Marie Belpaire an ihrem Schreibtisch, um 1910. | Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Letterenhuis, tg:lhph:11951

Künste & Wissenschaften
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1853 - 1948
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Marie Belpaire

Die Mädchen zur Schule

Im 19. Jahrhundert waren die Bildungschancen für Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung äußerst begrenzt. Die katholische Schriftstellerin Marie Belpaire machte es zu ihrer Lebensaufgabe, das zu ändern. Sie organisierte Unterricht für Mädchen und setzte sich sehr für den Zugang von Frauen zu Hochschulen und Universitäten ein.

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Ab 1874 organisierte Belpaire mit Privatkapital Grundschul- und berufsbildenden Unterricht für Mädchen aus dem Volk in Antwerpen. Ihr Einsatz verlagerte sich ab den 1890er-Jahren von diesem Volksunterricht zum mittleren und höheren Unterricht für Frauen des Bürgertums. Anfangs wurde auf Französisch unterrichtet, aber ab 1911 in der St.-Ludgardisschule auch auf Niederländisch. Das war neu. Belpaire stand mit an der Wiege der katholischen flämischen Hochschulerweiterung für Frauen, wo Frauen Wissenschaften und Philosophie studieren konnten. Die Krönung ihres Werks war die Gründung der Katholischen Flämischen Hochschule für Frauen im Jahr 1919 in Antwerpen. Aber Belpaire tat mehr: Sie spielte jahrzehntelang eine Schlüsselrolle im flämischgesinnten intellektuellen und literarischen Leben.

<p>In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lernten Mädchen aus armen Familien in Ost- und Westflandern in den sogenannten Klöppelschulen ein wenig Lesen und Rechnen. Oft waren diese Mädchen billige Arbeitskräfte. Hier sind sie bei der Arbeit in der Klöppelschule der Apostolinnen in Brügge (1901).</p>

Löwen, KADOC-KU Leuven, Archiv Lammens-Verhaegen, 3a32/06A, Dossier 759

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lernten Mädchen aus armen Familien in Ost- und Westflandern in den sogenannten Klöppelschulen ein wenig Lesen und Rechnen. Oft waren diese Mädchen billige Arbeitskräfte. Hier sind sie bei der Arbeit in der Klöppelschule der Apostolinnen in Brügge (1901).

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Die Mädchen zur Schule

Den Feministinnen des 19. Jahrhunderts war bewusst, dass ohne soliden Unterricht aus der Emanzipation der Frau nichts werden würde. Weiterführendes Lernen für Mädchen aus dem Bürgertum widersprach jedoch dem Idealbild der Frau als Ehegattin und Mutter. Kinder aus niedrigeren Schichten kamen durch Armut und Kinderarbeit erst recht nicht für eine gute schulische Ausbildung in Betracht.

Für Jungen organisierte die Regierung seit 1850 einen weiterführenden Unterricht. Mädchen blieben nach der Grundschule auf die Schulen weniger religiöser Kongregationen angewiesen. Diese boten nur eine begrenzte Zahl von Ausbildungen an, etwa in Hauswirtschaft oder als Grundschullehrerin. Isabelle Gatti de Gamond sorgte 1864 in Brüssel für die erste städtische weiterführende Mädchenschule. Andere Städte folgten.

Ab den 1880er-Jahren richtete auch die Regierung weiterführende Mädchenschulen ein, aber diese boten keine Lernrichtungen mit Latein und ausreichend Mathematik an, wie man sie für die Universität benötigte. Private Initiativen wie die von Belpaire taten dies wohl und sorgten so für einen besseren Zugang von Frauen zu akademischer Bildung. In den 1880er-Jahren öffneten die Universitäten von Brüssel und Gent ihre Türen für Studentinnen, Löwen tat das erst nach dem Ersten Weltkrieg. Ab 1925 boten auch die staatlichen weiterführenden Mädchenschulen alle Lernrichtungen an. Die Maßnahme mit der größten Auswirkung für Mädchen sämtlicher sozialer Schichten jedoch war die Einführung der allgemeinen Schulpflicht bis 14 Jahre im Jahr 1914.

Fokuspunkte

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Isala Van Diest (1842-1916), um 1870.

