Reuzenstoet.

Im Jahr 2012 nimmt erstmals Riesin Fatima mit verschiedenen anderen neuen Riesen am Riesenumzug in Borgerhout teil. | Fotograf Bert Stephani

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2012
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Die Welt in Flandern

Jedes Jahr in der vierten Septemberwoche ziehen die Riesen von Borgerhout wieder los, umringt von Musikanten und Prunkwagen. Neben vier traditionellen Figuren bietet der Umzug mittlerweile auch Platz für neue Riesen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen.

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Der Umzug der Riesen von Borgerhout geht auf das Jahr 1712 zurück. Damals erschienen Riese, Riesin, Kinnebaba und Delfin als feste Figuren in einer jährlichen Straßenparade. Die Tradition überlebte die Französische Revolution Ende des 18. Jahrhunderts, weil die Franzosen die Riesen in die republikanischen Feste integrierten, aber zweihundert Jahre später nahm das Interesse aufgrund des sich auflösenden Gemeinschaftslebens ab. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die Dynamik verebbt. Der Wendepunkt kam mit dem 300. Geburtstag im Jahr 2012. Damals schlossen sich verschiedene Vereine und ethnisch-kulturelle Gemeinschaften mit einem eigenen Riesen der Veranstaltung an, und der Umzug lebte wieder auf. 2021 begrüßten die Reuskens („Kleinen Riesen“) von Borgerhout eine Riesenpuppe namens Little Amal, die ein syrisches Flüchtlingsmädchen darstellt.

<p>Nikolausfeier für Kinder im Klein Kasteeltje in Brüssel, 9. Dezember 1989. Das Kleine Schloss, eine Militärkaserne aus dem 19. Jahrhundert, war nach dem Zweiten Weltkrieg für viele tausende Belgier die erste Begegnung mit der Wehrpflicht. Seit 1986 ist das Klein Kasteeltje ein Aufnahmezentrum für Geflüchtete und zugleich das größte und älteste Aufnahmezentrum Belgiens.</p>

Gent, Amsab-ISG, Fotograf Philippe Dijkmans

Nikolausfeier für Kinder im Klein Kasteeltje in Brüssel, 9. Dezember 1989. Das Kleine Schloss, eine Militärkaserne aus dem 19. Jahrhundert, war nach dem Zweiten Weltkrieg für viele tausende Belgier die erste Begegnung mit der Wehrpflicht. Seit 1986 ist das Klein Kasteeltje ein Aufnahmezentrum für Geflüchtete und zugleich das größte und älteste Aufnahmezentrum Belgiens.

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Die Welt in Flandern

Völker bilden selten homogene, geschlossene Gemeinschaften. Durch Handelskontakte untereinander sowie Migration ändert sich ihre Zusammensetzung. Auch die niedrig gelegenen Gebiete an der Nordsee waren nie ein isoliertes Stück Erdboden.

Im 19. Jahrhundert nahm die Bevölkerung in Europa stark zu. Bis nach dem Ersten Weltkrieg war Belgien hauptsächlich ein Auswanderungsland. Es zogen mehr Belgier ins Ausland als Ausländer hierher; besonders Flandern war eine Auswandererregion. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte infolge des Wirtschaftswachstums ein Arbeitskräftemangel. Von 1945 bis 1975 brachte die organisierte Arbeitsmigration zehntausende Migranten besonders aus den Mittelmeerländern in unsere Regionen. Auch danach setzte sich die Migrationsdynamik durch Familienzusammenführung, den freien Personenverkehr im vereinten Europa, internationale Studienprogramme, Flüchtlinge und Menschen auf der Suche nach einer besseren Existenz weiter fort.

Heute ist Flandern eine superdiverse Region. Annähernd ein Viertel der gut 6.700.000 Einwohner der Flämischen Region hat eine fremde Nationalität oder einen Migrationshintergrund. Für ganz Belgien sind dies ein Drittel. Zwanzig Prozent dieser Gruppe in Flandern stammt aus den Nachbarländern, etwas mehr als die Hälfte kommt aus Ländern außerhalb der Europäischen Union. Infolge der Arbeitsmigration der Nachkriegszeit haben viele Einwohner italienische, marokkanische oder türkische Wurzeln. Daneben zählt Flandern Menschen, die aus annähernd 200 Staaten der Welt kommen. In den großen Städten fällt die Diversität der Bevölkerung schon viel länger ins Auge; mittlerweile lassen auch immer mehr Menschen mit einem Migrationshintergrund sich in ländlichen Gemeinden nieder.

