Paul Jean Clays, Feierlichkeiten auf der Antwerpener Schelde anlässlich der Abschaffung der Scheldezölle im Jahr 1863. | Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, MAS, Bart Huysmans & Michel Wuyts

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1863
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Die Freimachung der Schelde

Antwerpen, Tor zur Welt

Am 1. und 2. August 1863 wurde in Antwerpen gefeiert: die Stadt erhellt mit Lampions, die Straßen voller Menschen, Feuerwerk auf den Kais, auf der Schelde überall geschmückte Schiffe. Fortan musste kein Zoll mehr an die Niederlande entrichtet werden, um die Schelde hinaufzufahren. Eine neue Blütezeit für die Hafenstadt brach an.

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Die Trennung zwischen den Nördlichen und Südlichen Niederlanden am Ende des 16. Jahrhunderts hatte Antwerpens Wohlstand einen schweren Schlag versetzt. Nicht nur flohen reiche Kaufleute und Unternehmer in den Norden, sondern die Stadt verlor auch die Kontrolle über die Scheldemündung. Die Republik der Vereinigten ProvinzenVorläufer der der heutigen Niederlande forderte fortan Zoll von den Schiffen, die von der Nordsee aus Antwerpen erreichen wollten.

Unter der französischen und holländischen Herrschaft wurde die Scheldemündung für kurze Zeit frei, aber nach der Revolution von 1830 musste Belgien erneut einen Zoll akzeptieren. Diese nachteilige Situation dauerte so lange fort, bis Belgien sich 1863 endgültig mit einer einmaligen Summe von dem Zoll freikaufen konnte. Die Freihandelsidee war damals im Vormarsch.

<p>Zwei Dampfschiffe am Antwerpener Rijnkaai um 1900. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ersetzten Dampfschiffe die Segelschiffe. Ab den 1950er Jahren dominierten Schiffe mit Dieselmotor.</p>

Antwerpen, FelixArchief, 2004#2738

Zwei Dampfschiffe am Antwerpener Rijnkaai um 1900. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ersetzten Dampfschiffe die Segelschiffe. Ab den 1950er Jahren dominierten Schiffe mit Dieselmotor.

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Antwerpen, Tor zur Welt

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte der Hafen von Antwerpen eine neue Blütezeit. Die Zahl der Schiffe wuchs rasch, und diese wurden auch immer größer. Die Stadt und die belgische Regierung investierten in Docks, Schleusen, Kräne, Lagerraum und Bahnstrecken. Aus der ganzen Welt zog es Reedereien, Handelsfirmen und Investoren nach Antwerpen.

Der Hafen war nicht nur entscheidend für die Nahrungsmittelversorgung, sondern verlieh auch der Industrialisierung Belgiens weitere Impulse. Über die Schelde wurden Rohstoffe für die Industrie angeliefert. Von Antwerpen legten Schiffe mit in Belgien hergestellten Produkten ab, insbesondere Eisen- und Stahlerzeugnisse. Europäische, aber auch nord- und südamerikanische Länder waren die wichtigsten Handelspartner. Antwerpen wurde ab dem Ende des 19. Jahrhunderts auch zur Drehscheibe in der brutalen Ausbeutung des Kongo-Freistaats, später Belgisch-Kongo. Schiffe transportierten ab 1895 natürliche Reichtümer wie Kautschuk, Elfenbein und Kupfer.

Seit den 1950er-Jahren importierte Antwerpen massenhaft Rohöl, unter anderem aus dem Mittleren Osten. Im Hafen siedelte sich eine petrochemische Industrie an, die das Öl zu Kraftstoffen und Kunststoffen wie Polyäthylen verarbeitete.

In den 1970er-Jahren entwickelte sich der Hafen zu einem logistischen Knotenpunkt zwischen dem westeuropäischen Hinterland und der übrigen Welt. Container wurden herbeitransportiert, gelagert und abermals verladen: übers Meer in immer größeren Containerschiffen, über Land immer öfter per LKW. Als Distributionszentrum und Industriegebiet trug der Hafen stark zum Wirtschaftswachstum des Landes bei. Gleichzeitig verursachte der zunehmende Drogenhandel gesellschaftliche Probleme, und die Mobilität rundum Antwerpen geriet ins Stocken.

Fokuspunkte

Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, MAS, AS.1995.012.064

Abfahrt eines Kongos-Schiffes an Het Steen im Jahr 1956.

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Die Red Star Line und das Kongoschiff

Außer Waren passierten Millionen von Menschen aus der ganzen Welt den Antwerpener Hafen. Zwei Reedereien prägten die jüngere Geschichte der Stadt und erlangten weit über Antwerpen hinaus Bekanntheit.

Van 1873 tot 1934 brachten die Schiffe der US-amerikanischen Reederei Red Star Line Auswanderer und Arbeitsmigranten aus ganz Europa von Antwerpens Rijnkaai nach Philadelphia und New York. In entgegengesetzter Richtung kehrten Menschen zurück, wenn ihre Arbeit beendet war, oder um Verwandte zu besuchen. Insgesamt transportierte die Reederei schätzungsweise 2,5 Millionen Passagiere. Die Verschärfung der amerikanischen Einwanderergesetze in den 1920er-Jahren und die weltweite Wirtschaftskrise der 1930er führten zum Untergang der Red Star Line.

