Marie Belpaire an ihrem Schreibtisch, um 1910. | Antwerpen, Sammlung Stadt Antwerpen, Letterenhuis, tg:lhph:11951
Marie Belpaire
Die Mädchen zur Schule
Im 19. Jahrhundert waren die Bildungschancen für Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung äußerst begrenzt. Die katholische Schriftstellerin Marie Belpaire machte es zu ihrer Lebensaufgabe, das zu ändern. Sie organisierte Unterricht für Mädchen und setzte sich sehr für den Zugang von Frauen zu Hochschulen und Universitäten ein.
Ab 1874 organisierte Belpaire mit Privatkapital Grundschul- und berufsbildenden Unterricht für Mädchen aus dem Volk in Antwerpen. Ihr Einsatz verlagerte sich ab den 1890er-Jahren von diesem Volksunterricht zum mittleren und höheren Unterricht für Frauen des Bürgertums. Anfangs wurde auf Französisch unterrichtet, aber ab 1911 in der St.-Ludgardisschule auch auf Niederländisch. Das war neu. Belpaire stand mit an der Wiege der katholischen flämischen Hochschulerweiterung für Frauen, wo Frauen Wissenschaften und Philosophie studieren konnten. Die Krönung ihres Werks war die Gründung der Katholischen Flämischen Hochschule für Frauen im Jahr 1919 in Antwerpen. Aber Belpaire tat mehr: Sie spielte jahrzehntelang eine Schlüsselrolle im flämischgesinnten intellektuellen und literarischen Leben.
Löwen, KADOC-KU Leuven, Archiv Lammens-Verhaegen, 3a32/06A, Dossier 759
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lernten Mädchen aus armen Familien in Ost- und Westflandern in den sogenannten Klöppelschulen ein wenig Lesen und Rechnen. Oft waren diese Mädchen billige Arbeitskräfte. Hier sind sie bei der Arbeit in der Klöppelschule der Apostolinnen in Brügge (1901).
Die Mädchen zur Schule
Den Feministinnen des 19. Jahrhunderts war bewusst, dass ohne soliden Unterricht aus der Emanzipation der Frau nichts werden würde. Weiterführendes Lernen für Mädchen aus dem Bürgertum widersprach jedoch dem Idealbild der Frau als Ehegattin und Mutter. Kinder aus niedrigeren Schichten kamen durch Armut und Kinderarbeit erst recht nicht für eine gute schulische Ausbildung in Betracht.
Für Jungen organisierte die Regierung seit 1850 einen weiterführenden Unterricht. Mädchen blieben nach der Grundschule auf die Schulen weniger religiöser Kongregationen angewiesen. Diese boten nur eine begrenzte Zahl von Ausbildungen an, etwa in Hauswirtschaft oder als Grundschullehrerin. Isabelle Gatti de Gamond sorgte 1864 in Brüssel für die erste städtische weiterführende Mädchenschule. Andere Städte folgten.
Ab den 1880er-Jahren richtete auch die Regierung weiterführende Mädchenschulen ein, aber diese boten keine Lernrichtungen mit Latein und ausreichend Mathematik an, wie man sie für die Universität benötigte. Private Initiativen wie die von Belpaire taten dies wohl und sorgten so für einen besseren Zugang von Frauen zu akademischer Bildung. In den 1880er-Jahren öffneten die Universitäten von Brüssel und Gent ihre Türen für Studentinnen, Löwen tat das erst nach dem Ersten Weltkrieg. Ab 1925 boten auch die staatlichen weiterführenden Mädchenschulen alle Lernrichtungen an. Die Maßnahme mit der größten Auswirkung für Mädchen sämtlicher sozialer Schichten jedoch war die Einführung der allgemeinen Schulpflicht bis 14 Jahre im Jahr 1914.
Fokuspunkte
Erfahren Sie mehr über dieses Thema
Sachbuch
Schrijvende vrouwen: een kleine literatuurgeschiedenis van de Lage Landen (1880-2010)
Amsterdam University Press, 2010.
Werken en leren. Kantwerkscholen tijdens de tweede helft van de negentiende eeuw
Oost-Vlaamse Zanten, 77, 2002-1, p. 14-27.
Vrouwen aan het front: van Dorothy Lawrence tot Marie Curie
Davidsfonds, 2014.
Katholiek onderwijs in België. Identiteiten in evolutie, 19de-21ste eeuw
Halewijn, 2016.
Vrouwenfaam op straatnaam: vrouwen maken naam
Garant, 1999.
Markante vrouwen in de geneeskunst
Houtekiet, 2014.
Liberalisme, féminisme et enseignement des filles en Belgique au XIXe et au début du XXe siècle
In: Gubin, Eliane, Choisir l’histoire des femmes, Editions de l’Université de Bruxelles, 2007, p. 127-144.
Dictionnaire des femmes belges: XIXe et XXe siècles, L’Institut pour l’égalité des femmes
2006.
Oorlogsdagboeken 1914-1918
Uitgegeven door Sylvia van Peteghem en Ludo Stynen, Manteau/Meulenhoff, 2005.
Marie Elisabeth Belpaire. Gender en macht in het literaire veld 1900-1940
UPL, 2013.
Marie-Elisabeth Belpaire: een vrouw met impact
Academia Press, 2019.
Isala en Louise, twee vrouwen, twee verhalen
Museum M, 2011.
Rosalie en Virginie: leven en werk van de gezusters Loveling
Lannoo, 1997.
Vergeten vrouwen. Een tegendraadse kroniek van België
Polis, 2016.
Fiktionales
De zussen Loveling/Les soeurs Loveling
Poëziecentrum vzw, 2021.
Uit het leven
Drukkerij Vanos-Dewolf, 1887.
Gestalten in ‘t verleden
Desclée de Brouwer, 1947.
Een revolverschot
Gemoderniseerd en van een nawoord voorzien door Annelies Verbeke, De Geus, 2021.
Ik ben Malala. Hoe één meisje opkwam voor het recht op onderwijs en de wereld veranderde
Kosmos, 2014. (12+)