Fokuspunkte

Vreemde biechtvader.

Eisden, Stichting Erfgoed Eisden, Robert Szostek

Beichten in einer Fremdsprache. Holztafel mit kleinen Schubfächern unter Angabe der Sprachen, in denen in der Bergbaustadt Eisden Beichtväter zur Verfügung stehen. Ab 1923 in der Notkirche und seit 1936 in der St.-Barbara-Kirche.

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Globalisierung und Verflechtung

Die Geschichte der Menschheit wurde immer in starkem Maße von Handel, kulturellem Austausch und Migration bestimmt gewesen, aber seit dem 16. Jahrhundert gewann die Globalisierung – die weltweite Integration wirtschaftlicher, politischer und kultureller Prozesse – besonders an Fahrt. Neue Transport- und Kommunikationsmittel spielten dabei eine ausschlaggebende Rolle.

Lange Zeit war der Westen der Motor dieser Globalisierung. Europäische Länder haben große Teile der Welt kolonisiert. Das führte zu Sklaverei, Ausbeutung und dem großangelegten Raub lokaler Rohstoffe, wovon die europäische Industrie profitierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkämpften die kolonisierten Gebiete sich ihre Unabhängigkeit, aber wir ringen bis heute mit dieser schmerzlichen Vergangenheit. Wirtschaftlich neigt sich die Waagschale auch heute noch zugunsten des Westens, der Konsumgüter einführt, die teils durch moderne Sklaverei, Kinderarbeit und umweltverschmutzende Produktionsprozesse zustande kommen.

Gleichzeitig erleben die westlichen Länder selbst die Folgen der Globalisierung. Nach 1945 suchten sie neue internationale Zusammenschlüsse, um neue Kriege zu verhindern, aber auch, um ihre Stellung in der Welt zu sichern, erst gegenüber der kommunistischen Sowjetunion und deren Verbündete, später gegenüber neu erstarkenden Mächten wie China und Indien. Inzwischen sind europäische Länder zum Anziehungspunkt für Migration aus allen Erdteilen geworden. Diese Entwicklung vergrößert die gegenseitige Abhängigkeit, um Herausforderungen wie Sicherheit, Klimawandel und Wohlfahrtssicherung gewachsen zu sein.

OKAN.

Antwerpen, Stedelijk Lyceum Lamorinière, 2022, Sigrid Spinnox

Die zunehmende kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer stellt Schulen vor neue Herausforderungen. Eine davon ist die Beherrschung der niederländischen Sprache. Schüler, die noch nicht über ausreichende Niederländischkenntnisse verfügen, können in sogenannten Empfangsklassen für Anderssprachige Neuankömmlinge) (OKAN) unterrichtet werden.

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Diversität

Heute gibt es viele Spuren von Diversität in Flandern. Manche Wirtschaftsbereiche wie der Bau- und Reinigungssektor funktionieren weitgehend mit ausländischen Arbeitskräften. Große Infrastrukturbauten wie die Oosterweel-Verbindung in Antwerpen wären ohne Arbeitsmigration nicht möglich. In Sport, Film, Theater, Tanz und Literatur spielen Flamen mit einem Migrationshintergrund eine tonangebende Rolle. Und nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein enormer kulinarischer Reichtum entstanden, nicht nur in der Varietät der Restaurants, sondern auch in der täglichen Ernährung.

Auch auf weltanschaulicher Ebene hat die Diversität zugenommen. Der übergroße Teil der Bevölkerung war lange Zeit katholisch; eine kleine Minderheit war anglikanisch, protestantisch bzw. evangelisch oder jüdisch. Die Einwanderung aus Marokko und der Türkei seit 1964 brachte auch den Islam nach Belgien. 1974 wurde der Islam ein anerkannter Kultus. Es wurde auch selbstverständlicher, sein Leben unabhängig von jedweder Religion zu gestalten.

Die zunehmende Diversität fördert die Verjüngung, sie stärkt die Wirtschaft und bereichert die Kultur, bringt aber auch gesellschaftliche Probleme mit sich. Anfangs war staatlicherseits kaum eine Integrationspolitik für „Gastarbeiter“ vorgesehen. Das führte zu Konflikten, Verfremdung, Rassismus und später religiösem Fundamentalismus. „Einbürgerung“ ist jetzt ein Schwerpunkt praktischer Politik. Aber Migration stellt Schulwesen, Wohnungspolitik und den Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen. Der Umzug der Riesen von Borgerhout hat bereits eine Formel gefunden, verschiedene Gemeinschaften miteinander zu verbinden.