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Isala Van Diest: Belgiens erste Ärztin

Berufe wie Arzt und Anwalt waren nur denjenigen zugänglich, die über den gesetzlich vorgeschriebenen Universitätsabschluss verfügten. Aber Frauen wurden zu einer akademischen Ausbildung gar nicht erst zugelassen. Das erfuhr auch Isala Van Diest aus Löwen. Ihr Arztdiplom erlangte sie nicht widerstandslos. In Ermangelung des erforderlichen vorbereitenden Unterrichts in Belgien ging sie im Ausland zur Schule. Dennoch weigerte sich die Universität Löwen 1873, sie für die ärztliche Ausbildung zu immatrikulieren. Als Kompromiss durfte sie am Unterricht für Hebammen teilnehmen. Van Diest sah darin keine Option und suchte ihr Heil außerhalb von Belgien. An der Universität von Bern fanden Frauen mit wissenschaftlichen Ambitionen aus der ganzen Welt zusammen. Van Diest promovierte zunächst in Naturwissenschaften und vollendete im Mai 1879 ihr Medizinstudium.

Zurück in Belgien stieß sie erneut auf Widerstand. Erst nachdem sie zusätzliche Fächer an der ULB (Université Libre de Bruxelles) absolviert hatte, erhielt sie 1884 endlich die Genehmigung, eine Arztpraxis zu eröffnen. Sie arbeitete zunächst als Ärztin für Le Refuge, einer Auffangstelle für Prostituierte.

1890 eröffnete ein Gesetz Frauen den Zugang zu allen akademischen Ausbildungen. Aber damit war der Kampf noch nicht vorbei. In der Praxis blieben viele Ausbildungen und Laufbahnen den Männern vorbehalten. Es dauerte bis 1976, bevor die Regierung alle Berufe obligatorisch für Männer und Frauen zugänglich machte.

Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Letterenhuis

Willem Geets, Porträt der Virginie Loveling (1836-1923), 1914.

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Die scharfe Feder der Virginie Loveling

Trotz des Mangels an Ausbildungsmöglichkeiten und der DiskriminierungAusgrenzung oder Benachteiligung von Personen aufgrund ihres sozialen Status, des Geschlechts oder Glaubens im öffentlichen Leben spielten manche Frauen im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Meistens entstammten sie einem privilegierten Milieu. Belpaire war eine von ihnen, ebenso die Schriftstellerin Virginie Loveling.

Loveling hatte zu Hause, in einem liberalen, freigeistigen Milieu, dank privaten Unterrichts eine kulturell anspruchsvolle Erziehung genossen. Sie baute sich eine Karriere als vielgelesene und preisgekrönte Autorin auf, die ihre scharfe Feder für Dinge einsetzte, an die sie glaubte. In dem aufsehenerregenden Roman Sophie von 1884 kritisierte sie die Intoleranz der ländlichen Pastoren und die Macht der Kirche während des Schulstreits. In ihren Romanen stellte sie Protagonistinnen vor, die den gesellschaftlichen und persönlichen Kampf von Frauen nachvollziehbar machten.

Trotz weltanschaulicher Meinungsunterschiede freundeten sich Loveling und Belpaire miteinander an. Sie fanden sich über Literatur und feministische Themen wie mehr und besserem Unterricht für Mädchen. 1914 organisierten sie gemeinsam in Antwerpen die Ausstellung De hedendaagsche vrouw („Die heutige Frau“), die die Beiträge von Frauen zur Gesellschaft ins Rampenlicht stellte. Isala Van Diest war Ehrenvorsitzende des Organisationskomitees.

Gent, Archiv der Universität Gent, ARUG_P02416

Sidonie Verhelst (1859-1906) war 1882 die erste Studentin an der staatlichen Universität Gent.

Dietsche Warande & Belfort, 1905

Marie Belpaire war Eigentümerin und Sponsorin der renommierten literarisch-kulturellen Zeitschrift Dietsche Warande & Belfort.

Jongens en meisjes jonger dan veertien jaar werden ook op de drempel van de 20e eeuw nog altijd in grote aantallen aan het werk gezet in fabrieken en landbouwbedrijven. De in 1914 ingevoerde leerplicht bracht hier verandering in. De foto toont hoppeplukkers in Hekelgem, vandaag deel van Affligem, in 1913.
Verlag Wed. Cornelis, 1913. Postkartensammlung Belfius Bank, Académie Royale de Belgique

Jungen und Mädchen unter vierzehn Jahren wurden auch an der Schwelle zum 20. Jahrhundert noch in großer Zahl in Fabriken und landwirtschaftlichen Betrieben als Arbeitskräfte eingesetzt. Die 1914 eingeführte Schulpflicht brachte eine Wende. Das Foto zeigt Hopfenpflücker in Hekelgem, das heute zu Affligem gehört, im Jahr 1913.