Die berühmten „Kongoschiffe“ der belgischen Reederei Compagnie Maritime Belge transportierten nicht nur Waren zwischen Antwerpen und dem kongolesischen Matadi. Jährlich reisten auch etwa achttausend Passagiere mit, darunter viele Belgier, die in der Kolonie arbeiteten. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen diese immer öfter ihre Familien mit. Auch Kongolesen machten die Überfahrt als Matrosen und bisweilen auch als Passagiere. In den 1960er-Jahren zwangen die Entwicklung der kommerziellen Luftfahrt und das Ende der Kolonisierung die Reederei zu einer Neuorientierung weg vom Passagiertransport hin zu mehreren Destinationen weltweit.

Groene Fietsers.

Peter Lembrechts

Am 6. Oktober 1973 protestierten circa 5000 Radfahrer unter Leitung von Pater Luc Versteylen (1927-2021) auf dem Antwerpener Grote Markt gegen den Bau des Schubschifffahrtskanals Oelegem-Zandvliet. Damit protestierten „de Groene Fietsers“ („die Grünen Radler”) gegen die Opferung empfindlicher Natur für ökonomisches Wachstum. Aus Verstylens ökologischer Bewegung wurde später Agalev (Anders Gaan Leven/Anders leben), aus der wiederum 1977 eine politische Partei wurde.

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Grenzen des Wachstums

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Expansion des Antwerpener Hafens fort. Als seit den 1950er-Jahren immer mehr und immer größere Schiffe in Antwerpen anlegten, entschied sich die belgische Regierung für umfangreiche Investitionen. Entlang des rechten Scheldeufers wurden Docks bis an die niederländische Grenze gegraben. Schleusen und Kanäle verringerten die Abhängigkeit von den Gezeiten, Ausbaggerungen machten den Fluss tiefer und breiter. Auch am linken Ufer wurde der Hafen erweitert. In Doel wurde 1969 mit dem Bau eines ersten Atomkraftwerks begonnen. Für das Wachstum des Hafens mussten die Polderdörfer Oosterweel, Wilmarsdonk und Oorderen weichen und Tausende Menschen gezwungenermaßen umziehen. Auch Ackerland und einzigartige Naturgebiete wurden geopfert.

Proteste gegen die Hafenexpansion gab es schon früh, aber seit den 1970er-Jahren nahmen diese deutlich zu. Die aufkommende Umweltbewegung setzte die starke Luft- und Wasserverschmutzung auf die politische Agenda. Auch gegen Atomkraft wurden Aktionen unternommen. Das angekündigte Verschwinden des Dorfes Doel, in dem das AKW gebaut worden war, sollte ebenfalls jahrelang angefochten werden.

Seit dem 21. Jahrhundert ist die Klimaerwärmung ein immer dringlicheres Problem. Mit seinen riesigen Petroleumraffinerien, der Treibhausgas ausstoßenden Industrie und dieselbetriebenen Schiffe und LKWs hat der Hafen eine wichtige Rolle und Verantwortung in der Umstellung hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft.

Rond 1500 groeide Antwerpen uit tot de belangrijkste haven van Noordwest-Europa. Ets van de Antwerpse prentkunstenaar Joris Hoefnagel, rond 1574 of 1598. De stadsomwalling en de citadel zijn goed te zien.
Universität Antwerpen, Sonderbestände, Kupferstichkabinett, tg:uapr:31

Um 1500 entwickelte sich Antwerpen zum wichtigsten Hafen Nordwesteuropas. Radierung des Antwerpener Grafikkünstlers Joris Hoefnagel, etwa 1574 oder 1598. Die Stadtmauer und die Zitadelle sind gut zu erkennen.

Schelde Vrij monument.
Antwerpen, FelixArchief, GP#8322

Seit 1883 ziert das Monument „Schelde Vrij“ den Antwerpener Marnixplaats. Denkmäler, Gedenkfeiern, Ausstellung und Geschichtsbücher stellten die Befreiung der Schelde als den symbolischen Wendepunkt in der Geschichte des Antwerpener Hafens dar.

Eugeen Van Mieghem.
Privatsammlung

Eugeen Van Mieghem, Emigranten in de Montevideostraat, 1899. Der Antwerpener Künstler (1875-1930) verewigte in diesem Pastellgemälde eine Gruppe jüdischer Auswanderer aus dem Russischen Reich, die vor den Gebäuden der Reederei Red Star Line warten.

Wikimedia Commons

Blick auf das Entrepôt du Congo am Antwerpener Plantinkaai. Das Lagerhaus gehörte zur Handelsfirma von Edouard Bunge (1851-1927), die eine Drehscheibe für Kautschuk und Elfenbein war. Bunge finanzierte auch König Leopold II. und den Unabhängigen Kongostaat.

Schelde laden en lossen.
Antwerpen, FelixArchief GP#8346

Be- und Entladen im Antwerpener Hafen, um 1900.

Antwerpen, FelixArchief, FOTO-HB#1458

Wilmarsdonk war eines der Polderdörfer, die nach dem Zweiten Weltkrieg weichen mussten, um Platz für den Antwerpener Hafen zu machen. Nur der Kirchturm blieb stehen.

Petrochemische cluster 1979.
Antwerpen, FelixArchief, FOTO-HB#2468

Petrochemie im Antwerpener Hafengebiet. Anno 2023 verfügt Antwerpen über den größten petrochemischen Cluster Europas.

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Elsschot Willem
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Van Ginderachter Maarten, Aerts Koen & Vrints Antoon (red.)
Het land dat nooit was: een tegenfeitelijke geschiedenis van België

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Declercq Gilbert
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Van Gucht Luc & Morjaeu Luc
Suske en Wiske. Sterrenrood (nr. 342)

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