Hongaarse vluchtelingen.
Privatsammlung Vera Hajtó

Ungarische Flüchtlinge in Denderleeuw, 1925. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in Belgien „Kinderaktionen” ins Leben gerufen, um Kinder aus dem notleidenden Ungarn vorübergehen aufzunehmen. Auf Initiative meist katholischer Organisationen kamen zwischen 1923 und 1927 über 20.000 Kinder nach Belgien. Sie wohnten mindestens ein halbes Jahr bei Gastfamilien, wo sie auch die Schule besuchten. Nach dem Zweiten Weltkrieg, zwischen 1946 und 1948, wurde die Aktion in kleinerem Umfang wiederholt.

Pastoor bouwt moskee in tuin.
Löwen, KADOC-KU Leuven, Kerk en Leven

Kerk en Leven (Kirche und Leben), 18. Januar 1968. Dieses katholische Wochenblatt hatte lange die höchste Anzahl registrierter Leser pro Jahr. In der Ausgabe vom 18. Januar 1968 berichtet Pfarrer Frans Verachtert (1913-1996) von Hoboken über seine Pläne, den Pfarreigarten für den Bau einer Moschee zur Verfügung zu stellen. Im Juli 1972 wurde diese in der Achturendagstraat eingeweiht. Heute ist sie als „Moscheeverein und islamisches Kulturzentrum“ bekannt.

Jaïntempel Wilrijk.
Wikimedia Commons, Fotograf Abdel Sinoctou

Der Jain-Tempel von Wilrijk, 2010. Der Jainismus ist eine indische Philosophie und Religion, in deren Mittelpunkt die vollständige Gewaltlosigkeit steht. Der marmorne Jain-Tempel ist der größte außerhalb Indiens. Er wurde in Indien erbaut und von dort aus er nach Wilrijk verschifft. Die Initiative für seinen Bau ging von Jains aus, die im Antwerpener Diamantensektor tätig.

Chinatown.
Wikimedia Commons, Callflier001

Wer durch die Van Wesenbekestraat schräg gegenüber dem Antwerpener Zentralbahnhofs geht, kommt unter einem chinesischen Tor hindurch, wo er bzw. sie zu beiden Seiten von Löwen begrüßt wird. Obwohl es hier und in der nicht weit entfernten Van Arteveldestraat ganz verschiedene asiatische Geschäfte und Restaurants gibt, wird das Viertel Chinatown genannt.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

20 jaar klein kasteeltje
Karrewiet

Bron: VRT archief – 13 nov 2006

Amal
Karrewiet – the Walk with Amal

Bron: VRT archief – 6 nov 2021

Geboortecijfers
Journaal

Bron: VRT archief – 31 jan 2023

Asielzoekers
Karrewiet

Bron: VRT archief – 9 maa 2023

Migrantenrapport
Kinderen van de migratie

Bron: VRT archief – 31 aug 2021

Spanje interbellum
Fans of Flanders

Bron: VRT-archief, Borgerhoff & Lamberigts – 8 jun 2014

Weet ik veel – Asiel
#weetikveel

Bron: VRT archief, Dedsit – 24 feb 2022

Sachbuch


Caestecker Frank
Vluchtelingenbeleid in de naoorlogse periode

VUBPress, 1992. 

Chakkar Mohamed (red.)
Dakira. 50 jaar Marokkaanse migratie

Federatie van Marokkaanse Verenigingen, 2014. 

De Cock Michael
Aller/Retour De grenzen van fort Europa

Meulenhoff/Manteau, 2010.

De Gendt Tina
Turkije aan de Leie. 50 jaar migratie in Gent

Lannoo, 2014. 

Huet Leen, e.a.
Ik kom van ver: verhalen van 43 vrouwen van over de hele wereld

Davidsfonds, 2013. (12+) 

Morelli Anne
Geschiedenis van het eigen volk. De vreemdeling in België van de prehistorie tot nu

Kritak, 1993. 

Naegels Tom
Nieuw België. Een migratiegeschiedenis

Lannoo, 2021. 

Regionaal Integratiecentrum Foyer (red.), Raats Jonas, Leonard Ingrid en Vandebroek Hannelore
‘On est là’. De eerste generatie Marokkaanse en Turkse migranten in Brussel 1964-1974

Garant, 2014. 

Vandecandelaere Hans
In Brussel. Een reis door de wereld

Epo, 2012. 

