas Cleynaerts

Bron: VRT-archief, De chinezen – 11 sep 2017

Sachbuch


Wereldgeschiedenis van Vlaanderen

Pelckmans, 2018. 

Al-Khalili Jim
De bibliotheek van Bagdad: de bloei van de Arabische wetenschap en de wedergeboorte van de westerse beschaving

Boekerij, 2012. 

Derolez Albert
Liber Floridus. De oudste geïllustreerde encyclopedie (1121)

Borgerhoff & Lamberigts, 2025.

Frankopan Peter
De zijderoutes. Een nieuwe wereldgeschiedenis

Spectrum, 2017. 

Lyons Jonathan
Het Huis der Wijsheid: hoe Arabieren de westerse beschaving hebben beïnvloed

Uitgeverij Bulaaq, 2010. 

Maalouf Amin
‘Rovers, christenhonden, vrouwenschenners’: de kruistochten in Arabische kronieken

Muntinga, 2001. 

Papy Jan & Tulkens Joris
In de ban van Mohammed. Nicolaes Cleynaerts’ brieven uit de Arabische wereld.

Sterck & De Vreese, 2021.

Van Boesbeeck Ogier Ghiselin, e.a.
Vier brieven over het gezantschap naar Turkije

Verloren, 1994. 

Van Der Straten Alban
De Belgische ontdekkingsreizigers

Lannoo, 2016. 

Fiktionales


Spillebeen Willy
Busbeke of de thuiskomst

Davidsfonds, 2000. 

Spillebeen Willy
Rubroeks reizen

Davidsfonds, 2009. 

Tulkens Joris
Nicolas Cleynaerts. Christenhond tussen moslims

Davidsfonds Uitgeverij, 2018.

Tulkens Joris
De odyssee van Pedro en Luisão

Davidsfonds Uitgeverij, 2019. 

Yourcenar Marguerite
Het hermetisch zwart

Athenaeum, 1968. 

Comics


Filippi Denis-Pierre, Garcia Manuel & Faverau Marie
Djenghis Khan

Daedalus, 2017.

VRT
De Helden van Arnout

Aflevering 2: In het spoor van Willem van Rubroek & aflevering 3: In het spoor van Nicolas Cleynaerts.  (2017)

Radio 1
De wereld van Sofie – 13 mei 2023

Emeritus hoogleraar Philippe De Maeyer (UGent) over Muhammad al-Idrisi.