Katholieke Vlaamse Hogeschool voor vrouwen.
Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Letterenhuis, H 7205/P

Gruppenfoto der Studentinnen sowie der Dozenten und Dozentinnen der Katholischen Flämischen Hochschule für Frauen in Antwerpen, um 1920.

Löwen, Universitätsarchiv KU Leuven, Archiv und Museum des flämischen Studentenlebens

Im Jahr 1929 zählte Belgien 1098 Studentinnen im Vergleich zu 9266 Studenten. Studentinnen an der Universität von Löwen im akademischen Jahr 1926-1927. Auf diesem Foto sind die Studentinnen der St.-Gertrudis Abtei abgebildet.

Erfahren Sie mehr über dieses Thema

Curriculum – Maria Verstraeten
Vlaamsche Koppen – Archief De Landtsheer (restauratie: Koninklijk Belgisch Filmarchief)

Bron: VRT-archief en Cinematek – 19 dec 1980

Virginie Loveling
Publiek geheim – Het Duits vliegveld van Gontrode

Bron: VRT-archief, Piet Dhaenens, Cynrik De Decker – 25 okt 2011

‘Ik weet niet’
Vlaanderen Vakantieland

Bron: VRT-archief – 17 okt 1998

Sachbuch


Bel Jacqueline, e.a.
Schrijvende vrouwen: een kleine literatuurgeschiedenis van de Lage Landen (1880-2010)

Amsterdam University Press, 2010. 

Bracke Nele
Werken en leren. Kantwerkscholen tijdens de tweede helft van de negentiende eeuw

Oost-Vlaamse Zanten, 77, 2002-1, p. 14-27. 

Coremans Luc
Vrouwen aan het front: van Dorothy Lawrence tot Marie Curie

Davidsfonds, 2014. 

De Maeyer Jan & Wynants Paul (red.)
Katholiek onderwijs in België. Identiteiten in evolutie, 19de-21ste eeuw

Halewijn, 2016. 

Dekeyser Dorinda, e.a.
Vrouwenfaam op straatnaam: vrouwen maken naam

Garant, 1999. 

Deruyttere Michel
Markante vrouwen in de geneeskunst

Houtekiet, 2014. 

Gubin Eliane
Liberalisme, féminisme et enseignement des filles en Belgique au XIXe et au début du XXe siècle

In: Gubin, Eliane, Choisir l’histoire des femmes, Editions de l’Université de Bruxelles, 2007, p. 127-144. 

Gubin Eliane, e.a.
Dictionnaire des femmes belges: XIXe et XXe siècles, L’Institut pour l’égalité des femmes

2006.

Loveling Virginie
Oorlogsdagboeken 1914-1918

Uitgegeven door Sylvia van Peteghem en Ludo Stynen, Manteau/Meulenhoff, 2005. 

Rymenants Geraldine
Marie Elisabeth Belpaire. Gender en macht in het literaire veld 1900-1940

UPL, 2013. 

Scheerlinck Karl, e.a.
Marie-Elisabeth Belpaire: een vrouw met impact

Academia Press, 2019. 

Sciot Eline, Debaene Marjan & Vandekerkchove Veronique
Isala en Louise, twee vrouwen, twee verhalen

Museum M, 2011. 

Stynen Ludo
Rosalie en Virginie: leven en werk van de gezusters Loveling

Lannoo, 1997. 

Van Den Berghe Jan
Vergeten vrouwen. Een tegendraadse kroniek van België

Polis, 2016. 

Fiktionales


De zussen Loveling/Les soeurs Loveling

Poëziecentrum vzw, 2021. 

Belpaire Marie-Elisabeth
Uit het leven

Drukkerij Vanos-Dewolf, 1887. 

Belpaire Marie-Elisabeth
Gestalten in ‘t verleden

Desclée de Brouwer, 1947. 

Loveling Virginie
Een revolverschot

Gemoderniseerd en van een nawoord voorzien door Annelies Verbeke, De Geus, 2021. 

Yousafzai Malala & McCormick Patricia
Ik ben Malala. Hoe één meisje opkwam voor het recht op onderwijs en de wereld veranderde

Kosmos, 2014. (12+)

Radio 1
De wereld van Sofie – 13 mei 2023

Oud-leraar geschiedenis Helga Van Beeck (PIVA Antwerpen) over Marie Belpaire.