James Ensor, Der Einzug Christi in Brüssel im Jahr 1889, 1888-1889. | Los Angeles, J. Paul Getty Museum
Der Einzug Christi in Brüssel im Jahr 1889 von James Ensor
Erneuerung in der bildenden Kunst
Der Einzug Christi in Brüssel im Jahr 1889 ist das ehrgeizigste Werk des Ostender Künstlers James Ensor (1860-1949). Das Gemälde illustriert den neuen Weg, den die belgische Kunst Ende des 19. Jahrhundert einschlug.
Das Erneuernde am Einzugs Christi war die Malweise: grelle, expressive Farben, vereinfachte Formen und Figuren. Aber auch die Bildsprache und die kritische Botschaft waren für ihre Zeit revolutionär. In diesem Monumentalwerk interpretierte Ensor den Einzug Christi in Jerusalem, eine biblische Episode, die allen im damaligen katholischen Belgien geläufig war. Er verlegte das Geschehen nach Brüssel und präsentierte den Einzug wie einen Karnevalsumzug mit Clowns, Skeletten und maskierten Gestalten als Symbol für die menschliche Scheinheiligkeit. Transparente mit Losungen wie „vive la sociale“ verweisen auf den damaligen Kampf der Arbeiterbewegung um mehr Rechte. Zentral, aber klein dargestellt, steht Jesus da. Ensor identifizierte sich gern mit dieser Figur. Schließlich wurde dieser genau wie der Künstler von der Masse falsch verstanden. Mit diesem Gemälde wurde Ensor wie Edvard Munch und Vincent van Gogh zu einem der Vorläufer des Expressionismus.
Ostende, Mu.ZEE, www.artinflanders.be, Fotograf unbekannt
James Ensor, Selbstporträt mit Blumenhut, 1883.
Erneuerung in der bildenden Kunst
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die belgische Kunstwelt gespalten. Etablierte Künstler wie Gustaaf Wappers und Nicaise De Keyser malten Szenen, die die belgische Geschichte verherrlichten. Ihr Stil war von berühmten Vorgängern wie Peter Paul Rubens inspiriert und zeichnete sich durch deutlich umrissene Formen, idealisierte Figuren und harmonische Kompositionen aus.
James Ensor aus Ostende war der Sohn eines englischen Vaters und einer flämischen Mutter. Er gehörte zu einer Generation international ausgerichteter Künstler, die nach einer anderen Bildsprache suchten. Realisten wollten das Leben wiedergeben, wie es war. Impressionisten experimentierten mit Licht und Farbe. Bei Symbolisten ging es um Emotion, Ausdruck und Spiritualität. Vorläufer des Expressionismus wollten vor allem ein Gefühl ausdrücken, mit vereinfachten Formen und lebendigen Farben. In Ensors Werk finden sich Elemente aus all diesen Strömungen.
Paris war das europäische Zentrum der künstlerischen Erneuerung, aber auch Brüssel zog ausländische Künstler an. Befürworter der künstlerischen Freiheit wie Ensor, Fernand Khnopff und Théo Van Rysselberghe vereinigten sich in Künstlerzirkeln wie Les XX. Sie organisierten eigene Ausstellungen abseits der offiziellen, wo ihre Werke oft nicht willkommen waren. Sie umgaben sich mit Schriftstellern und Intellektuellen, die in Zeitschriften wie L’Art moderne die Neuerungen in der Kunst verteidigten. Die progressive städtische Elite kaufte ihre Arbeiten und unterstützte Künstler finanziell.
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