Fiktionales


Agterberg Tosca
Tom & Samira

Kluitman, 2019. (4+)

Albbdiouni Naima, e.a.
Kif kif: nieuwe stemmen uit Vlaanderen

Meulenhoff/Manteau, 2006. (Verhalenbundel) 

Al Galidi Rodaan, e.a.
Er zijn geen paarden in Brussel

EPO, 2015. (16+)

Anrys Stefaan, e.a.
Los Ninos Tien vluchtelingenkinderen uit de Spaanse Burgeroorlog vertellen

Uitgeverij EPO, 2007.

Aukes Hannah
Operatie Bloemenbuurt

Clavis, 2023. (9+)

Bakali Somia & De Bode Ann
Bij mij thuis

Van Halewyck, 2019. (4+)

Balthazar Nic
Neeland

Lannoo, 2013. (15+)

Bleyen Jan
Ooit zal ik iemand zijn. Vriend zonder papieren

Manteau, 2022.

Bracke Dirk
Chicago

Davidsfonds Infodok, 2023. (14+)

Bracke Dirk
Henna op de huid

Davidsfonds Infodok, 2005. (13+)

Cheung On-Chi & Philippe Ping Fai
Een hart van mandarijntjes

Van Halewyck, 2007. (16+)

Cosemans Sara
Meneer Singh en mevrouw Kaur in België. Migratie, gender en integratie in de sikh-gemeenschap

Acco, 2012.

Damon Emma
Geloof jij wat ik geloof?

Tango Books, 2000. (5+)

Danckers Evy
Mijn negen levens

Uitgeverij C. de Vries-Brouwers, 2019. (15+)

De Bode Ann
Mijn straat

De Eenhoorn, 2012. (3+)

De Cock Michael & Vanistendael Judith
Rosie en Moussa

Querido (reeks kinderboeken, 7+) 

De Stoop Chris
Wanneer het water breekt

De Bezige Bij, 2018. (16+)

El Azouzi Fikry
Drarrie in de nacht

Vrijdag, 2014. 

Elias Bettie
De lege schommel. Het verhaal van Azmi, een vluchtelingenkind

Davidsfonds Infodok, 2017. (12+)

Hermans Dalilla
Brown girl magic

Davidsfonds Infodok, 2018. (7+)

Franck Ed
Vechten om een levend huis

Infodok, 1989. (9+)

Frateur Haryanti & Van Praag Marie
Yanti. Over de reis van haar leven

Studio Sesam, 2018. (9+)

Janssen Kolet
Kofi moet weg

Clavis, 2014. (10+)

Koubaa Laïla, Koubaa Bart, e.a.
Buiten de lijntjes. Geef kleur

Vrijdag, 2017. (9+)

Lamrabet Rachida
Vrouwland

Meulenhoff/Manteau, 2007. 

Madame Monsieur
Mercy. Zo heet ik

De Eenhoorn, 2020. (6+)

Massy Ria
De film van Abel

Vrijdag, 2018. (16+)

Massy Ria
De taart van Tamid

Vrijdag, 2014. (16+)

Mortier Erwin & Blancquaert Lieve
Niemand weet dat ik een mens ben. Minderjarige vluchtelingen en hun verhaal

De Bezige Bij, 2010. (14+)

Noori Fatima
Het boek van Fatima. Een stem tegen de stilte

Davidsfonds Infodok, 2021. (11+)

Ouaamari Mohamed
Groetjes uit Vlaanderen

Prometheus, 2020. 

Persoons Berti
Vlucht naar de hemel

Clavis, 2021. (13+)

Spillebeen Willy
Een pluisje van de zee

Houtekiet, 1989. (12+)

Timouzar Khadija & Coebergh Mijke
Feest voor Ilyas

Studio Sesam, 2017. (3+)

Van Campenhout Herman
Ella & Fati

Kramat, 2019. (12+)

Van Mol Sine
Mag ik overvaren?

De Eenhoorn, 2002. (9+)

Verrips Ada
Asielzoekers in het dorp

Den Hertog, 1994. (9+)

Vuylsteke Catherine
Vroeger is een ander land. Acht aangespoelde jonge levens

De Bezige Bij, 2011.

Comics


Strzelecki Caryl & Vranckx Rudy
Verloren

Lannoo, 2016.

Vanistendael Judith
De maagd en de neger

Oog & Blik, 2012.

Mijnerfgoed
Afrit 27: een documentaire over 50 jaar migratie

(2014) 

Kinderfilm
Rosie en Moussa

(2018) 

Vluchtelingenwerk Vlaanderen
Bordspel – ‘This is not a game’

Met verhalen van vluchtelingen (Uitleenbaar via de openbare bibliotheek)